Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Manuel Nappo berichtet Philippe Haller:

Unbestritten: Alle Trends deuten darauf hin, dass die Welt durch Digitalisierung verändert wird – und wir sind mitten in diesem Wandel. Manuel NappoDoch: Wie gestaltet man erfolgreiche «Digital Leadership» in dieser dynamischen Zeit, sowohl als Unternehmen als auch als Privatperson? In einer vierteiligen Session geht Dozent Manuel Nappo, Leiter Center for Digital Business HWZ, auf die Kernthemen der «Digital Leadership» ein.

Digital World – wo wir stehen

Gigantische Datenmengen werden über das Netz ausgetauscht – noch viel beeindruckender ist jedoch die Tatsache, dass das Wachstum dieser Datenmengen ständig weiter steigt. Disruption und Datenmengen in einem einzigen Chart eindrücklich erklärt: Über WhatsApp werden heute mehr als doppelt so viele Nachrichten verschickt wie über sämtliche SMS-Dienste gemeinsam. Und WhatsApp ist wohlgemerkt ein Dienst, der erst 2011 im Markt aktiv wurde!

Die Hälfte der Weltbevölkerung sind «Mobile Users». «Mobile» ist denn auch das aktuell wichtigste Thema im gesamten Digital Business – ganz in diesem Sinne betont Manuel Nappo: «Think mobile, mobile, mobile!» Bestätigt wird diese These mit der Tatsache, dass 83 % der Facebook-User den Dienst übers Mobile nutzen.

Um auch gleich bei Facebook zu bleiben: Es ist nach wie vor DIE unangefochtene Social-Plattform. Während Facebook zu Beginn als Eco-System aufgebaut wurde, entwickelt es sich weiter zu Video-/Nachrichten-/Such- und Foto-Diensten. Bis 2026 soll sich Facebook gar zu einem Betriebssystem fürs Internet entwickeln! Spannend sind mobile - mobile - mobileauch die Ausführungen zu den Gründen, weshalb Kids nicht zu den Haupt-Usergruppen von Facebook gehören: Der grosse Nutzen von Facebook ist es, mit Kollegen von früher, die nun teils geografisch andernorts leben, in Kontakt zu bleiben. Kids haben einerseits gar kein «Netzwerk von früher», andererseits treffen sie ihre Kollegen täglich auf dem Pausenplatz und tauschen sich da aus. Die am stärksten wachsende Mitgliederzahl auf Facebook ist denn auch die Altersgruppe 55+.

Mitten in dieser unbeherrschbaren Dynamik verweist Nappo aber auch auf viele kritische Fragen, welche die Digitalisierung mit sich bringt, wie z.B.: Was ist heute und in Zukunft noch die Motivation für Musiker, einen Song zu produzieren, wenn er anschliessend via YouTube kostenlos vertrieben wird? Und was machen Taxifahrer, die von Uber disruptiert werden?

Every business will become a digital business – Zwang zur Teilnahme!

Seien wir uns bewusst: «Der Kunde steht mehr denn je im Zentrum: Er hat die Option zu entscheiden – und er entscheidet sich immer für die beste Option». Dabei startet der Geschäftsprozess online: Beim «Zero Moment of Truth» (ZMOT) Kunde entscheidet immerfällt der Kunde auf Google und auf der Website den «digitalen Entscheid», ob er den Brand / das Produkt gut oder schlecht findet – also noch weit, bevor ein erster Geschäftsabschluss zustande kommt!

Die gesamte Technologie entwickelt sich ständig weiter – die Digitalisierung forciert diese Entwicklung jedoch massiv. Es entstehen komplett neue Geschäftsmodelle, welche neuen Mehrwert für den Kunden bringen. Ein Beispiel: Mit dem Kauf eines «Tesla» erwirbt der Kunde das vernetzte Wissen und Lernen aus der Community der Tesla-Fahrer.

Dem digitalen Wandel kann und darf sich kein Geschäft entziehen: Der von der Disruption Angegriffene muss sich verteidigen und bereit sein, bisherige Geschäftsmodelle zu hinterfragen und wo nötig (digital) zu entwickeln oder komplett neu zu erfinden. Entscheidende Tatsache: Gegenüber früher ist die Power von Disruption mit einer gewaltigen Ladung zu einem Bruchteil der Kosten vorhanden.

Digital Talents – rekrutiere und ermögliche

Der Change-Prozess hin zur «Digitalen Kultur» startet mit der Antwort auf die Frage Kulturjedes einzelnen Mitarbeitenden: «Wie bin ich in meinem Job selber betroffen?» Der Prozess startet also im Mindset und soll schliesslich zur positiven Überzeugung «Alles ist möglich!» führen.

Hinzu kommt die Herausforderung, «Digital Talents» zu rekrutieren, wobei folgende Leitsätze eine zentrale Rolle spielen:

  • Möglichst tiefe Bürokratie
  • Kultur «Trial & Error» ermöglichen und leben
  • Motto: «Mittelmässig ist nicht gut genug!»
  • Moderne Infrastruktur und Entwicklungsmöglichkeiten bieten

Digital Leaders – go for it, NOW!

Im vierten Teil seines Referats geht Nappo auf die wichtigsten Eigenschaften eines «Digital Leaders» bei der Gestaltung und aktiven Pflege der Auftritte in sozialen Netzwerken ein.

Schwach zusammenhängende Netzwerke führen zu besserer Unterstützung bei einer Problemlösung als starke Vernetzungen! Letztere gründen nämlich auf persönlichem, engem Kontakt, weshalb daraus gleiche Gedankengänge, ähnliche Ideen uSocial Neworks - Charakteristikand Lösungsansätze für eine Problemstellung resultieren. Es entsteht dadurch viel weniger Ergänzung im Mindset und dadurch kaum Innovation.

Ein «Digital Leader» (DL) zeichnet sich über Stärken in fünf Aspekten aus:

  1. Identifikations-Management: Der DL zeigt auf, was ihn ausmacht und er weiss sehr gut, wie er dies seinen Mitmenschen mitteilen kann.
  2. Beziehungsmanagement: Der DL erkennt, mit wem ihn etwas verbindet und weiss, wie er diese Verbindung pflegen muss.
  3. Info-Management: Der DL ist sich bewusst, was er weiss und wie er seinen Wissensschatz organisiert.
  4. Bewusste Unterscheidung von Netzwerken: Der DL nutzt verschiedene Typologien von Netzwerken bewusst unterschiedlich: Öffentliche Aufritte via LinkedIn, Twitter oder Google+, die Privatsphäre wahrt er sich in Facebook, Instagram oder Pinterest.
  5. Verhaltensmerksätze in Social Networks: Sei ehrlich, authentisch, aufmerksam, relevant, transparent und humorvoll! Folge selber anderen Personen und Unternehmen! Stelle Fragen! Sei bereit zu lernen – und mache mit!

Fazit

Manuel Nappo fasst abschliessend sein durchwegs spannendes Referat mit den wichtigsten Punkten für eine erfolgreiche «Digital Leadership» zusammen:

  1. Mindset im Management: Mehr «Yes, why not?» als «Yes, but …»
  2. Beziehungen zu anderen Spezialisten sind unverzichtbar
  3. Die Veränderungen müssen aktiv vorangetrieben werden
  4. Die Umsetzung muss nachhaltig angegangen werden
  5. Sehe das Big Picture, aber fokussiere dich
  6. User Experience geht über alles
  7. Bilde Netzwerke, sei offensiv, neugierig und aktiv
  8. Unterschätze niemals deine (kleinen) Konkurrenten
  9. Experimentiere: «Try & Error»