Peter Staub hat uns für den letzten Tag unserer Studienwoche in Berlin nochmals Höhepunkte versprochen. Er hat Wort gehalten mit einem grossen Feuerwerk von Inputs und Ideen.

Spannendes Startup für private Immobilienbesitzer

Der Einstieg machte Georg Untersalmberger von vermietet.de. Dieses Startup richtet sich an private Eigentümer von Immobilien. Dieses Segment ist in Deutschland sehr wichtig, haben doch 3.8 Mio Besitzer einen Bestand von 15 Mio Objekten. Davon hat vermietet.de aktuell 35’000 Kunden mit 100’000 Einheiten unter Vertrag. Der Markt ist also noch riesig. vermietet.de vereinigt alle Grundbedürfnisse des privaten Immobilienbesitzers in ihrer Lösung. Um deren Bedürfnisse zu verstehen, sprechen sie regelmässig mit den Nutzern.

Gemäss Georg verdienen sie bisher noch kein Geld. Das beunruhigt ihn nicht, haben sie gerade eine grössere Finanzierungsrunde abgeschlossen. In Zukunft wollen sie bei vermietet.de vor allem mit Services Erträge erwirtschaften. Über API sollen Drittanbieter integriert werden mit Besichtigungen, Maklern, FM, Banken und Versicherungen. Unter den Investoren sind bekannte Namen wie Deutsche Bank, Commerzbank, AXA Deutsch-land, Axel Springer Digital Venture. Aber auch namhafte Business Angels wie Kristofer Fichtner (Gründer und ehemaliger CTO von Thermondo, Venture Partner bei PropTech1), Felix Jahn (Gründer von Home24 und McMakler) und Berlin Technologie Holding sind eingestiegen. Mein Freund Lars Grosenick, ehemals FlowFact, hat ebenfalls investiert.

Feuerwerk von Daten

Mit Stefan Nusche von realxdata.com stellte ein profunder Kenner der deutschen Immobilienszene sein Startup vor. Deutschland ist nicht nur eine Service-Wüste, auch bei den Marktdaten herrscht noch Nachholbedarf. Und hier springt realxdata in die Bresche. Sie beziehen Daten von verschiedenen Quellen, verknüpfen diese intelligent und zeigen sie in einem verständlich aufgebauten Dashboard an. Einmal mehr hören wir, dass keine strukturierten Daten vorlägen. Stefan hat übrigens die Empfehlung des Pitch Doctors beherzigt. Wenn das Produkt gezeigt werden kann, soll man dies unbedingt tun. So konnten wir einen kleinen Einblick gewinnen in diese mächtige Lösung von realxdata. Stefan meinte, dass 90 % der Aufwände sich auf das Datensammeln beschränkten und nur 10 % auf die Auswertung. Ich meine, dass der Preis zwischen 2’000 und 10’000 Euro pro Monat eher günstig ist. Er entspricht ca. einem Jahresgehalt eines Datenspezialisten. realxdata macht seit diesem Sommer erste Umsätze.

Neue Wohn- und Lebensformen

In einer alten Schokoladefabrik arbeitet Jonathan Imme vom co-creation loft. Ohne Lift in den 6. Stock rang uns nochmals eine sportliche Leistung ab. Spannend ist die Website von co-creation loft. Über die Firma selber wird nichts gesagt, dafür wird eine ellenlange Datenschutzerklärung gezeigt. Jonathan befasst sich mit neuen Wohn- und Lebensformen. Bereits gut etabliert ist co-working, wir haben ja das Beispiel we work gesehen. Hingegen ist co-living eher neu. co-living kennen wir bereits von WG’s oder von Seniorenresidenzen. Jetzt geht es darum, neue Zielgruppen zwischen den Studenten und den Rentner zu entwickeln. Jonathan unterscheidet zwei Formen: co-living out of choice und co-living out of necessity. Beim ersteren geht es um das Gemeinschaftsbedürfnis, kombiniert mit meiner Privatsphäre. Bei der zweiten Form ist es meistens der finanzielle Zwang, der mich ins co-living drängt. Ich kann mir alleine wohnen nicht mehr leisten und suche deshalb eine günstigere Lösung, z.B. über co-living. Berlin erlebt gerade dramatische Mietpreissteigerungen und zahlt damit den Preis des Erfolges. „Arm und sexy“ scheinen sie in Berlin definitiv überwunden zu haben. Allerdings sieht Jonathan co-living auch in den nächsten Jahren noch als Nischenmarkt. Bestehende Gebäude eignen sich weniger für co-living.

Einfacher mit Neubauten

Idealerweise wird ein Neubau erstellt, der die Bedürfnisse von co-living bereits berücksichtigt. co-living muss unbedingt kuratiert werden, damit die Bewohner zusammenpassen. Hier unterscheidet sich co-living nicht von der „normalen“ Vermietung. Ein Störefried kann die ganze Gemeinschaft massiv durcheinanderbringen. Elemente von Mieterportalen wie coozzy.ch sind auch bei co-living zu finden wie Kommunikation mit und unter den Bewohnern. co-living wird in der Regel möbliert angeboten. Bei co-living sprechen wir nicht von einem Mietpreis, sondern von einer Membership Fee. Darin sind meine Privaträume, die gemeinsam genutzten Räume und der Zugang zum ganzen Servicebereich enthalten. Im Gegensatz zur traditionellen Miete weist co-living eine hohe Fluktuation auf.

Zum letzten Mal im village community center berlin, wo Peter Staub zwei konkrete Beispiele von Digitalisierungsstrategien vorstellte. Anschliessend fasste er die Erlebnisse jedes Tages zusammen. Unglaublich, was wir alles gesehen und gehört haben. Ein wahres Feuerwerk.