Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Manuel P. Nappo berichtet Alexandra Höhener:

In der letzten Studie Digital Switzerland 2018, die von der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich durchgeführt wurde, zeigte sich, dass 85 Prozent der Schweizer KMU nach wie vor den Reifegrad eines “Digitalen Dinosauriers” aufweisen. Das heisst, diese Digitalen Dinosaurier sind der Meinung, dass weder ihr Kundenerlebnis noch ihre eigenen operationellen Prozesse digitalisiert sind. Woran liegt das? Als eine der grössten Herausforderung sticht klar das fehlende Fachwissen heraus. Und was bedeutet denn Digitalisierung auf einer höheren Ebene?

Für unseren Dozent Manuel P. Nappo sind für das Verstehen und die Einordnung von Digitalisierung in Bezug auf Leadership die folgenden vier Themenbereiche essentiell:

Die Bedeutung von “Exponential Technologies”

Die menschliche Wahrnehmung ist linear. Folglich entsprechen 30 gleichmässige Schritte in etwa 30 Metern. Exponentielles Wachstum hingegen bedeutet, dass sich die Entwicklung in gleichen Abständen immer um denselben Faktor ändert. Gerade die Digitalisierung schreitet oftmals exponentiell voran. Kurz gesagt: dies macht es für uns alle nicht oder nur schwer greifbar, da sehr viel passiert in sehr kurzer Zeit.

Die Technologie verändert das Spiel. Anders gesagt, es ist der Gamechanger. Es verändert die Welt von Knappheit in eine Welt der Fülle. Unsere traditionellen Geschäftsmodelle basieren jedoch auf Knappheit. Das bedeutet, wenn das Geschäftsmodell digitalisiert wird, wird es verfügbar und ist nicht mehr knapp. Somit steht es allen zur Verfügung sowie jeder kann partizipieren. Beispiele hierfür sind unter anderem booking.com, Uber und weitere.

Artificial Intelligence (AI), Internet of Things (IoT), Blockchain, Robotics, Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR), mobile, voice assistant sind nur einige der Technologien, die schnell zu Gamechangern werden können. Folglich kann an dieser Stelle die Frage entstehen, ob uns ein Roboter je ersetzen kann und wird? Auch hier gilt offen zu denken, denn es ist ein miteinander. Denn der reine Job, das Ausführen und Erledigen der Aufgabe, kann und wird folglich einer Maschine zugeordnet sein. So können wir Arbeiten, die wir zum Beispiel weniger mögen, dem Roboter übergeben. Unter dem Strich liegt die Antwort also nicht in einem reinen entweder oder, sondern vielmehr in einem sowohl als auch.

Was heisst das konkret?

Es erfordert ein Denken in Möglichkeiten. Jeder muss für sich prüfen, wie die neuen Technologien der Digitalisierung zu nutzen sind. Es gibt nicht ausschliesslich weiss oder schwarz, sondern viele verschiedene Farbnuancen. Die Digitalisierung ist nicht nur für Junge – sie ist alles für alle.

Mit dem Smartphone kann ich auf Social Media rasch entdecken, was andere kaufen und was andere erleben. Mit Social Media kann ich am Leben aller teilhaben. Wir können uns austauschen und sind so connected. Das Leben wird mit dem Mobile fashionable – Mobile ist the new black.

Das neue Grundbedürfnis: Connected Humans

Egal um welche Generation es sich handelt, der Wunsch immer und überall verbunden zu sein hat sich zu einem neuen Grundbedürfnis entwickelt. Die zwei grossen Treiber für diese neuen Bedürfnisse sind vor allem im Bereich der Mobiles und Social Media zu erkennen. Mit dem Smartphone sind wir überall mit allen Menschen verbunden und können uns mit Social Media mitteilen wann und wo wir wollen.

zwei Treiber

In einem Smartphone sind sehr viele elektronische Features integriert, welche früher ausserhalb des Mobiles in einem separaten Gerät zu finden waren. Wie zum Beispiel: Taschenlampe, Digitalkamera, MP3-Player, Navigationssystem und viele weitere mehr. Der Verkauf all dieser Geräte ging massiv zurück mit dem Boom der Smartphones. Somit ist eines klar: das Smartphone ist immer wichtiger geworden.

Die Veränderung mit “Transforming Business”

Das folgende Zitat beschreibt das Thema Transforming Business sehr treffend:

“Einführung eines Produkts oder einer Dienstleistung, das entweder der bestehende Markt noch nicht kannte (Market Disruption) – oder das eine einfachere, billigere und bequemere Alternative (Low-End-Disruption) bietet.” (Prof. Clayton Christensen, Harvard Business School).

Disruption ist das Aufbrechen einer Wertschöpfungskette, und kann zu einem neuen bzw. einem veränderten Kundenverhalten führen. Disruption muss nicht zwingend eine neue Technologie beinhalten, sondern vielmehr die Bedürfnisse der Gesellschaft verändern. Und dies wiederum kann zu einem neuen Geschäftsmodell führen. Das zeigten uns unter anderem sehr eindrücklich Netflix, Uber, Apple und Amazon. Eine neue Technologie ist der Enabler – der Möglichmacher, aber nicht zwingend der Disruptor.

Digital Leadership – Wandel gemeinsam gestalten

“Everyone likes progress, but no one likes change. That is why leadership is hard.” (Geoffrey, Garrett)

Die traditionelle, analoge Welt trifft auf die neue, digitale Welt. Das bedingt ein Umdenken und führt so zwangsläufig auch zu einer neuen Führungskultur. Eine neue Kultur, die Vertrauen schafft, mutig ist, den eigenen Status veranlasst aktiv zu hinterfragen und die Mitarbeiter zu fördern. Diese Leadership soll dynamisch, visionär und stark geprägt von der Digitalisierung sein. Einfach mutig! Sie sieht die Chancen und Möglichkeiten und will diese auch für sich nutzen. Für uns als digitale Leader ist es unerlässlich in der Phase der Transformation bezogen auf die neuen Technologien, die Geschäftsmodelle und die Kultur, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Mit den eigenen grossen Visionen, einer gelebten Fehlerkultur und dem Mut können wir den Wandel in Leadership aktiv mitgestalten.

Es bedingt allerdings auch, die bevorstehenden Veränderungen und Herausforderungen anzunehmen. Und so wird die Komfortzone immer wieder aufs Neue verlassen. Es ist ein stetiger Prozess, in dem wir unsere eigenen Visionen immer wieder hinterfragen müssen und lernen müssen, in Möglichkeiten zu denken. Culture needs a leader – not a boss.

Gemeinsam als Team können Ziele formuliert und anschliessend auch gelebt werden. Durch den Miteinbezug aller Beteiligten bei der Erarbeitung der Ziele werden diese auch mitgetragen. Die HWZ Digital Leaders haben dies in ihrem Manifesto 3.0 so beschrieben:

Wie uns Manuel P. Nappo mit auf den Weg gegeben hat, ist entscheidend für den Erfolg, den Mut zu haben, sich selbst immer wieder neu zu erfinden.