Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership zum Thema “Disruption Governance – What gets you there and why” mit Dr. iur. Guenther Dobrauz-Saldapenna berichtet Marina Milivojac:

Guenther is a Partner with PwC in Zurich and Leader of PwC Legal Switzerland where he also heads the Legal FS Regulatory & Compliance Services practise. He is also a member of PwC’s Global Legal Leadership Team directing the firm’s global legal practise in 90+ countries as well as PwC‘s Global Financial Services Legal Leader and Global LegalTech Leader.

Guenther specialises in structuring, authorization and ongoing lifecycle management of financial intermediaries and their products. A practising Tech- and Innovation Enthusiast since 2002 he also strongly focuses on LegalTech, RegTech, and the fascinating Blockchain space.

He is the author of three books on innovation and disruption and of five books on European, Swiss and Liechtenstein regulation. He also authored and co-authored 100+ publications in international expert magazines and has to date been speaking at more than 200 conferences worldwide.

Next to being a lawyer, Guenther is an entrepreneur and innovator in the legal field embracing technology. His believes that his job first and foremost is to provide an inspiring and rewarding environment that allows talent to grow on the basis of what he considers to be the future of legal services: interdisciplinary and diverse teams of passionate specialists working together on the basis of trust and respect and as part of a truly global legal network but also closely connected to all the other areas of expertise within PwC. He fundamentally believes that regulation has become a strategic dimension and he is passionate about translating legal into business with his team of great Swiss and EU attorneys and lawyers.

He is also passionate about rock music (really his second biggest love after his wonderful family), vinyl records & custom motorcycles. Always interested in innovative ideas, exchange on innovation, legal & regulatory subjects as well as the legal talent to join his team. Quelle

“Disruption! Wie bitte?”

Digital Disruption

“Digital Disruption” findet dort statt, wo durch den Einsatz von digitalen Technologien herkömmliche Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle nachhaltig verändert werden. Für die Anbieter solcher herkömmlichen Geschäftsmodelle bedeutet das in der Regel einen negativen Effekt in deren Geschäftsentwicklung. Damit von Disruption gesprochen werden kann, müssen die entstandenen Veränderungen für die herkömmlichen Geschäftsmodelle drastisch sein. Durch die “Digital Disruption” werden klassische Geschäftsmodelle, eingefahrene Technologien und Dienstleistungen durch massgebend effizientere Verfahren, schnellere Lieferungen, niedrigere Preise, einfachere Handhabung und diverse andere Faktoren umfassend substituiert. Die digitalen Methoden, welche zur “Digital Disruption” führen, zeichnen sich primär durch einen markanten Zeitgewinn, Personaleinsparungen und schlussendlich deutlich höheren Erträgen aus und sind damit den bis anhin angewandten Verfahren in vielerlei Hinsicht überlegen.

The appropriate response to new technology is not to angrily retreat into
the corner hissing and gnashing your teeth.

It’s to ask: “Okay, how should we use this?”
– Burning Man

Innovation, Disruption & Dominant Design

Invention: Generierung von Ideen oder Konzepten für neue Produkte oder Prozesse

Innovation: Umsetzung neuer Ideen in marktfähige Produkte oder Prozesse

Diffusion: die breite Akzeptanz von Produkten oder Prozessen auf dem Markt

Creative Destruction: industrielle Transformation durch radikale Innovation. Die Einführung revolutionärer Produkte und Dienstleistungen durch erfolgreiche Unternehmer ist die grundlegende Kraft für ein nachhaltiges langfristiges Wirtschaftswachstum, zerstört jedoch kurzfristig die Macht etablierter Institutionen und Organisationen.

Die Dynamik der Innovation

In allen Transformations- und Umbruchzyklen gibt es einen Schlüsselpunkt für den Zukunftserfolg in Form eines dominanten gestalterischen Leitmotivs (Dominant Design). Neue Vorschriften und Standards schreiben dieses den Finanzdienstleistern derzeit weitgehend vor.

In klassischen Wirtschaftsmärkten mit technologiebasierten Produkten ist das frühzeitige Erkennen und Umsetzen von disruptiven Innovationen oder zumindest überlegenen technischen Lösungen entscheidend. Daraus erwächst ein dominantes gestalterisches Leitmotiv, das sogenannte Dominant Design. Dieses kann schnell zum ultimativen Standard werden. In Verbindung mit effizienten Produktionsfaktoren bildet es die Grundlage für die Ausbildung signifikanter Marktstellungen. Somit entscheidet es über Erfolg oder Misserfolg von ganzen Unternehmen.

Innovators:

Bei der Markteinführung eines disruptiven Produkts sind Innovatoren die Zielgruppe, welche an neuen Features und Technologien interessiert sind.

Early Adopters:

Sie sind schnell, wenn es darum geht, technische Produkte im Alltag zu nutzen und verzeihen es, wenn diese noch nicht ganz ausgereift und daher mit Fehlern behaftet sind.

Early Majority:

Die Mehrheit der Konsumenten möchte ein möglichst funktionierendes Produkt haben. In ihrer Auswahl richten sie sich danach, was von anderen bereits erprobt wurde und damit mängelfrei ist.

Late Majority:

Erst wenn Innovationen zum alltäglichen Standard gehören, werden sie von diesen Konsumenten genutzt.

Leggards:

Diese nutzen ihr gewohntes Produkt und lassen sich weder von Neuigkeiten noch von anderen Konsumenten beeinflussen. Erst wenn es das von ihnen genutzte Produkt nicht mehr gibt, wechseln sie zu einen neuen. Rogers entwickelte dieses Modell bereits in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und beschreibt damit, in welcher Zeit sich Innovationen durchsetzen und wie wahrscheinlich ein Erfolg von technischen Neuerungen ist.

Im Lauf der Zeit ändern sich die Hauptkriterien für den neuen Standard ebenso wie die Zielkundengruppen. Wer letztere nicht bedienen kann, wird der Marktentwicklung nicht gerecht werden und nicht von ihr profitieren. Für Marktteilnehmer kommt erschwerend hinzu, dass die Marktentwicklung nicht linear verläuft, sondern konsolidiert betrachtet eine S-Kurve bildet. Die grösste Herausforderung stellt somit für alle Unternehmen die Umsetzung aller inhaltlichen Schlüsselfaktoren im vorherrschenden Leitmotiv (Dominant Design) dar. Wer dieses ignoriert, läuft Gefahr, die Kurve gänzlich zu verlassen. Oder aber er legt das Augenmerk nicht rechtzeitig von Produktinnovation auf Produktionseffizienz und andere nachgelagerte Faktoren. Er kann dadurch in Rückstand geraten. Zu den zunehmend wichtiger werdenden nachgelagerten Faktoren zählen auch das Branding und das Marketing. Was für Unternehmen im Allgemeinen gilt, ist auch für Finanzdienstleister entscheidend. Hier wirken ähnliche Dynamiken. Das sogenannte Dominant Design tritt bei fast gleicher Wirkung in Gestalt von Regulierung und in Form von verpflichtenden Standards auf.

Quelle

Die Auswirkungen von Smartphones auf die Kameraindustrie

Analogkameras wurden innert kurzer Zeit durch Digitalkameras disruptiert. Kurze Zeit später waren Digitalkameras auch nicht mehr gefragt. Das Smartphone von Apple war geboren. Das Beispiel zeigt, dass bestehende Firmen durchaus die Möglichkeit haben zu überleben. Fujifilm überlebte dank der Adoption des Geschäftsmodells. Kodak scheiterte trotz Adoption des Geschäftsmodells.

Kodak, gegründet um 1880, war berühmt für seine Pioniertechnologien und sein innovatives Marketing in der Fotografie. 1974 baute der junge Kodak-Ingenieur Steve Sasson die erste digitale Kamera der Welt. Weil diese Innovation das Geschäftsmodell von Kodak kanalisieren würde verschwand diese in den Schubladen.

Quelle: CIPA, statista.com

1988 hatte das Unternehmen mehr als 145’000 Mitarbeiter und war unter den erfolgreichsten und wertvollsten Marken weltweit. 2013 gab jedoch Kodak das Fotografie-Geschäft auf und hat sich heute auf Druckmaschinen spezialisiert, wo sie mit rund 7’000 Mitarbeiter 2 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaften. Quelle: Spiegel Online (2015)

Technologie Adoption

Die Technologie-Adoption geht heute viel kürzer als früher. Dies hat den Vorteil, dass bei neuen oder angepassten Geschäftsmodellen innert kurzer Frist der Erfolg beziehungsweise Misserfolg beurteilbar ist.

Quelle: PwC (2019, S. 18)

Big-Bang Disruption

Die sogenannte “Big-Bang Disruption” ist eine grundlegend neue Art von Innovation. Sie zeichnet sich durch eine enorm kurze “Time-to-market”, also der Zeit von der Idee bis zur Markteinführung, aus. Dabei wird innert kürzester Zeit eine Leistung im Markt platziert, die sowohl besser als auch günstiger ist, als es der Markt bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt kennt. Mit der “Big-Bang Disruption” geht also ein gewisser Überraschungseffekt und ein drastischer Bruch mit der bisher bekannten Wertschöpfungskette einher. Zum Erreichen der Proposition mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis nutzt der “Big-Bang Disruptor” neuste Technologien, mit welchen er die Herstellungs-, Informationsbeschaffungs- und Testkosten auf ein absolutes Minimum reduzieren kann. “Big-Bang Disruptionen” sind in der Lage, innert kürzester Zeit herkömmliche Wertschöpfungsketten gänzlich aufzubrechen und neu anzuordnen.

Quelle: Harvard Business Review

“Die Digitalisierung ist ein Innovationstreiber und Innovations-
beschleuniger. Disruptionen erfolgen innert kürzerer Zeit.”


Das Zeitalter der exponentiellen Technologien

Unten sieht man die Folie der technologischen Innovationen mit dem Zeitpunkt der Massenmarktreife und der Einschätzung der Marktreife.

Der Hype-Zyklus von Gartner im Jahr 2019

Die Grafik zeigt, dass sich die Auswirkungen des Blockchain-Geschäfts in den meisten Branchen innerhalb von fünf bis zehn Jahren wandeln werden.

Quelle

Führung und exponentielle Technologien

Globale Talentbeschaffung: 

In einer Welt, in jeder ein Unternehmen sein kann, die regionalen Grenzen sind langsam verblassen und die Leaders der Zukunft suchen global nach Talenten für ihre Teams.

Keine Branche ist unberührt:

Marktführer in allen Branchen, von der
Produktion von Waren bis zur Bereitstellung von Dienstleistungen, müssen über die technologischen Entwicklungen in ihrer Branche und in der Führung auf dem Laufenden sein, um relevant zu bleiben.

Erwartungen:

Mit der sofortigen Übertragung von Informationen wird auch die Erwartungen an die Vergütung steigen. Die Zukunft wird unmittelbare Belohnungen erwarten, nicht nur in monetärer Hinsicht.

Sinn und Zweck:

Es wird noch wichtiger werden, dass Führungskräfte einen Zweck haben, nach dem sie streben können, wie zum Beispiel die Inspiration ihrer Mitarbeiter. Team und das Experimentieren mit Technologie, um ihre Organisation voranzubringen.

 

HAVE – Kompetenzen agiler Disruptionleaders

Humble (Bescheidenheit): Sie sind in der Lage, Feedback zu akzeptieren und zu bestätigen, dass andere mehr wissen als sie.

Adaptable (Anpassungsfähigkeit): Sie akzeptieren, dass der Wandel konstant ist und dass ein Umdenken auf der Grundlage neuer Informationen eher eine Stärke als eine Schwäche ist.

Visionary (Visionär): Sie haben einen klaren Sinn für die langfristige Ausrichtung, auch angesichts der kurzfristigen Unsicherheit.

Engaged (Engagement): Sie sind bereit, zuzuhören, zu interagieren und mit internen und externen Interessengruppen zu kommunizieren, kombiniert mit einem ausgeprägten Interesse und Neugierde an neuen Trends.

Quelle: IMD – Redefining Leadership for a Digital Age

“Appetite for Disruption – We will take you to the edge. And past it.”

⇒ www.appetitefordisruption.tv

“New Suits” – Appetite for Disruption in the Legal World

Pre-order here: ⇒ www.staempflishop.com/newsuits

Ein grosses Dankeschön an Dr. iur. Guenther Dobrauz-Saldapenna für den sehr spannenden Einblick.