Seit Monaten ist der CAS Digital Finance an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich bereits ausgebucht. Nun erfolgte am 12. April 2016 der Startschuss für den Lehrgang. In den nächsten fünf Monaten drücken die insgesamt 24 Studierenden die Schulbank (und sie twittern fleissig unter #hwzdigitalfinance).

Doch woher kommt das grosse Interesse an dem Thema? Es geht um Finance 2.0 (einfach erklärt: Old and new build something new), es geht um Fintech (die Start-ups), es geht um die neue Realität in einer digitalen Gesellschaft, es geht um «Digital Banking». Denn Banken haben viel zu verlieren, das sagt auch die grösste Schweizer Bank (hier in einem Interview nachzulesen).

Die Bankenbranche: digital seit 1968?

Die Digitalisierung trifft mit voller Wucht auf Banken und Versicherungen, die Geschäftsmodelle werden massiv umgekrempelt. Erstaunlich ist aber, dass die Bankenindustrie schon sehr früh digital wurde. Einige Meilensteine:

  • 1968: Erster Bankomat
  • Mitte 1990er Jahre: Telebanking mit Videotext
  • 1995: Start der ersten vollelektronischen Börse (SIX Exchange)
  • 1997: Credit Suisse startete Internet Banking
  • 1999: UBS lancierte Tradepac (Online Trading Plattform)
  • 2000: Erste Online-Bank in der Schweiz, Swissquote, ging an die Börse

Doch der digitale Wandel, der in den letzten Jahren bereits diverse Branchen veränderte, liess viele Banken kalt. Sie haben die Veränderungen beinahe verschlafen. Die Entwicklungen sind aber nicht aufzuhalten: Kundinnen und Kunden agieren längst digital, neue Technologien wie Blockchain (Blockchain in 3 Minuten erklärt) haben das Potenzial, viele Anwendungen und Prozesse neu zu erfinden, und nicht zuletzt treten branchenfremde Unternehmen und Fintech-Start-ups in den Finanzmarkt ein.

Einmal Banking to go, bitte!

Die neue Realität heisst: Banking wird digital und social; und kommt in die Hosentasche – «Banking to go». Die Treiber sind die Kunden, und zwar nicht nur die Millenials, die übrigens 2020 in der Mehrheit sein werden. Die Generation 55+ wird derzeit am stärksten digitalisiert.

Die Kundinnen von heute erwarten von ihrem Finanzinstitut sinnvolle Produkte und Dienstleistungen, basierend auf ihren Daten. Sie wollen rund um die Uhr, ortsunabhängig und von jedem Endgerät auf ihre Finanzdienstleistungen zugreifen können, sei es zu Informations- oder Transaktionszwecken.

Vorangetrieben werden die Entwicklungen besonders durch die «jungen Wilden», die Fintech-Unternehmer. Inzwischen sind weltweit Tausende von Fintech-Unternehmen gegründet worden. Auch Risikokapitalgeber erkennen das Potenzial. 2015 wurden beinahe 20 Milliarden Dollar in Fintech-Start-ups investiert.

Das Beratungsunternehmen Deloitte hat dazu die «Disruption Map» entwickelt und stuft die Finanzbranche in die Kategorie «Kurze Lunte, grosser Knall» ein.

deloitte_disruptionmap

Die Disruption Map definiert damit jene Branchen, denen unmittelbar ein grosser Knall bevorsteht. Gerade diese sollten die digitale Transformation als die zentrale Herausforderung betrachten, da sie in nächster Zeit auf sie zukommen wird. Dazu zählen eben Banken und Versicherungen, die nun unbedingt handeln sollten.

Deutlich mehr Zeit haben die Unternehmen in der Kategorie «lange Lunte, grosser Knall». Sie werden  dem Umbruch erst in drei bis fünf Jahren gegenüberstehen.

Das bedeutet also: Banken müssen ihre Wertschöpfungskette analysieren und sich überlegen, in welchen Bereichen sie noch relevant sind und wo sie überhaupt noch relevant sein wollen (oder können). Die Folgefrage ist, ob es ein Finanzdienstleister alleine schaffen kann oder ob eine Kooperation mit einem Fintech-Unternehmen nicht intelligenter wäre.

Die Konkurrenz wächst

In der neuen Realität gehört nämlich Banking nicht mehr den Banken allein. Branchenfremde Unternehmen, wie Apple oder die Schweizer Valora, bieten im Bereich Consumer Banking Produkte und Dienstleistungen an und partizipieren an der Wertschöpfungskette.

Beispiel Valora: Heute kann schweizweit an jedem Kiosk ein Kleinkredit beantragt werden. Valora macht’s möglich, sie hat die Filialen und kann damit direkt die Kundenschnittstelle anzapfen.

Die Banken und ihre Mitarbeitende sind gefordert. Sie müssen sich ein neues Mindset aneignen: exponentielles statt lineares Denken, Verständnis schaffen für die Kundenbedürfnisse und neue Wege für altbekannte Produkte und Dienstleistungen, wie sparen, zahlen, anlegen, Vorsorge in einer digitalen Welt.

Neugierig? Hier erfahren Sie mehr zum Studiengang, wir planen bereits die nächste Durchführung.

In den nächsten Monaten bloggen hier die Studierenden vom CAS Digital Finance regelmässig über das Gelernte, ihre Erfahrungen, einige Insights und hoffentlich auch über viele Fun-Momente.

von Rino Borini, Studiengangsleitung CAS Digital Finance