Aus dem Unterricht des CAS Disruptive Technologies mit Tony Aschwanden und Pascal Hagedorn berichtet Dario Bernardi:

Tony Aschwanden und Pascal Hagedorn vom SAP Lab in Regensdorf haben uns auf eine Reise in den Retail Store der Zukunft mitgenommen. Dabei kam die neue SAP HANA Platform zur Sprache, wobei auch mit Buzzwords wie Digital Transformation, Mobile Payments, Instore GPS / Location Tracking, Face Recognition, User Experience, Design Thinking, Big Data, Smart Data und Predictive Analytics nicht gespart wurde. Aber der Reihe nach!

SAP war in der Vergangenheit nicht bekannt dafür, die Dinge einfach zu machen. Insofern geht im allgemeinen Hype die von SAP entwickelte SAP HANA Platform tatsächlich zu Unrecht etwas unter – dabei kann sie doch soviel, und natürlich alles ganz easy. Ja, was kann sie denn genau? Und vor allem: Wobei kann SAP behilflich sein? Sicher ist, dass gemäss SAP die zunehmende Komplexität eine der grössten Herausforderungen moderner Unternehmen ausmacht. Dabei liegt die Schwierigkeit in der Transformation traditioneller Businessprozesse in ihr digitales Pendant, wobei Prozesse nicht nur digital abgebildet, sondern verständlicherweise auch benutzerfreundlich sein müssen.

Mit dieser – durchaus nicht neuen – Voraussetzung versucht SAP heute in Zusammenarbeit mit Kundinnen und Kunden mittels sogenannter (O-Ton!) User-Friendlyness-Creation Unternehmensprozesse in benutzerfreundlichen Systemen abzubilden. Hierfür scheint SAP HANA ein vernünftiges und geeignetes System zu sein. Da die (auch, aber nicht nur) durch das Internet of Things geschaffene Datenflut enorm ist, muss zudem die Frage beantwortet werden, inwiefern diese heute als Big Data (bestehend aus Datenquellen von Machine to Machine, Transactional Data, Consumer Data und Social Media) bekannten Datenmengen zu Arbeits- und Analysezwecken in sogenannte “Smart Data” verwandelt werden können. Denn: Erst an diesem Punkt erhält die (häufig unstrukturierte) Datenmenge eine vernünftige Ordnung, mittels derer herkömmliche Businessprozesse digital abgebildet und “ready for work” gemacht werden können.

Partner Innovation Lifecycle Services & Digital Maturity

SAP’s Co-Innovation-Vorgehen “Partner Innovation Lifecycle Services” (PLS) besteht aus fünf Phasen:

  1. Inspire: Unternehmen sollen sich von SAP inspirieren lassen und die Angebote kennen und verstehen lernen
  2. Ideate: Identifizierung von vernünftigen Use-Cases, für die dank der SAP Lösungen entwickelt werden können
  3. Enable: Lernphase, um die SAP Platform bedienen und anwenden zu können
  4. Build: Entwickeln eines Prototyps für einen Proof of Concept
  5. Monetize: Showcase der Innovation und Monetarisierung

Da sich Unternehmen nicht von heute auf morgen komplett verändern können (oder wollen), teilt SAP die Unternehmen in fünf Kategorien der “Digital Maturity” ein:

  1. Ad Hoc: Eine Firma reagiert nur reaktiv und ist ein sogenannter “Digital Resister”. Sie wartet ab, bis ein potentieller Disruptor in den Markt eintritt.
  2. Opportunistic: Eine Firma ist an dieser Stelle ein “Digital Explorer”. Businessmodelle werden nicht konsequent umgesetzt, aber man spricht immerhin darüber.
  3. Repeatable: Ein sogenannter “Digital Player” und damit tatsächlich bereits relativ weit vorne mit dabei. Unternehmen in dieser Kategorie sind zwar noch keine digitale Innovatoren, aber die Wichtigkeit der sich wandelnden Märkte und Technologien wurde erkannt.
  4. Managed: In dieser Kategorie befindet sich ein zwar traditionelles Unternehmen, das es aber verstanden hat, sich den Zeichen der Zeit anzupassen. Es wird folgerichtig von SAP auch als “Digital Transformer” bezeichnet.
  5. Optimized: Die Königsklasse der digitalen Innovation. In dieser Kategorie befinden sich Unternehmen, die einen Markt und/oder ein Geschäftsmodell komplett verändert haben. Die berühmten “Digital Disruptors” sind hier anzusiedeln.

Gelingt es einem Unternehmen, sich in der vierten oder gar fünften Kategorie anzusiedeln, so existiert folglich eine optimale Ausgangslage für die Innovation von Businessmodellen.

Natürlich benötigt jedes Unternehmen diverse Voraussetzungen, um tatsächlich die Kraft zu haben, sich von einem “Digital Resister” zu einem “Digital Transformer” oder gar “Digital Disruptor” wandeln zu können. Leadership bzgl. Businessmodellen und Visionen ist genauso notwendig wie die richtige Workforce und Unternehmenskultur zu etablieren. Neben diesen “Softskills” dürfen dabei aber weder IT Architecture noch Data Management oder Prozesse und Strukturen vergessen werden, um die von SAP genannte Omni-Experience mit einem Ecosystem zu erschaffen.

SAP Use Cases: Beispiele

  • Assisted Living: Senioren werden mit Bewegungssensoren ausgerüstet, womit festgestellt werden kann, ob die Person sich bewegt, liegt, steht oder soeben umgefallen ist. Der Sensor ist am Internet angehängt, womit die erfassten Daten einem Früherkennungssystem übermittelt werden. Somit kann e.g. nahezu in Echtzeit auf einen Sturz mit entsprechenden Massnahmen reagiert werden.
  • Früherkennung von Krankheiten (genannt wurde ein Spitex-Fall): Sensoren können dafür eingesetzt werden, festzustellen, ob sich bei einer älteren Person bspw. Wasser auf der Lunge entwickelt. Damit wird verhindert, dass eine Person zu spät (oder zu früh!) ins Krankenhaus eingeliefert wird.
  • Logistics: Mittels Sensoren können Shipments in Echtzeit und weltweit verfolgt werden, womit Lagerplätze besser ausgelastet, Lieferzeiten eingehalten und Abläufe optimiert werden können.
  • Maschinenbau & Fertigung: Von der Optimierung von Produktionsprozessen, die zu einer Reduktion des Working Capitals geführt haben, bis zu Reparaturen von Einzelteilen in Helikoptern oder dem Screening von Gasleitungen auf potentielle Lecks existieren in dieser Kategorie eine Vielzahl interessanter Beispiele.

Ein paar Impressionen aus den Demos des Retail Stores der Zukunft:

Nützliche Links: