Yannick Mischler (Technologie & Innovation) und Andrea Marrazzo (Informationsmanagement & Technologie) nahmen uns dieses Mal mit in die Welt der Post im Rahmen unseres CAS Disruptive Technologies. Anna Sutter und Peter Staub berichten:

Was, disruptiv? Die Post?

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Ja, denn was fast keiner weiss: Bei der Post arbeiten gut 60 Personen im Bereich disruptive Innovation – also weit mehr, als man denken würde.

Damit wir alle das Thema mit demselben Verständnis angehen konnten, wurden erst einmal Erwartungshaltungen abgeklärt und Definitionen aufgestellt – z.B. darüber, was überhaupt eine Drohne ist.

Was sind Drohnen und was macht die Drohnen disruptiv?

Drohnen sind so genannte unbemannte Flugobjekte (englisch: UAV von unmanned arial vehicle) – nicht zu verwechseln mit den gefürchteten UFOs (unbekannte Flugobjekte). Drohnen können sowohl autonom als auch von Menschenhand gesteuert werden. Mehr zum Thema findet ihr hier.

Eine Drohne ist nicht per se disruptiv, verschiedene Usecases und Einsatzgebiete können sie aber dazu machen. Beispiele wären:

  • Eine Drohne ist „on demand“ und benötigt keine klassische Infrastruktur wie Strassen etc. Sie kann theoretisch überall hinfliegen und ist dann da, wenn man sie braucht. Sie könnte so bspw. als Helikopterersatz eingesetzt werden
  • Drohnen können B2B eingesetzt werden, bspw. für den Transport zwischen verschiedenen Lagern. Dies birgt Potenzial zur Effizienzsteigerung
  • Peer to peer delivery hätte sehr grosses Potenzial, ist aber in den nächsten fünf Jahren unrealistisch  (rechtliche, technische und Usability-Gründe)
  • B2C-Modell: Drohnen liefern an bestimmte Hubs und der Kunde bzw. die Kundin kann die Lieferung dann dort abholen

Aber Achtung, Drohnen haben auch “natürliche” Feinde:

  • Flugzeuge
  • Helikopter
  • Wind
  • Regen
  • Temperaturunterschiede
  • Seehöhenveränderungen

Die Post und ihre Drohnen 

Ein naheliegendes Einsatzfeld von Drohnen bei der Post ist Transport und Logistik, also auch die Paketzustellung. Genau aus diesem Grund wurde das Projekt Phönix ins Leben gerufen.

Kleine Entwarnung vorneweg: Der Pöstler wird nicht komplett durch Drohnen ersetzt, das würde sich beim Liefervolumen der Post nie lohnen (zu viele Drohnen im Luftraum).

Projekt Phönix

Erste Testflüge wurden im Freiburger Seeland (2015) mit einer Quadrocopter-Drohne geflogen, die ein kleines Paket über eine kurze Distanz und einer maximalen Flughöhe von 150 m transportierte. Entgegen aller Erwartungen reagierte die Öffentlichkeit erstaunlich positiv auf das Vorhaben. Das Projekt fand sogar weltweit in den Medien große Beachtung (zum Vergleich: Amazon und ihre Drohnen).

Damit so ein Test überhaupt durchgeführt werden kann, müssen natürlich einige rechtliche Rahmenbedingungen beachtet werden:

  • NOTAM (Gefahrenzone für Luftverkehr)
  • Flüge nur bis fünf Personen/Hektar
  • Jeder Flug muss dem BAZL gemeldet und freigegeben werden
  • Max. Flughöhe 150 m
  • Jede Drohne muss BAZL-zertifiziert werden (GALLO)

Übrigens: Die Post war schweizweit die erste Organisation, die Drohnen ausserhalb der Sichtdistanz (300 m) fliegen liess. Natürlich musste hier vorab eine Genehmigung eingeholt werden. Die Drohne musste im Übrigen versichert werden (1 Mio.). Derzeit ist es leider noch nicht möglich, sie gegen Luftcrashs zu versichern (wir erinnern uns: Einer der größten Feinde von Drohnen sind andere Flugobjekte). Erwähnenswert ist auch, dass es in der Schweiz wesentlich leichter ist als in den USA, eine Bewilligung für einen Testflug zu bekommen.

Testdrohnen Eckdaten:

  • Quadrocopter
  • Gewicht: 700 g bis max. 30 kg
  • Reichweite: 10 km
  • Traglast: 1 kg
  • Geschwindigkeit: 40km/h (Quadrocopter sind nicht besonders aerodynamisch, deshalb sind keine höheren Geschwindigkeiten möglich)

Wie wurde der Flug geplant?

  • Steuerung über eine App
  • App kommuniziert über Cloud, Cloud gibt Befehl an Drohne; Drohne ist mit Sim ausgestattet
  • Route wird über das App getrackt
  • Momentan ist immer Internetverbindung nötig (wegen Navi). EDGE reicht; sollte die Verbindung abbrechen, kann die Drohne trotzdem landen
  • BLOS-Flight: Flug ausserhalb Sichtweite (braucht Bewilligung vom BAZL; 70-seitiges Dokument)

Hinweis: Drohnen veralten sehr schnell, deshalb macht es Sinn, sich Testobjekte zu leasen (Drone as a service). Hier ist man mit 2’000 CHF / Monat dabei.

Fazit des Tests:

  • Aktuell sind Tragleistung und Geschwindigkeit noch limitiert, dies wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten Jahren verändern. Da aber 80 % aller Pakete, die in der Schweiz transportiert werden, leichter sind als 2 kg, ist die Tragleistung nicht der wesentlichste Faktor
  • Drohnen sind 70 DB laut (zum Vergleich: Ein Presslufthammer schafft zwischen 80 und 100 Dezibel). Dies wird ebenfalls ständig verbessert
  • Sinnvoll ist das Drohnenprojekt für die Post nur, wenn es am Ende des Tages auch Geld einbringt

Wie geht es weiter?

  • Tests mit Partnern
  • Evaluierung von Technologieherstellern
  • Aktive Beteiligung und Weiterentwicklung von Regulatorien
  • Aktuell verändert sich die Nutzlast der Drohne mit jeden 100 g, die zusätzlich hinzugefügt werden. Dieses Problem muss gelöst werden
  • Momentan ist es sehr herstellerbezogen, wie Drohnen untereinander “kommunizieren”. Auch hierfür muss eine Lösung gefunden werden (Swisscom?)

Mögliche Einsatzgebiete für die Post

  • Sensing (Inspektionen von Infrastrukturanlagen wie Stromleitungen etc.); Drohnen mit Messgeräten upgedatet; Start Up: sense fly (EPFL), cyber walk (EPFL)
  • Entertainment (Drohne für den Privatgebrauch oder die Filmindustrie)
  • Transport & Logistik
  • Überwachung (Wärmebildkameras etc.)

Und nun: Do it yourself!

Nach diesem spannenden Einblick in das Post-Projekt lag es nun an uns, ebenfalls einen Businesscase zum Thema Drohnen zu erarbeiten.

Überlegungen:

  • Wo könnten Drohnen eingesetzt werden?
  • Was wäre sinnvoll?

Brainstorming Klasse:

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Für den Businesscase beleuchteten wir das Thema im Hinblick auf folgende Punkte:

  • Welche Geschäftsmodelle machen Sinn (Pizzalieferungen, Medikamente, permanente Verbindung von Waren-/Lagerhäusern)?
  • Wie kann man dem Kunden bzw. der Kundin die Drohne zur Verfügung stellen?
  • Wie können die Kosten pro Flug optimiert werden?
  • Was könnten Erfolgsfaktoren sein?

Resultat:

Drone as a Service (drone@mobility), in den verschiedensten Ausprägungen – vom zumietbaren Microdrone-Bestäubungs-Schwarm hin zu Bergdrohnen war alles dabei!

DTC3

Auch wenn das Thema Drohnen oft als Spielerei abgetan wird und vieles noch getestet und erforscht werden muss, so sollte man es nicht aus den Augen lassen. Hier kann sich innerhalb kürzester Zeit sehr viel bewegen.

Vielen Dank Yannick und Andrea für diesen spannenden Kurstag!