Aus dem Unterricht des CAS Digital Real Estate mit Dr. Peter Staub berichtet Matthias Liechti:

Am 13. November waren wir zu einen inspirierenden Besuch bei fsp Architekten eingeladen, einem Pionier bei der Erschaffung von digitalen Welten in der Planung und Erstellung von Hochbauten. In vier Stunden tauchten wir in ein Universum von zukunftsgerichteten Tools, Methoden, Denkweisen und Erlebniswelten ein, deren Einordnung in ein übergeordnetes Bezugssystem aufgrund der Fülle von Informationen nicht ganz leicht fällt.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass in Zeiten des digitalen Umbruchs es einen Kompass in Form eines Glaubensbekenntnisses braucht, um in der VUCA-Welt nicht vom Weg abzukommen. Bei fsp heisst dieses Bekenntnis MIC.MIND.SET: „.. es ist unser Fels, unsere Hilfe, unser Schutz, dass wir nicht wanken werden…wir werden uns nicht fürchten“ heisst es etwa in der Firmen-Bibel des Architektur Unternehmens.

fsp – Innenansicht

Der Hauptsitz von fsp ist seit 2014 in Spreitenbach – um dort sowohl die kreativen aus Zürich als auch die Exakten aus dem Aargau anzulocken, weiss Ivo Lenherr, Unternehmensinhaber, Porsche- und Apple-Fan, zu berichten. Nach einem Abriss über die Firmengeschichte führt er uns durch die Arbeitswelten seines Unternehmens, wie etwa:

  • dem Playground mit Legobausteinen und Pin-Wänden, der eine spielerische Herangehensweise bei der Ressourcen-Planung von getakteten Bauabläufen nach dem Lean Construction Prinzip (mit dem Last Planner System) erlaubt
  • Ästhetisch abgestimmten Besprechungsräumen für unterschiedliche Anwendungsszenarien (kreative Ideenfindung, Workshops, Vertragsabschlüsse und Entscheidungen, etc.)
  • Virtual Reality Raum für virtuelle räumliche Bemusterungen von Designkonzepten mittels VR-Brillen
  • BIG Room für digitale Koordinationssitzungen anhand des Gebäudemodells (sog. ICE Sessions – Integrated Concurrent Engineering). Videolink: Einblicke in unseren digitalen Alltag. fsp. Zukunft ist jetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

fsp – Erkenntnisse zur BIM Methodik

  • Wichtig ist, dass der Inhalt des Projektes zu Beginn gemeinsam mit dem Auftraggeber genau definiert wird. Was sind die Bedürfnisse der Stakeholder (Bauherren, Investoren, Nutzer), was deren Ziele, wie lauten die Rahmenbedingungen?
  • Daraus können dann die BIM Anwendungsfälle abgeleitet werden. Diese definieren anschliessend den Planungsprozess und dieser wiederum den Technologieeinsatz. Es ist also nicht die Technologie, die den Prozess bestimmt und darauf den Anwendungsfall, sondern gerade umgekehrt. Bei BIM steht demnach nicht die Technologie im Zentrum, sondern der Kunde mit seinem Bedürfnissen, das heisst, die Kundenorientierung steht im Vordergrund!
  • BIM ermöglicht eine durchgängige digitale Planung, fördert fundierte Entscheidungen früh im Prozess und führt zu weniger Änderungen in der Bauphase.
  • Die SIA (mit dem Merkblatt 2051 – Building Information Modelling und Bauen Digital Schweiz (etwa mit dem Stufenplan Schweiz) haben wertvolle Grundlagenarbeit im Bereich Verständigung und der Best Practices geleistet.
  • Analoge Arbeitsmethoden in Workshops, wie Pinnwände und Post-It’s sind auch in der BIM-Planung unerlässlich und von hohem Stellenwert (z.B. bei der Erarbeitung der Prozesswand im Arbeitsschritt „Planung der Planung“)
  • BIM wird die Planung und Erstellung von Bauwerken grundlegend verändern

Welche Auswirkungen sind durch die BIM-Methodik zu erwarten? Ivo Lenherr führt u.a. folgende Aspekte aus:

  • es werden neue Geschäftsmodelle entstehen
  • die Kundenzufriedenheit wird grösser
  • die Produktivität gesteigert
  • die Prozesse optimiert
  • Schnittstellen werden reduziert
  • Visualisierungen vereinfacht, u.v.m.

Papier und Bleistift haben auch in einer durchgängigen digitalen Planung einen hohen Stellenwert!

fsp – Erkenntnisse zum digitalen Umbruch

In einer VUCA Welt, in der man nicht weiss, wie man in 5 Jahren Geld verdient, sind agile und selbstorganisierende Organisationsstrukturen von Vorteil. Ivo Lenherr sieht daher eine Transformation von der Linienorganisation über die Matrixorganisation, zur Netzwerkorganisation hin zu einem lebendigen Organismus mit holokratischen Strukturen, der keine Berührungsängste mit anderen Unternehmen hat und sich laufend an die veränderten Anforderungen des Marktes anpasst. Um den digitalen Wandel erfolgreich zu meistern, sind also Organisationsformen, die den kontinuierlichen Veränderungsprozess unterstützen, ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Ferner betont er die Bedeutung der Messbarkeit – bei den Projekten, bei der Anwendung der BIM-Methodik, beim digitalen Wandel, bei allem. Frei nach Archimedes „Miss alles, was sich messen lässt, und mach alles messbar, was sich nicht messen lässt“. Messen hilft, zu kategorisieren, priorisieren und schliesslich Prozesse zu optimieren.

Die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche wird uns ähnliche Veränderungen und Vorteile bringen, wie es seinerzeit die Elektrifizierung tat. Sie unterstützt das kollaborative Integrale. Der Architekt bekommt damit die Chance, seine Rolle als Gesamtleiter durch diese Methoden und Techniken wieder besser wahrnehmen zu können

fsp – Entwicklungstrends

Im Rahmen des Besuches wurden u.a. folgende Trends erwähnt, an denen fsp entweder arbeitet, oder die ihre Arbeit beeinflussen:

  • Lean construction
  • Integrated Project Delivery IPD
  • Gamification bei der Entwicklung von Software-Lösungen. Sprich: es werden vermehrt Game Engines in CAD Konstruktions- und Visualisierungslösungen integriert.
  • Papierlose Baustelle
  • Mixed Reality Anwendungen
  • Robotik, Modularisierung und Vorfabrikation in der Bauproduktion
  • Generative Design (auch Parametric Design genannt), das u.a. die Grundlage des Lösungsangebotes der Firma Aditazz darstellt
  • 3D Druck

fsp – Erkenntnisse zur Unternehmenskultur

Anbei einige Aussagen zur Innovationskultur, wie wir sie in diesem halben Tag erlebt haben:

  • Radikalität: „Wenn wir was machen, machen wir es konsequent“. Stichwort: Daft Punk.
  • Digitalisierungsweg: der Mensch steht im Mittelpunkt
  • Es findet zusehends eine Fusion von realen und digitalen Geschäftsmodellen statt
  • „3D Planung immer und ewig“
  • „Es ist nichts unmöglich“
  • „Stay hungry, stay foolish“ (Steve Jobs) : Wann werden Sie von Google gekauft?
  • Wichtig ist der Mindset, bzw. die Bereitschaft, gemeinsam auf eine Reise zu gehen
  • Wissensaustausch pflegen, beweglich bleiben
  • BIM ist nicht bloss ein Tool, sondern eine Haltung und sie wird den Weg in die Zukunft vereinfachen