Aus dem CAS Digital Finance zum Thema Disruptive Technologien mit Michele Forte und René Konrad von ti&m berichtet Robert Niggli:

Gruppenarbeit: Welches der folgenden Szenarien ist für die Schweiz am wahrscheinlichsten ?

  • Disruption der Banken durch FinTech
  • Entwicklung zur FinTech-Bank
  • Evolution
  • Business as usual

Szenario 1: «Disruption»

  • Bank ist ein Player unter vielen
  • Man geht nicht zur Bank, es ist eine Dienstleistung, die man benützt
  • Geöffneter Marktzugang, Druck nach billigen Services steigt, Verteidigung der Marktanteile hat höchste Priorität
  • Digitalisierte Funktionen fürs Onboarding Standard (Geldwäscherei, PEP …)
  • Individualisierte Dienstleistungen verfügbar, auch durch Aggregatoren
  • Ein weltweiter Hauptledger für alle Finanzdienstleister im gemeinsamen Besitz, Geld ist digital, Cashtransaktionen die Ausnahme
  • Gebühren pro benutzte Dienstleistung
  • Traditionelle Bankenarbeitsplätze -80 %, weniger Banken

Diskussion:

Ein staatlich verordnetes Hauptbuch wird zwar als effizient angesehen, welches mehr Transparenz und insgesamt eine höhere Transaktionsgeschwindingkeit  bringt. Bedenken liegen aber in den systemischen Risiken eines zentralisierten Ledgers und vor allem in der Steuerung der Geldmenge.

Das Szenario wird in der Gruppe als unrealistisch  angesehen, da dieses Vorgehen politisch praktisch nicht durchsetzbar ist. Es berücksichtigt die wirtschaftlichen Situationen der einzelnen Länder nicht, es ist ein Marxistischer Ansatz.

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Szenario 2: «FinTech-Bank» – Die Bank als Tech-Company

  • Bank als “Tech-Company” mit mehr als nur Finanzdienstleistungen
  • Einführung neuer Technologien zur Vereinfachung der Finanzdienstleistungen, regulatorisch begünstigt
  • Erbringung einzelner Services durch spezialisierte Firmen (ZV, Depotführung, Kreditabwicklung …)
  • Banken sind Aggregatoren der Dienstleistungen mit Differenzierung im technologischen und physischen Zugang sowie in der Art und Qualität der Finanzberatung. RoboAdvising ist qualitativ gut und senkt Kosten
  • Klassische Kundensegmentierung (PK, Retail) nicht mehr anwendbar
  • Traditionelle Bankenarbeitsplätze -60 %, Filialen -70 %

Diskussion:

Realistisch? Ja, in dem Sinne, dass die Wertschöpfungskette erweitert wird, wie z.B. um Dienstleistungen im Bereich Immobilien (Immobilienmakler), Buchhaltung, Finanzplanung. Dank Big Data und Einsatz von künstlicher Intelligenz bei Auswertungen können dem Kunden bessere und massgeschneiderte Lösungen angeboten werden. Dagegen steht die heutige Geschwindigkeit des Wandels bei den Banken und die Trägheit in der Adaption.

Die konsequentere Erleichterung von regulatorischen Vorgaben im Banken- und FinTechbereich würde dieses Szenario weiter begünstigen.

Wichtige Differenzierungsstrategien in einem solchen Szenario sind das Erkennen der Bedürfnisse und die Fähigkeit, diese mit individualisierten Lösungen und Dienstleistungen zu bedienen. Aufbau und Pflege des Vertrauens in die Bank und die Marke sind in diesem Szenario extrem wichtig.

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Szenario 3: «Evolution» – laufende Anpassung

  • Laufende Integration massgeblicher FinTech-Innovationen in die Bankenprozesse
  • Gewonnene Effizienz kompensiert teilweise die Margen-Erosionen
  • Kontrolle der FinTech-Szene verhindert frühzeitig die Entstehung eines unabhängigen Disruptors
  • Traditionelle Bankenarbeitsplätze -25 %,  Filialen -40 %

Diskussion:

Welche Technologien würden Sie (neben Blockchain) ebenfalls einführen? Schweizweite Digital ID, welche die Kundenidentifikation, das Onboarding und viele administrative Belange deutlich vereinfacht.

Einschätzung: Das Szenario wurde als sehr realistisch angesehen, da die Integration einzelner Innovationen bereits heute laufend erfolgt. Der physische Kundenkontakt bleibt wichtig, es werden sich Hybridformen der Anlageberatung entwickeln.

Kontrolle der FinTech-Szene: Die Gruppe glaubt eher an ein “Nebeneinander” in Kooperation anstatt an eine Kontrolle des Marktes durch die Banken.

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Szenario 4: «Business as usual»

  • Beschränkung auf laufende Angebotsoptimierung
  • Technologie wird ausschliesslich an existierende Prozesse adaptiert
  • FinTech-Marktzugang wird nicht weiter erleichtert, FinTech entwickelt sich v.a. ausserhalb der Schweiz
  • Kunden von Schweizer Banken sind gewillt, ein gewisses Premium für den traditionellen Service zu bezahlen
  • 5 bis 10 % der Bestandeskunden werden “geopfert”
  • Filalen + – unverändert

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Diskussion:

Das Szenario wurde eher als unrealistisch eingestuft. Starke Argumente dafür sind die immer noch vorhandene Trägheit der Kunden (nicht alle Kunden sind Digital Natives) und die Langsamkeit der Banken. Wobei die digitale Evolution schon gestartet ist – Innovation kommt bereits von aussen und wird später adaptiert. Die grossen Banken sind dem internationalem Wettbewerb ausgesetzt und man übernimmt internationale Standards sowie erfolgreiche Geschäftspraktiken.

Und zum Schluss, anbei noch weitere Szenarien im Bereich Wealth Management oder “the Future of Banking”.