Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Emojis, die kleinen Symbole, die von so vielen Usern gebraucht  und von so wenigen wirklich verstanden werden, sind quasi über Nacht zu Kunstobjekten geworden. Das Amerikanische Museum of Modern Art (MoMA) hat nämlich die erste Serie dieser Zeichen von einer Japanischen Telekommunikationsfirma geschenkt bekommen und wird sie in Zukunft ausstellen.

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So haben sich Emojis in 17 Jahren entwickelt:
Vom Original (links) zum heutigen iOS-Zeichen.
Bild MoMA

Heute gibt es rund 1800 Emojis – und es werden immer mehr. Die kleinen farbigen Symbole werden fleissig gebraucht; sie seien gar eine Weltsprache für eine bessere Zukunft, schreibt Julian Dörr:

“Eine spielend leicht zu erlernende Sprache? Was sind all die Bilderrätsel um Filmtitel und Weihnachtssongs, wenn nicht höchst unterhaltsame Kurse in der Weltsprache Emoji? Küken = süß, Flugzeug = Flugzeug, Fußball = Fußball, Aubergine = Penis. Alles klar? Alles klar.“

Emojis sind nicht nicht nur unterhaltsam, sondern auch sehr politisch korrekt, und das trägt sicher auch dazu bei, dass sie bei Meinungsmachern viel beliebter sind, als bei Menschen, die kommunizieren, um Informationen auszutauschen:

“Sicherlich, auch Emojis führen zu Missverständnissen. Es gibt Verständigungsschwierigkeiten zwischen Kulturkreisen und Generationen. Aber: Keine Sprache ist eindeutig, keine Sprache ist perfekt. Vielmehr unterliegen sie alle dem permanenten Wandel. Nur: Die Emojis wandeln sich schneller. Sie sind eine Weltsprache, die digitale Muttersprache von Millionen, die sich ständig optimiert.  Ist es nicht großartig, einer Sprache beim Wachsen zuzusehen, einer Sprache, die immer besser wird? Schillernder war die Zukunft ja wohl nie.“

Trotzdem – oder genau deshalb – haben die Kunstexperten am Museum of Modern Art wohl entschieden, dass die digitalen Zeichen in ihrer Urform Kunst darstellen, wie es auf der MoMA Website heisst:

“We are thrilled to announce the addition of NTT DOCOMO’s original set of 176 emoji to the MoMA collection. Developed under the supervision of Shigetaka Kurita and released for cell phones in 1999, these 12 x 12 pixel humble masterpieces of design planted the seeds for the explosive growth of a new visual language. (Wir sind ausserordentlich erfreut, dass wir NTT DOCOMOS ursprünglichen Satz von 176 Emojis zu unserer Sammlung hinzufügen können. Die bescheidenen Design-Meisterwerke, die unter der Ägide von Shigetaka Kurita entwickelt und 1999 für mobile Telefone freigegeben wurden, haben die Saat für das explosive Wachstum einer neuen visuellen Sprache gelegt.)“

Die ursprünglichen Zeichen waren gerade mal 12 mal 12 Pixel gross und einfarbig, hatten also kaum Ähnlichkeit mit heutigen Emojis (siehe Bild). Ab Dezember werden sie im MoMA als digitale Projektion ausgestellt.

Andy Warhol, der gewusst hat, wie man Alltagsobjekte zu Kunst macht, würde sich freuen.