Aus dem Unterricht des CAS Mobile Business berichtet Fabienne Romanens:

Kein Social ohne Mobile – das hat uns Manuel Nappo schon am ersten Kurstag des CAS Mobile Business eingebleut. Am Beispiel von Facebook illustriert nun Thomas Hutter dieses Mantra auf eindrückliche Weise.

Die Fakten sprechen für sich: Weltweit nutzen 654 Millionen User das soziale Netzwerk täglich mobil. Im monatlichen Durchschnitt beläuft sich diese Zahl sogar auf über eine Milliarde. Zwar verrät uns Facebook nicht, wie viele dieser Personen ihr Profil ausschliesslich über ein Mobilgerät nutzen. Aber gemessen an insgesamt 829 Millionen täglichen und 1.32 Milliarden monatlichen Nutzern liegt der Mobilanteil bei satten 79 bzw. 81 Prozent – Tendenz steigend.

Mobiler Phönix aus der Asche

Dies sind die Früchte der Mobile First-Strategie, welche Facebook seit 2012 konsequent verfolgt. Mit dem anfänglich schmerzhaften Entscheid, die ursprünglichen Hybrid-Apps sterben zu lassen und neue native Apps für iOS und Android zu entwickeln, hat Mark Zuckerberg das Fundament für den Siegeszug auf Smartphones und Tablets gelegt.

Der Erfolg stellte Facebook jedoch vor neue Herausforderungen. Mit über einer Milliarde Nutzern wuchs die Bandbreite an divergierenden Nutzerbedürfnissen zu stark, als dass sie alle von einer einzigen App abgedeckt werden konnten. Dieser Erkenntnis sowie dem allgemeinen Trend zur Ausgliederung spezifischer Funktionen (z.B. Foursquare mit Swarm) liegt das aktuelle App-Universum von Facebook zugrunde.

App Funktionalität Ziel Zielgruppe OS
Facebook Profil, Newsfeed, Graph Search, Events, Gruppen, Seitenadministration, Werbung Optimales mobiles Grundangebot (Performance, Stabilität, Funktionalität) Normaluser Alle
Facebook Home Sperrbildschirm, App Launcher Tiefe Integration ins Smartphone Normaluser Android
Paper Profil, Newsfeed, Freunde, Themenbereiche, Teilen Konkurrenz für Flipboard, Feedly etc. Design Lovers, Individualisten, Newsjunkies iOS (USA)
Pages Manager Seitenadministration, Werbung Verbessertes mobiles Erlebnis, Entlastung der Hauptapp Admins Alle
Mentions Seitenadministration, Q&A-Sessions Konkurrenz für Twitter Prominente bzw. deren Admins iOS
Messenger Messaging, Gruppenchats, Sprachnachrichten Schritt in Richtung Kommunikations-Hub Normaluser Alle
WhatsApp Messaging, Gruppenchats, Sprachnachrichten Technologie für Messenger Jugendliche, junge Erwachsene Alle
Slingshot Instant Communication mit Bild und Video Konkurrenz für Snapchat Jugendliche, junge Erwachsene Alle
Instagram Fotos und Videos mit Filtern verschönern und teilen Tool zur Inhaltsproduktion für FB & Instagram Jugendliche, junge Erwachsene, Design Lovers Alle
Hyperlapse Zeitraffervideos erstellen Tool zur Inhaltsproduktion für FB & Instagram Geeks Alle

Laut Mashable besuchte der Durchschnitts-User sein Profil im März 2013 bereits 14 Mal pro Tag – diese Zahl dürfte unterdessen dank der zunehmenden Verbreitung von Smartphones, Internet-Flatrates und der dadurch intensiveren mobilen Nutzungsmöglichkeit von Facebook gewachsen sein. Auch der Rollout von Mobile Newsfeed Ads im Juni 2012 bremste diese Entwicklung nicht.

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Was kann Facebook zu einer mobilen Strategie beitragen?

Für Unternehmen ist jedoch nicht nur die Schaltung von Werbung mit granularem, zielgruppengerechten Targeting interessant. Facebook bietet eine Reihe von kostenlosen Dienstleistungen, die den Erfolg von mobilen Webseiten oder Applikationen positiv beeinflussen können.

  • Frictionless Sharing via Open Graph: Unternehmen können vorgefertigte Codeschnipsel in ihre Anwendung einbauen, um den Nutzern das einfache Teilen von App- oder Webseiteninhalten auf Facebook zu ermöglichen.
  • Facebook Login: Ein Social Login ermöglicht die schnelle Authentifizierung eines Nutzers über ein bestehendes Profil auf einem sozialen Netzwerk. Die Abbruchrate von Registrierungen auf Mobilgeräten hängt entscheidend von der Einfachheit und Schnelligkeit des Prozesses ab. Der Facebook Login ist unter allen Social Logins über alle Branchen und Kontinente hinweg am verbreitetsten.
  • Facebook Connect: Diese Single Sign-On-Applikation ermöglicht die Interaktion von Facebooknutzern auf Webseiten und Apps anderer Anbieter. Durch Zugriff auf die Freundesliste der Registrierten kann das Nutzererlebnis sozialer gestaltet werden.
  • Datenaustausch/-anreicherung: Durch die Einbindung von Facebook Login oder Facebook Connect erhalten Unternehmen Zugriff auf bestimmte Informationen aus den Nutzerprofilen. Weitere Informationen und Berechtigungen können angefordert werden. Diese müssen jedoch vom Nutzer einzeln freigegeben werden.

Weitere Möglichkeiten stehen gegen Bezahlung zur Verfügung:

  • Payment: In-App-Käufe können mobil über Facebook abgewickelt werden
  • App-Installation/-Verwendung: Facebook bietet spezielle Ad-Formate an, die Nutzer zur Installation oder Wiederverwendung einer App bewegen können.

Fazit

Im Grundsatz bringt Social Design den Vorteil, dass die Community eines Nutzers miteinbezogen wird und sich ein Unternehmen über „Social Proof“ differenzieren kann. Gleichzeitig wird dem Nutzer ermöglicht, sein Image zu formen, Gespräche über Interessen zu führen, die ihn mit dem Absenderunternehmen und seinen Freunden verbinden sowie Neues zu entdecken, das bereits auf seine Vorlieben abgestimmt ist. Vor der Integration von Facebook in eigene Apps und Webseiten sollten jedoch wie immer folgende Fragen beantwortet werden:

– Welchen Mehrwert bringen die Facebook-Tools meinem Nutzer?

– Welchen Mehrwert bringen die Facebook-Tools für mein Unternehmen?