Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Die grossen Digitalkonzerne haben ein Problem, das sich langfristig sehr negativ auf ihre bis anhin sehr lukrativen Geschäfte auswirken könnte: Sie verlieren das Vertrauen der User. Vor allem junge Menschen trauen den Internet-Giganten immer weniger und glauben, dass die Konzerne besser reguliert werden sollten.

Eigentlich ist es ja nicht überraschend: Die meisten Menschen reagieren misstrauisch auf beinahe uneingeschränkte Marktmacht, auch wenn dies oft günstigere Preise zur Folge hat. Das gilt auch und besonders im digitalen Sektor, wo Skandale und Datenmissbrauch in regelmässigen Abständen für Schlagzeilen sorgen. Eine aktuelle Umfrage (von Civey, durchgeführt für NEXT Conference) bei  5000 Internetnutzern in Deutschland hat nun wieder gezeigt, dass Google, Facebook oder Amazon zwar intensiv genutzt werden, aber nicht auf das Vertrauen der Anwender zählen können. Vier Fünftel der jungen Anwender haben wenig oder gar kein Vertrauen in die globalen Digitalkonzerne und meinen, dass der Staat diese Giganten unter die regulatorische Knute nehmen sollte. Allerdings hat dieses fehlende Vertrauen so gut wie keine Konsequenzen – unter anderem weil die digitalen Konsumenten zu bequem sind, andere Anbieter zu nutzen. Ausserdem halten viele User kleinere Anbieter für schlechter.

Dieses digitale Paradox hat viele Wurzeln. Da gab es Cambridge Analytica, Datenmissbräuche allenthalben, und dann sind da noch die so elegant benannten Shitstorms und alle anderen unangenehmen Begleiterscheinungen der digitalen Kommunikationsformen. Die grossen Digitalkonzerne bieten in diesem Zusammenhang auch die grösste Angriffsfläche – nicht immer mit Berechtigung. Aber gerade Google, jener Konzern, der dieses Jahr 20 Jahre alt wurde und doch bereits den Alltag des grössten Teils der Menschheit beeinflusst, stösst immer mehr an – weil der Konzern zu einer gewaltigen Datenkrake geworden ist. Zitat aus svz.de:

“Die Sammelwut von Google kennt keine Grenzen. Das Unternehmen zapft dafür all seine Produkte, vom Email-Dienst über das Videoportal bis zum Betriebssystem an. Erst vor wenigen Wochen musste sich der Internet-Konzern dafür rechtfertigen, dass Android-Telefone ständig Ortungsdaten speichern – selbst wenn die Anwender das eigentlich gar nicht nicht möchten. Das Bundesjustizministerium kritisiert daraufhin Googles Datenschutzpraxis in einem Brief an die oberste Führungsetage des Unternehmens.Vor allem in Europa wird inzwischen auch die Marktmacht von Google kritisch gesehen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager griff zweimal hart durch. 2017 gab es wegen dem Vorwurf des unfairen Wettbewerbs bei der Shopping-Suche eine Strafe von 2,4 Milliarden Euro. Google habe „seinen eigenen Preisvergleichsdienst in seinen Suchergebnissen ganz oben platziert und Vergleichsdienste der Konkurrenz herabgestuft“, hieß es damals. Im Juli 2018 folgte eine weitere Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro. Der Grund: Google verlangt von Handyherstellern unter anderem, dass sie bestimmte Apps wie die Google-Suche oder den Webbrowser Chrome vorinstallieren, wenn sie Android verwenden wollen. Ein weiterer Wettbewerbsverstoß.“

Vorläufig können die Internetgiganten mit ihrer Unbeliebtheit leben. Auf die Dauer könnte sich aber daraus ein echtes Problem entwickeln.