Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit Dr. Manuel Thomet berichtet Christopher Tscholl – ein kurzer, aber spannender Nachmittag mit Dr. Thomet und seinem Modell zur Bewertung der „Digital Readiness“ für ein Unternehmen:

Wir alle spüren es – „digital“ wird gehypt und findet immer mehr Anklang in Schweizer Unternehmen. Dr. Thomet übergab uns einen Sortierkasten, um die dazugehörigen Themen einordnen zu können. Oder, in unserem Fachjargon: digitales „Know-how“ in einem digitalem „Do-how“, denn:

„What can be digitized, will be digitized“… früher oder später.

Ein Blick auf die linke Grafik beweist die Relevanz des Suchbegriffs „Digitalisierung“ der letzten Jahre. Die Grafik daneben zeigt die Schwerpunkte der digitalen Themen der letzten 25 Jahre.

Relevanz Suchbegriff Digitalisierung

Relevanz Suchbegriff Digitalisierung

Schwerpunkte Digital Business

Schwerpunkte Digital Business

Veränderungen werden sich einspielen – in jeder Branche. Wann und wie kann nicht vorausgesagt werden, aber wir müssen uns darauf einstellen. Digitale Disruption ist bereits in einigen Industrien Realität. Wie könnte sonst bspw. Uber mit nichts so viel Geld verdienen, fragt Dr. Thomet im Unterricht? Mit Service! Mit Better-Service – so die Antwort – und dazu gehört mehr als nur eine schöne Website, wie die Karikatur aufzeigt.

Eine schöne Website genügt nicht

Eine schöne Website genügt nicht!

Wie finden wir nun heraus, ob unser Unternehmen fit für die Digitalisierung ist? Die „Digital Readiness“ wird bei Dr. Thomets Modell auf einer aufsteigenden Vierer-Scoring-Skala abgebildet. Mit der Ausprägung „4“ wird die gegenwärtig (technisch) mögliche Digitalisierungsstufe bezeichnet und nicht der strategische Anspruch eines Unternehmens.

Hierarchisches Modell der Analyseeinheiten und Konsolidierungslogik für die Bewertung der Digital Readiness

Hierarchisches Modell der Analyseeinheiten und Konsolidierungslogik
für die Bewertung der Digital Readiness. Quelle: additiv Consulting

Dazu müssen wir die fünf Domänen kennen, die es zu bewerten gilt, um die Nutzenpotentiale der Digitalisierung zu erschliessen.

Domänen und Subdomänen / Source: additiv Consulting

Domänen und Subdomänen. Quelle: additiv Consulting

Diese beinhalten:

Digital Pre-Requisites
Die Digital Pre-Requisites umfassen das Set von strategischen Grundlagen-Dokumenten mit expliziten Bezügen zum Thema Digital.

Digital Enablers
Die Digital Enablers repräsentieren den ersten Operationalisierungsschritt nach der Strategie. Dazu gehören z.B. Kultur, Aufbauorganisation oder Infrastruktur.

Digital Offering
Das Produkt- und Serviceangebot in den digitalen und stationären Kanälen wird pro Segment mit einer konsequenten Cross-Channel-Optik strategieorientiert operationalisiert, umgesetzt, gemessen und kontinuierlich optimiert.

Digital Leverage
Der digitale Kommunikationsauftritt über alle Medien ist konsistent. Das digitale Marketing ist professionell geführt und umgesetzt und Social Media sind integraler Teil davon.

Digital Experience
Ein hoher Service-Grad erlaubt Kundinnen und Kunden grosse Autonomie und dennoch jederzeit die Möglichkeit, mit der Bank in den Interaktionsmodus einzutreten. Die Mitarbeitenden werden mit digitalen Hilfsmitteln optimal unterstützt.

Dein Score?

Dein Score?

Nun, nach einer groben ersten Bewertung einzelner Subdomänen – innerhalb der HWZ-Räumlichkeiten einzelner vertretenen Unternehmen – wird uns auch der Handlungsbedarf bewusst. Wo sollen wir priorisieren? Dr. Thomets Antwort ist klar: Es muss sich im Unternehmen jemand der Thematik annehmen und sie vorantreiben. Es geht nicht darum, alles wegzuwerfen, sondern vielmehr darum, die eigene Serviceleistung zu erweitern, sich den Kundenberührungspunkten (Touchpoints) bewusst zu werden und sie in Einklang zu bringen. Voraussetzung ist die Verankerung der Digitalisierung innerhalb der Strategie. Es bedarf eines Digital Leaders im Unternehmen, welcher die Strategie überprüft und sicherstellt, dass die Digitalisierung auch einen ihr angemessenen Stellenwert erhält.

Besonders erwähnenswert aus dem Unterricht am Morgen bei Prof. Dr. Michel ist die Aussage, dass sich die Unternehmen ihrer Kernkompetenz bewusst werden und sich ihr auch widmen müssen. Unternehmen müssen das tun, was sie am besten können, das Potential sowie die Skalierbarkeit erkennen und sich darauf fokussieren. Als Verwaltungsrat beim Schraubenhersteller Bossard hatte er uns verdeutlicht, dass die Kernkompetenz nicht in der Herstellung und dem Verkauf der Schrauben liegt, sondern vielmehr in der Gestaltung und dem Verkauf individueller Logistiklösungen sowie in den dazugehörigen Prozessen des Re-Order Managements. “Proven Productivity” lautet das Mission-Statement des Unternehmens, das so manch einem Industrieunternehmen mit seinen durchdachten Prozessen sowie seiner digitalen Vernetzung voraus ist.

In diesem Sinne: Packen wir die neuen Herausforderungen durch die digitale Transformation an!