Wir befinden uns in einem transformativen Zeitalter. Genau wie die industrielle Revolution zuvor, erleben wir heute grundlegende Veränderungen in unserer Art zu leben, zu arbeiten, zu spielen und eben auch zu lernen. Digitale Technologien verändern nicht nur unser Lernverhalten, sondern auch die Art und Rolle der Hochschulen und Universitäten. Nun stellen Sie sich vor, Sie schliessen die Augen und wachen im Jahr 2030 auf. Die Welt hat neun Milliarden Menschen. Die Menschheit ist auf dem Mars gelandet. Intelligente Roboter arbeiten mit Menschen zusammen und Autos fahren selbstständig. Wie wird da unser Bildungssystem aussehen? Vier mögliche Szenarien liefern Einblicke in die Zukunft der Schule.

Harvard, Yale oder ETH – traditionelle «Aushänger» Universitäten punkten weiterhin
Traditionsreiche Hochschulen mit international hoher Reputation werden auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Sie sind die «Rolex» unter den Universitäten und Hochschulen dieser Welt und werden dank Elite-Charakter auch in den kommenden Jahren eine hohe Studierendenquote geniessen. Da sie vom Staat finanziert und reguliert werden, besteht wenig Spielraum für gewinnbringende Initiativen. Angeboten werden daher traditionelle Bachelor- und Master-Studiengänge mit Fokus auf Lehre und Forschung.

Private Hochschulen wie die HWZ vernetzen sich mit der Wirtschaft 
Mehr Markt, dafür weniger Staat. Losgelöst von der Regierung und staatlicher Finanzierung, geniessen private Hochschulen grössere Autonomität, was ihre Finanzierungsquellen betrifft. Sie sind kommerziell ausgerichtet und arbeiten daher oft mit Sponsoren und Partnern zusammen. Sie pflegen starke Verbindungen zur Wirtschaft und bieten ihren Studierenden arbeitsintegriertes Lernen mit hohem Praxisbezug.

Singularity University oder Jolt setzen auf disruptive Formate 
Oft als «exotisch» oder «unseriös» belächelt, kämpfen disruptive Formate heutzutage leider oft noch mit ihrem Ruf. In Zukunft wird sich das dramatisch ändern: Neue, «crazy» Formate, die Fokus auf Wettbewerb, Effizienz und Innovation legen, werden sich vervielfachen und klassische Hochschulmodelle ablösen. Sie richten sich ganz nach den Bedürfnissen der digitalen Transformation und schrecken nicht davor zurück in neue Märkte und Dienstleistungen zu expandieren.

Flexibles Online-Studium dank virtueller Mobilität am Beispiel der Udemy
Das Lernangebot befindet sich dort, wo der Nutzer sowieso einen Grossteil seiner Zeit verbringt: im Internet. Flexibel und ausschliesslich online, findet der gesamte Unterricht an einer virtuellen Hochschule über das Internet statt. Vorlesungen werden als Video angeboten, Lernmaterial via Online-Plattform geteilt und Prüfungen am PC absolviert. Kurz: Universitäten strukturieren sich in Netzwerke um, die digitale Plattformen gemeinsam nutzen.

Fazit
Die Szenarien zeigen, dass im Bildungssektor ein tiefgreifender Wandel bevorsteht. Politische Entscheidungsträger und Hochschulleiter müssen zusammenarbeiten, um den Status Quo in Frage zu stellen und die Rahmenbedingungen anzupassen, damit Universitäten und Hochschulen zu Innovationen, Investitionen und Transformationen ermutigt werden.

Manuel P. Nappo

* Dieser Kommentar ist zuerst im Blog von Die Post erschienen