Aus dem Unterricht des CAS Disruptive Technologies mit Andrea Marrazzo und Janick Mischler berichtet Mario Silvestre:

Der Unterrichtsraum war an diesem Nachmittag sehr gut besucht. Pünktlich begrüssten uns Janick und Andrea zu Ihrer Präsentation „Drohnen und Rocketscience bei der Post“. Die zwei Herren arbeiten in der Abteilung Entwicklung & Innovation Post. Die Abteilung solle sich etwas von der restlichen Post abheben und ist keine typische „9 to 5“ Büro Beschäftigung.

Ihre Mission: An der Zukunft der Post mit entwickeln und gestalten!

Ausprobieren und tüfteln, gehören zum Alltag sowie das Akzeptieren von Misserfolgen. Denn Misserfolge leisten einen wichtigen Beitrag bei der Innovation neuer Technologien.

Den Studenten wurde das Thema „Autonomous Delivery“ nähergebracht. Autonomous Delivery umfasst alle Postzustellungen, welche keinen Postboten benötigen. Ein wichtiger Aspekt ist, dass es nicht das Ziel dieses Projektes ist den Postboten in naher Zukunft zu ersetzen. Der Postbote kann seine Lieferungen sehr effizient abfertigen und ist ein wichtiger Bestandteil der Post.

Den Studenten wurden drei Hauptprojekte vorgestellt:

  • Der Lieferroboter
  • Die Drohnen
  • Internet of Things (IoT) – In Verbindung mit LowRange Netz (LoRa)

Die Post ist überzeugt, dass nicht einzelne Projekte, sondern die Kombination für den grossen Wandel ausschlaggebend sein werden.

Als Einstieg, wurde das Projekt „Selbstfahrendes Postauto“ vorgestellt. Seit Juni fährt in der Altstadt Sion ein selbstfahrendes Postauto in der Begegnungszone, wobei dieses Fahrzeug nicht schneller als 20km/h fährt und stets in Begleitung eines Chauffeurs ist.

Zudem wurden noch diverse Projekte vorgestellt, die von der Post mitentwickelt wurden wie Twint, E-Voting, ein EHealth System und die Kaloka Plattform (Same Delivery Plattform).

Delivery Roboter

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Nochmals wurde aufgezeigt, dass der Roboter definitiv keine Ablösung für den Postboten sein wird. Ein Postbote liefert innerhalb von 3h bis zu 300 Pakete und Briefe aus. Ein Delivery Roboter hat nur eine Ablagefläche für maximal 10kg und fährt mit nur 6km/h.

Es gibt aber durchaus geeignete Geschäftsmodelle für den Delivery Roboter. Zum Beispiel bei der Lieferung von Medikamenten vom Apotheker zum Patienten wobei bis zu 80 Medikamente am Tag geliefert werden können.

Wie funktioniert ein Delivery Roboter? Der Roboter ist mit Bewegungssensoren, einem GPS Empfänger und GSM Sender ausgestattet. Sobald sich der Roboter in der Nähe der Lieferadresse befindet, wird dem Patienten/Kunden per SMS mitgeteilt, dass er die Lieferung bei der „Haustüre“ empfangen kann. Zudem wird ihm ein Code zugestellt womit die Ablagefläche geöffnet werden kann.

Zurzeit darf der Delivery Roboter nicht ohne Personenbegleitung (es sind immer 2 Personen dabei) unterwegs sein. Eine Lockerung dieser Einschränkung wird nicht vor 3 – 5 Jahren (ASTRA) erwartet.

Bisherige Erfahrungen

Das Proof of Concept läuft in Köniz, Bern und Biberist noch bis Ende November 2016. Die Technologie hat sich bis anhin gut bewährt. Kleine unerwartete Zwischenfälle, wie Rad defekt und Antennenbruch, führten zu Schwierigkeiten. Ebenfalls eine Herausforderung ist die Verkehrsregelung, vor allem beim Fussgängerstreifen und an Verkehrsampeln. Die allergrösste Gefahr stellen die Radfahrer dar, welche sich nicht immer an die Regeln halten und somit die logische Abwicklung des Roboters stressen und eine Kollision verursachen könnten.

Als weiterer Use Case läuft zurzeit in Köniz die Lieferungen von Mittagessen.

Drohnen

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Im Jahre 2015 initiierte der CEO der Post Logistik ein Pilotprojekt mit einem Drohnenhersteller im Silicon Valley mit dem Ziel Pakete mit einer Drohne ausliefern zu können. Da die Drohnentechnologie bereits seit ein paar Jahren in verschiedenen Bereiche genutzt wird (speziell Homebereich) waren keine Grundlagen Tests notwendig.

Im Juli 2015 wurde daher bereits der erste Flug absolviert. Nach ca. 10km landete die Post Drohne ohne Zwischenfälle sanft am Ankunftsort.

Bei den Proof of Concept Tests waren die Witterungsbedingungen jedoch zu optimal, wodurch die Drohne während den Flügen nicht wirklich gestresst werden konnte. Nächstes Jahr werden richtige Stresstests bei schwierigen Wettergegebenheiten und mit alten Batterien (viele Flugstunden) durchgeführt! Zudem werden auch Notsituationen simuliert. Abstürze werden provoziert um die Fallschirme testen zu können (Verminderung des Aufpralls).

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Der aktuellste Prototyp ist 180cm auf 180cm gross und hat eine Reichweite von 20km. Zusätzlich konnte beim Prototyp Skycart die Lärmemissionen stark vermindert werden.

Safety hat höchste Priorität, deshalb werden die wichtigsten Elemente mit mehrfacher Redundanz ausgestattet. Das Gewichtverhältnis zwischen Drohne und Lieferobjekt liegt bei 3:1 resp. 4:1.

Die Drohnen sollen vor allem Berggebiete und abgelegene Dörfer abdecken. In städtische Gebiete sind die regulatorischen Vorgaben zu hoch und deshalb noch nicht interessant. Das Ziel des Drohnenlieferungsdienstes ist ein 7x24h Service. Da die Gesetzgebung für Landezonen noch zu streng sind, werden zurzeit noch keine Privat Lieferungen gemacht.

Potentielle Business Cases sind die Lieferung medizinischer Produkte (z.B. Bluttransport) oder die Lieferung von 3D Drucker-Produkten. Grundsätzlich rechnet man mit 1CHF pro Flugkilometer.

IoT bei der Post

Zum Schluss wurden uns noch mögliche Cases veranschaulicht, die die Kombinationen von IoT und die „Autonomous Delivery“ aufzeigen. Als Beispiel kann man die Intelligente Paketlieferung  – Zeitersparnis, korrekter Empfänger – oder auch Bewirtschaftung von Medikamenten Regale/Schränke (Delivery Roboter, LoRa Netzwerk, Drohnen, IoT) in Spitäler nennen.