Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit Valérie Vuillerat berichtet Rahel Fleetwood.

Kaum steht das Thema Diversity auf dem Stundenplan, werden kritische Stimmen laut: „Ist das wirklich immer noch ein Thema?“ „Frauenquoten sind doch keine Lösung.“ „Die Me-Too-Bewegung hat einen regelrechten Hype ausgelöst.“ Und die Gegenseite argumentiert:  „Die „Glass Ceiling“ existiert ganz offensichtlich immer noch.“ „Und wie erklärt sich dann die fehlende Lohngleichheit?“ „Wie viele Frauen sitzen bei euch in der Geschäftsleitung?“ Kurz, das Thema wird oft und gerne diskutiert. Valérie Vuillerat beleuchtet das facettenreiche Thema mit praxisnaher Diskussion über viele relevante Aspekte, mit Begriffsklärungen, Studien, Zahlen und Fakten sowie mit hilfreichen Tipps für die eigene Arbeit als Führungskraft.

Begriffsdefinition

Gleich zu Beginn ist es wichtig, den Begriff Diversity näher zu beleuchten. Obwohl Diversity oft auf Geschlechter und Hautfarben reduziert wird, umfasst der Begriff eine Vielzahl von Aspekten, die im Umfeld eines Unternehmens oder Teams für gute oder fehlende Diversität sorgen können.

Kurz gesagt, Diversity heisst Vielfalt im Allgemeinen. Und Vielfalt hat einen Einfluss auf den Unternehmenserfolg.

Ein weiterer zentraler Aspekt, der in der Diversity-Diskussion oft ausser Acht gelassen wird, ist die Inklusion. Denn Diversität allein bedeutet noch nicht, dass auch alle Mitglieder eines Unternehmens oder Teams die gleichen Möglichkeiten haben. Inklusion besteht darin, ein Umfeld zu schaffen, in welchem alle Arten von Menschen erfolgreich sein können. Und dazu braucht es das entsprechende Bewusstsein auf Managementebene. Mit anderen Worten:

 “Diversity is being invited to the party; inclusion is being asked to dance” – Verna Meyers

Diversität als Erfolgskriterium

Dass es bei Diversität nicht nur um das Wohlbefinden und den Gerechtigkeitsanspruch der Mitarbeitenden geht, belegt eine Studie der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2017. Diese Studie beweist: Diversity macht Unternehmen und Volkswirtschaften tatsächlich erfolgreicher. Führungskräfte und HR-Spezialisten von 171 grossen und mitteleren Unternehmen wurden für diese Studie befragt und das Ergebnis zeigt: mit vielfältigen Führungsteams hat ein Unternehmen eine bis zu 70% höhere Wahrscheinlichkeit, Marktanteile dazuzugewinnen und eine 75% höhere Wahrscheinlichkeit, Innovationen umzusetzen.

Nicht alle Aspekte der Diversität haben den gleichen Stellenwert, wenn es darum geht, die Innovationskraft eines Unternehmens positiv zu beeinflussen. Die 4 Dimensionen der Diversität, die in einem Unternehmen innovationsfördernde Auswirkungen haben sind: Branche, Herkunftsland, Karrierepfad und Geschlecht. Diversität in Alter und Ausbildung haben interessanterweise keine Auswirkung.

Diversity „How to“

Was gilt es also zu beachten, wenn es darum geht, eine optimale Diversität im Unternehmen oder Team zu erreichen?

  1. Awareness:
    Vorab ist es elementar ein Bewusstsein für die eigene unbewusste Voreingenommenheit (unconscious bias) zu entwickeln. Der „Just-like-me-bias“ verleitet uns beispielsweise dazu, Menschen, die uns ähnlich sind (Hautfarbe, Werte, Herkunft) instinktiv zu bevorteilen. Iris Bohnet, Professorin für Verhaltensökonomie an der Harvard Universität, liefert in ihrem Buch „What works“ wertvolle Erkenntnisse zu diversen unconscious biases und den Umgang mit diesen im Unternehmen.
  2. Inclusive Leadership:Weiter sollten Führungskräfte einen inkludierenden Führungsstil praktizieren, damit die positiven Auswirkungen der Diversität zum tragen kommen. Dies bedeutet, die Mitarbeitenden darin zu bestärken, ihre eigenen Ansichten, Meinungen, Arbeitsmethoden und –Stile einzubringen.

    «Equality is being invited into the room. Diversity is getting a seat at the table. Inclusion is sharing your views and being heard. An inclusive leader enables all of this to happen.»

     

  3. HR Tools:
    Zudem sind die HR-Strategie und der Rekrutierungsprozess besonders wichtige Hebel für Diversität. Bereits bei der Formulierung einer Stellenbeschreibung können Weichen gestellt werden und beeinflussen, wer sich auf die ausgeschriebene Stelle bewerben wird. So gibt es zahlreiche weiblich oder männlich konnotierte Adjektive und Formulierungen, die primär das eine oder andere Geschlecht ansprechen. Weiter kann der Publikationsort einen Einfluss auf die Sichtbarkeit für unterschiedliche Zielgruppen haben und Bilder spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung, sich auf eine Stelle zu bewerben.
    Hinweis: Witty Works bietet diverse Services und Beratung rund um die Erhöhung von Diversität in Unternehmen.

Zusammenfassend die wichtigsten Diversity-Tipps für Führungskräfte:

  • Diversität bedeutet Vielfältigkeit in mehreren Dimensionen
  • Diversität trägt zum Unternehmenserfolg bei
  • Be inclusive!
  • Know your biases!
  • Achte auf konnotierte Formulierungen in den Stellenbeschreibungen
  • Führe strukturierte Bewerbungsgespräche (um Denkmuster und Bauchgefühl auszuschalten)