Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Die IT-Industrie stösst an ihre physikalischen Grenzen: Immer mehr Experten gehen davon aus, dass die seit 50 Jahren geltende Regel von Gordon Moore in naher Zukunft nicht mehr umgesetzt werden kann. Moore, einer der Gründer des Chipherstellers Intel, hatte 1965 vorausgesagt, dass sich die Leistungsfähigkeit von Computerchips jedes Jahr verdoppeln werde – später vergrösserte er die Zeitspanne auf zwei Jahre. Bis jetzt hat das wunderbar funktioniert, wie gerade die Smartphone-Revolution bestens beweist.

Ein Smartphone, wie es heute schon Kinder in der Schultasche haben, ist enorm viel stärker als zum Beispiel die ersten PCs von IBM. Wir erinnern uns an ein Gerät, das Tausende von Franken gekostet hat, mit einem Arbeitsspeicher von 256 KB, einer Festplatte von 10 MB und einem 16-Bit-Prozessor, der mit 4,77 MHz getaktet war – das ist gerade mal gute 30 Jahre her. Die Evolution der Chip-Technologie, die in der Zwischenzeit stattgefunden hat, hat bis jetzt die IT-Industrie geprägt: Gordon Moore hat die Zukunft mit seiner Formel richtig vorhergesagt. Nun tauchen aber immer mehr Experten auf, die glauben, dass es so nicht weitergehen kann – das Moor’sche Gesetz sei an seine physikalischen Grenzen gelangt, glauben sie. So schreibt die FAZ:

Inzwischen lassen sich bereits über fünf Milliarden Transistoren auf einen Mikroprozessor stopfen. Entsprechend winzig sind die Halbleiterstrukturen. Strukturgrößen um die 22 Nanometer (Milliardstel Meter) sind Standard, der nächste Sprung zur 14-Nanometer-Technologie findet derzeit statt, gesprochen wird längst von 10- und gar 7-Nanometer-Strukturen. Zum Vergleich: Ein Aids-Virus ist etwa zehnmal größer.

Miniaturisierung ist nicht alles!

Die Entwicklung in der Branche geht also ständig weiter – es gibt andere Möglichkeiten, die Leistungsfähigkeit von Chips zu erhöhen. Zitat aus dem Spiegel:

“Die Branche forscht unter dem Motto ‘More than Moore’ an neuen Ideen. Die Diskussion um Moore’s Law sollte berücksichtigen, dass es mehr gibt als Miniaturisierung”, heißt es etwa von Chiphersteller Infineon. “Die technischen Möglichkeiten, Halbleiter kleiner, kostengünstiger und gleichzeitig funktionsfähiger zu gestalten, sind noch lange nicht ausgereizt.” Viele Hersteller setzen zum Beispiel darauf, ihre Prozessoren zu spezialisieren und mehr Leistung zu erreichen, indem sie verschiedene Spezial-Chips in ein System integrieren. Sie können in ihrem Aufgabenbereich höhere Leistungen erzielen als allgemein ausgerichtete Prozessoren. Wenn es nicht mehr kleiner geht, liegt außerdem nahe, die bestehenden Flächen besser zu nutzen. Chiphersteller entwickeln deshalb mit Hochdruck neue Aufbau- und Verbindungstechniken – zum Beispiel das vertikale Stapeln oder das horizontale Verteilen in einem gemeinsamen Gehäuse.“

Es besteht wohl kein Zweifel, dass die Branche Möglichkeiten finden wird, bestehende physikalische Grenzen zu umgehen und damit auch in den nächsten 30 Jahren für massive Leistungssteigerungen zu sorgen, die auch jene Generationen beeindrucken werden, die – was IT betrifft – nicht mehr so einfach zu beeindrucken sind.


Felix Walker ist Journalist, Autor und Übersetzer. In seiner Arbeit, zu der auch der Digital Society Report gehört, befasst er sich vorwiegend mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Er lebt in Novia Scotia, Kanada.