Aus dem Unterricht des CAS Disruptive Technologies mit Rino Borini berichtet Stephan Huber:

Obwohl die Schweiz eine Banken-Nation ist, ist sie noch nirgends beim Thema Fintech.

Wir haben erste Halbzeit verloren, jetzt geht es darum, dass die zweite Halbzeit gewonnen wird.

Banken lösen alte Probleme, während Kunden neue Angebote wollen!

Digital ist man noch lange nicht, nur weil man online ist. Und genau das haben viele Banken noch nicht verstanden. Die Schweiz hinkt noch massiv hinterher beim Thema Fintech. Einerseits hat das «Seniorenmanagement» noch nicht verstanden, wie schnell alles vorwärts geht. Es braucht eine Strategie in dieser digitalen Zeit, ein neues Mindset. Man muss mit den kleinen Fintechs (meist Start-up’s) zusammenarbeiten und nicht gegen sie. England und Kanada z.B. sind uns schon Meilen voraus. Sie setzten Scouts ein, die weltweit Fintechs aufspüren und abwerben. Auch muss über den Finanzwelt hinausgeschaut werden, um erfolgreiche Fintechs zu finden. Barkley verpflichtet z.B. e-Commerce-Managers, um sich selber weiter zu entwickeln.

Der Kunde muss in den Mittelpunkt gestellt werden und über den ganzen Lifecycle begleitet werden. Das Bedürfnis des Kunde ist, auf ein Ziel hinzuarbeiten (Haus, Rente usw.). Bank soll sie begleiten.

Banken beginnen mit Big-Data-Analyse, aber wissen nicht, was sie damit machen können oder dürfen – auch wegen des Regulators.

Banken haben Angst von «Googleamazonapple & Co.», weil sie an den Kundenschnittstellen sind und Fintech ihnen die Möglichkeit bietet, auch Bankgeschäfte zu betreiben. Somit gehört die Wertschöpfungskette der Finanzdienstleistungen nicht mehr der Bank!

Aber in der Schweiz tut sich auch langsam etwas!

«Vorreiter» in der Schweiz:


Negativbeispiel

Swissquote ist online aber nicht digital. User Experience fehlt komplett. Swissqoutes hat das aber nun begriffen und gibt momentan richtig Gas. Sie haben viele Chancen verpasst, weil der private Anleger nicht berücksichtigt wurde!


Was macht die UBS?

UBS suchte im Dezember 2015 weltweit Fintechs mit dem Aufruf «helft uns!». Sie starteten eine Competition und über 600 Fintechs haben ihre Eingaben gemacht. Die UBS will demonstrieren, dass sie digitale Leadership übernehmen will. –> Video

Einen Chief Digital Officer zu haben, wird heute immer wichtiger, können sich aber nur die Grossen leisten. Es braucht ein neues Mindset, eine neue Customer Experience. Dies kann mit einem CDO gut Einzug in das Unternehmen nehmen! –> Digital Experience ist das A und O.


Facts

Plattformen: Uber, Facebook Alibaba und Airbnb sind nur Plattformen und haben keine eigenen Produkte. «Interface is where the Profit is.» Definition Plattform: Managen von Bedürfnissen.

Mobile: Telefonieren ist out. Die Technologie verändert das Verhalten. Sprachnachrichten sind im Trend. Weltweit gibt es massiv mehr Mobile Users als Internet Users! WIR SIND MOBILE! Wer keine Mobilesteite hat, hat kein Internet.

Jugend und Silver Surfer: Wie erreichen wir die jungen heute noch? Das Kommunikationsverhalten muss angepasst werden: Snapchat! Swiss z.B. macht Snapchat-Viedokampagnen und erreicht so die Jungen. Swiss ist dort, wo die Jungen sind. Auch Banken müssen sich überlegen, wie Kunden oder potenzielle Kunden erreicht werden können. Auch die Bank muss dort sein, wo die Kunden sind! Millennials und Digital Natives sind 2020 in der Mehrzahl. Diese müssen abgeholt und begleitet werden. Aber auch die Anzahl der Silver Surfers nimmt massiv zu. Sie wollen ebenfalls eine gute digitale Experience haben!

bildschirmfoto-2016-10-19-um-11-49-31Quelle: Media Use Index 2016


Digitalisierung ist:

  • Neue Geschäftsmodelle.
  • Neues Kundenverständnis.
  • Neue Strukturen.
  • Neue Technologien (Blockchain, AI usw.).
  • Daten (Big Data).
  • Tools.
  • Leadership-Denken!
  • Simplifizierung.

Exkurs TWINT

TWINT hat grosse Chancen, weil es eine Schweizer Lösung ist und Unterstützung von Banken und der Post hat. Neues TWINT 2.0 startet im Januar 2017 und soll mit geballter Power auf den Markt kommen. Konkurrenz ist Bargeld und nicht ApplePay. TWINT muss aber international denken, um richtig erfolgreich zu sein. Generell denkt die Schweiz zu wenig global!


Geboren 2008

2008 war das Geburtsjahr von Fintech. Durch die Finanzkrise 2008 wurden keine Kredite von Banken mehr vergeben und die ersten Crowdfounding-Plattformen kamen zum Vorschein. Auch Bitcoins mit der Blockchain wurden auf den Markt gebracht.


Beispiele von Unternehmen, die neu in der Finanzbranche mitmischen

O2 Banking – das mobile Bankkonto fürs Smartphone: Datenvolumen für Zahlungen über O2 erhalten. O2 hat die Schnittstelle zu den Kunden, sie haben 43 Millionen Kunden (Telefonica). Die Fidor Bank AG steht im Hintergrund. Geld kann auch über den Messenger versendet werden und sie bieten sogar Kleinkredite über den Geldnotruf an (max. 100 Euro für 30 Tage)!

Bobfinance: Gehört zu Valora und bietet Kleinkredite bis 2000 CHF an. Valora hat ein sehr grosses Vertriebsnetz mit allen Kiosken und ist daher sehr nahe beim Kunden. Im Hintergrund steht die Glarner Kantonalbank.


Beispiele von erfolgreichen Fintechs

Robinhood: Ist der schnellst wachsende Online Broker der USA. Google ist Investor. Verdienen Geld mit Margin Trading. Sie haben es verstanden schnell und einfach zu sein. Banken verlieren dadurch eine grosse Einnahmequelle. Darum nehmen das Banken in den USA richtig ernst! –> Video

TransferWise: Transfer von Fremdwährungen. Im Hintergrund stehen Richard Branson und die Entwickler von Skype. –> Video

Revolut: Digitale Brieftasche und Geldtransfer.

Advanon: Vorfinanzierung von Rechnungen.

N26: Das Bankkonto für die Hosentasche. Deutschland und Österreich.

Monetas: Geldtransfer weltweit.


«Finance will be the most disruptied industry in the next 10 years. Bank branches will most be gone… this decade.» Peter Diamandis, Singularity University

bildschirmfoto-2016-10-19-um-11-49-57Quelle: Deloitte Digital


Warum ist Fintech die grösste Disruption ever?

  • In Private Wealth steckt grosses Potenzial, wenn Kommissionen wegfallen können.
  • Kommissionen beim Währungshandel können massiv verringert werden.
  • Globaler Geldmarkt ohne Payment Fee ist möglich.
  • Hohe Zinsen bei Krediten oder Hypotheken können wegfallen.
  • Rekordgewinne der Banken? Woher kommt dieses Geld?
  • Wer zahlt die Boni der Banker?
  • 5 Miliarden Menschen sind «unbanked»!

Die Banken haben das «Glück», dass das Kernbankensystem nicht einfach abgeschaltet werden kann. Nun gilt es dies clever anzudocken. Aber das Zinsgeschäft ist das Kerngeschäft der Banken – und im freien Fall. Marge bei Wealth Management sinken auch. Regulierungen der Banken sind problematisch und verschlingen massiv Geld.


Game Changers und Abbau von Eintrittshürden:

  • PSD2: Geldüberweisungen in Europa sollen schnell, sicher und günstig sein wie Inlandüberweisungen. Einheitlicher Binnenmarkt für Zahlungen.
  • Open Banking Revolution (gov.uk): Getrieben von der englischen Regierung lockert England die Regulierungen. Fintechs werden die Chancen haben, um zu wachsen wie Banken. Transportieren von Kundenportfolios/Kundendaten wir viel einfacher. Kostenlose und schnelle Beratung des Regulators (FINMA geht massiv länger!). UK hat Leute, welche in der Community sind und somit nahe bei den Start-up’s in Fintech. Bank of England hat 10 Kryptoforscher eingestellt, welche sich z.b. nur um Blockchain kümmern. London unterstützt massiv Fintech.
  • SEPA Instant Payment: In 10 Sek ist Geld von A nach B verschoben. 34 Länder in Europa sind dabei. Limitiert auf 15’000 Euro wegen Geldwäschereigesetz. 24 / 7 / 365.
  • eIDAS: elektronische Identifizierung. Mit App und Cam.
  • FINMA mit Banklizenzen light: Sandbox. Unkompliziert. Für Geschäftsmodellen, die kein banktypisches Geschäft betreiben, aber gewisse Elemente der Banktätigkeit benötigen.

Paradigmenwechsel verändert das Game. Die Erwartungen und das Verhalten der Bankkunden wird durch die Digitalisierung verändert sowie die Anforderung an die Interaktion mit der Bank. Weniger Filialbesuche, mehr Einsatz von elektronischen Kanälen. Banken werden vermutlich vermehrt Falgshipstores haben müssen.

Jede einzelne Dienstleistung einer Bank kann heutzutage durch ein Fintech ersetzt werden. Fintechs wollen ein besseres Erlebnis und einen Mehrwert dem Kunden bieten.


Fintechs wollen:

  • Besseres Produkterlebnis bieten.
  • Eine stärkere Kundenbeziehung kreieren.
  • Lösungen schneller auf den Markt bringen.
  • Schnellere, billigere und einfachere Finanzdienste anbieten.

Lancierungskosten für Fintechs sind massiv gesunken. Speicher ist fast gratis.

Venture Capital in Fintech 2015 = 19 Mrd. Es gibt bereits sehr viele Unicorns im Fintech-Markt. (Unicorns = Firmen, welche mit über 1 Mrd. bewertet sind.)


Fintechmarkt CH: Aktuell sind es ca. 180 Fintech-Unternehmen. Viele werden wieder verschwinden, aber gleichzeitig werden viele neue dazukommen.

Warum ist die Schweiz nicht führend in Fintech?

  • Politik reagierte zu spät.
  • Starker Regulator.
  • Viele Gesetze und Vorschriften.
  • FINMA ist nicht proaktiv.
  • Nur 8 Millionen Einwohner und das in 4 Landessprachen. (Die Schweiz ist zu klein für B2C.)
  • Schweiz ist nicht in der EU.
  • Suboptimales Steuersystem.
  • Keine Unternehmer- und Scheiterkultur.
  • Es geht uns und den Banken zu gut!

Finanz 2.0

Finanz 2.0 versucht:

  • Demokratisierung der Finanzindustrie.
  • Disintermediation traditioneller Geschäftsmodelle.
  • Banking gehört allen.
  • Customer Experience verbessern.

Fazit der Demokratisierung

  • Banking wird digital und social.
  • Banking kommt in die Hosentasche.
  • Nicht nur Interaktion zwischen Kunde und Finanzdienstleister sondern auch zwischen Kunde und Kunde. Schnittstelle wird neu definiert.
  • Alles wird transparenter und effizienter.
  • Fintechs werden entlang der ganzen Wertschöpfungskette mit disruptiven Geschäftsideen entstehen.
  • Revolutionäre Technologien (wie z.B. Blockchain) stellen vieles auf den Kopf.
  • Sicherheit und Vertrauen bleiben aber Key-Faktoren.

Robo Advisor

Der Robo Advisor kann rudimentäre Funktionen beim Anlageprozess übernehmen, aber ein Berater wird es immer noch brauchen. Somit wird es für die Zunkuft wahrscheinlich ein hybrides Modell sein, wo der Berater ergänzend von einem Robo Advisor unterstützt wird.

Beispiel für Robo-Advise: Wealthfron

Weiterentwicklung von Robo-Advise: SIGFIG


Peer to Peer Lending (P2P):

  • Kreditform, die von zwei Parteien vergeben werden (Privatperson zu Privatperson).
  • Kreditvergabe direkt über eine Webplattform.
    • Keine Vermittler wie ein Finanzinstitut.
  • P2P Plattform erhält eine Gebühr (transparent).
    • Standardisierter, automatischer Prozess.
    • Betreuung während Laufzeit der Anleger und Kreditnehmern.
  • Geschäftsmodell bedeutend effizienter und kostengünstiger als von Banken.
  • Banken bis 12% Zins, P2P 5-9%.

Lend: Kreditvergabe von privat zu privat

Swisspeers: Der Schweizer Kreditmarkplatz für Unternehmenskredite


Blockchain

Für alle im Vertragswesen anwendbar.

Wichtiges: Es ist noch in der Forschung. Dezentrales System von vielen Rechnern, die alle Veränderungen dezentral prüfen.

Links, die Blockchain einfach und verständlich erklären: