Aus dem Unterricht des CAS Digital Insurance mit Urs Häusler berichtet Oscar Miller:

Heute erhielten wir einen direkten Einblick in die Start-ups Szene, da Urs Häusler aus dem Nähkästchen seiner eigenen Erfahrungen als Start-up Gründer berichtete und entsprechend einen ganzen Strauss an unterschiedlichen Tipps und Erkenntnissen mitbrachte.

Ein Tag im Leben eines Entrepreneur

Der Weg von der Idee bis zum Erfolg ist für das Start-up meistens nicht linear, sondern gleicht vielmehr einer Achterbahnfahrt. Zum Einstieg bekamen wir gleich mehrere nützliche Empfehlungen, wie ein solcher Weg am besten gemeistert werden kann:

„Trotz vielen Tiefschlägen während der Gründungsphase muss es immer etwas nach oben gehen.“

  • Als Gründer sollte man sich täglich hinterfragen, ob der eingeschlagene Weg noch der richtige ist. Funktioniert einmal etwas nicht mehr, ist es essentiell aufgeben und loslassen zu können.
  • Wichtig ist auch die Grösse des Gründerteams, idealerweise sind 2-3 Gründer involviert, somit kann man sich gut gegenseitig challengen und bleibt handlungsfähig. Š Kleinere oder grössere Gründerteams sind nicht empfehlenswert.
  • Als Gründer muss man mit seiner Idee so früh wie möglich rausgehen und sich auch challengen lassen. Patentrechte müssen natürlich geschützt werden, aber direktes iteratives Feedback und damit einhergehende agile Verbesserungen sind extrem wichtig.

Was benötigt es für ein erfolgreiches Start-up?

Diese Frage haben wir uns innerhalb kleiner Gruppen selbst gestellt und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:

  • Team: Es benötigt ein gutes Team mit unterschiedlichen Expertisen, welches sich ergänzt.
  • Wille / Commitment: Es braucht Durchhaltevermögen und eine Passion für das Stat-up.
  • Execution: Mutige Entscheidungen müssen getroffen werden und eine agile Arbeitsweise ist zwingend.
  • Kundenbedürfnis: Die Kunden- und Marktsicht muss stets abgedeckt werden. (Differenzierung über Produkt respektive Dienstleistung).
  • Fehler- und Feedbackkultur: Aus Misserfolgen muss gelernt werden.
  • Finanzierung: Es braucht eine solide Finanzierung, eine gute Finanzplanung und es sollten gute Kontakte zu den Investoren gepflegt werden.

Unsere Ergebnisse aus der Gruppenarbeit decken sich auch mit den Ergebnissen aus dem TED-Talk, wobei hier ein weiterer wichtiger Faktor „Timing“ erkannt wurde: Hier geht es zum Video!

FuckUp Nights gibt es aber auch! Scheitern gehört nämlich auch zum Erfolg!

Erfolgsgeschichten gibt es zuhauf – FuckUp-Geschichten hört man zumindest seltener. Entsprechend werden an FuckUp Nights explizit über Misserfolge und das Scheitern des Unternehmertums berichtet. Diese Veranstaltungen sind insofern nützlich, da man ja bekanntlich am besten aus den Fehlern von anderen lernt. Urs Häusler hat uns spontan zu seinem ganz eigenen FuckUp-Morning eingeladen.

  • In seinem Start-up wurde zu wenig auf ein skalierbares Produkt fokussiert. Im Gegensatz zu Amerika ist der europäische Markt stark umsatzgetrieben, weshalb europäische Start-ups einfach versuchen, die nächsten Umsatzziele der Investoren zu erreichen. Damit in der frühen Start-up-Phase Umsatz generiert wird, verzettelt man sich sehr schnell in kleinere Projektaufträge mit kurzfristigem Cashflow, vergisst aber nebenher die effektive Skalierung.
  • Weiterer Key-Takeaway ist die Fokussierung auf das Kerngeschäft. Im konkreten Fall des Online-Ticketing Start-ups wurde eine separates E-Mail Tool selbst entwickelt, welches aber auf dem Markt bereits in besserer Form über spezialisierte Anbieter angeboten wurde.
  • Geht es um Expansionen in andere Länder, ist die Fehleranfälligkeit natürlich noch grösser. Erfolgsversprechend ist ein solches Vorhaben, sofern Mitarbeitende, welche die Expansion im Ausland aufbauen und vorantreiben sollen, in dem Gründerland starten und das Geschäftsmodell inside-out kennen lernen. Dies garantiert, dass die zuständigen Mitarbeitenden nahe am Business sind und erst in einem weiteren Schritt für die Expansion auswandern.
  • Teilweise wird zu lange an einer Geschäftsidee festgehalten, obwohl einem in Kürze klar wird, dass keine Nachfrage besteht. Da bereits zu viel Geld und Zeit investiert wurde, hält man zu lange an der Idee fest. Wichtig ist hier, auch aufgegeben zu können, falls die Geschäftsidee nicht funktioniert!

Jeder möchte ein Unicorn werden!

Ein Unicorn zu werden ist das Ziel vieler kleiner Start-ups. Darunter werden Start-ups mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar verstanden. Es gibt heute weltweit ungefähr 200 solcher Unicorns, wobei der grösste Teil in Amerika aufzufinden ist, aber auch Asien ist immer stärker vertreten. Nur in Europa ist diese Entwicklung zu Unicorns nur selten zu sehen und hat hier noch entsprechend Nachholbedarf. Interessant ist vor allem, dass die meisten Unicorns-Start-ups erst 5 bis 7 Jahre alt sind, was wiederum die rasante Geschwindigkeit der Entwicklung am heutigen Markt aufzeigt. Etablierte Geschäftsmodelle und Unternehmen kommen somit viel schneller in Bedrängnis, sofern sie nicht mit dieser rasanten Entwicklung mithalten können.

Was macht man in der Schweiz für mehr Unicorns?

Swiss Finance Startups (SFS) wurde im Mai 2014 mit dem Ziel gegründet, die Start-ups Szene in der Schweiz untereinander besser zu vernetzen. Urs Häusler war von Anfang an dabei, mit dem Ziel das Gemeinschaftsgefühl und den Start-up Spirit zu fördern. Mit der Gründung einer Geschäftsstelle, sowie dem ersten Swiss Fintech Day im May 2016 wurde SFS nicht nur professionalisiert, es änderte sich auch die Ausrichtung von einem Networkingclub hin zur politischen Interessenvertretung. SFS ebnet also kurz gesagt den Weg für Schweizer Finance Start-ups. Inzwischen hat sich die Fintechlandschaft in den letzten Jahren auch stark gewandelt. Beispielsweise gab es im Jahre 2015 im Insuretech-Bereich mit Knip erst ein Start-up. Mittlerweile sprechen wir von 16 Start-ups in diesem Bereich. Mit dieser positiven Entwicklung können wir gespannt in die Zukunft blicken.