Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Eine von zwei Schwedischen Internet-Unternehmern gestartete Website, die es jedem User möglich macht, zuhause am PC oder auf Smartphone und Tablet sozusagen die gesamte internationale Zivilluftfahrt in Echtzeit zu verfolgen, wird nicht nur immer populärer, sondern spielt auch bei der Aufklärung des Airbus-Absturzes in Ägypten eine wichtige Rolle. Flightradar24 hat die Flugdaten während des Absturzes exakt aufgezeichnet.

224 Menschen kamen ums Leben, als der Russische Metrojet Flug 9268 vom Steigflug ganz plötzlich in einen extremen Sinkflug überging. Diese Daten wurden von Flightradar24 aufgezeichnet und spielen eine wichtige Rolle in den Untersuchungen zum Absturz.

Mit den Freunden im Flugzeug – zumindest fast

Für die Betreiber von Flightradar24 ist das nichts Ungewöhnliches; ausserordentliche Verhältnisse im Luftraum, wie sie zum Beispiel im Jahr 2010 durch einen Vulkanausbruch auf Island ausgelöst wurden, führen jeweils zu einer Vervielfachung der Besucherzahl auf der Website. Gemäss den Betreibern besuchen täglich rund eine Million User den Radar – wenn aber im Luftverkehr etwas passiere, seien es zehn- bis zwanzigmal mehr. Dass die Website im Zeitalter der Flugreisen so erfolgreich ist, verwundert nicht. flightradar24.com bietet eine Echtzeit-Übersicht der meisten kommerziellen Flüge, die sich aktuell in der Luft befinden. Durch klicken auf eines dieser vielen Flugzeuge erscheint auf dem Bildschirm die dazugehörige Fluginformation: Fluglinie, Flugzeugtyp, Startflughafen, Destination etc. Wer auf seinem PC Google-Earth installiert hat, kann auch noch virtuell im Cockpit mitfliegen und die Sicht vom Co-Pilotensessel aus geniessen. Das ist vor allem dann interessant, wenn man den Flug eines Freundes oder einer Bekannten mitverfolgen will. Die Sicht aus dem Cockpit funktioniert vom Start bis zur Landung – sobald das Flugzeug den Boden berührt, wird die “Übertragung” abgeschlossen. Selbstverständlich funktioniert der Radar nicht nur am PC, sondern auch am Smartphone und auf dem Tablet.

Doch wie funktioniert Flightradar24? Zitat aus Wikipedia:

“Durch sogenanntes Radarspotting werden die von ADS-B-Transpondern ausgestrahlten Transponder-Daten von am Boden befindlichen ADS-B-Empfängern aufgefangen und via Internet in das Netzwerk von Flightradar24 übertragen. Die meisten modernen Verkehrsflugzeuge der zivilen Luftfahrt – teils auch der militärischen Luftfahrt – sind heute mit solchen Transpondern ausgestattet. Die dabei übermittelten Positionsdaten der jeweiligen Flugzeuge werden mit weiteren Informationen zu Flugzeugtyp und Strecke korreliert und auf einer Karte abgebildet. […] Die ADS-B-Empfänger werden teils von dem Unternehmen selbst gestellt; zusätzlich übermitteln Spotter die Daten ihrer privat betriebenen ADS-B-Empfänger an den Webdienst. Gemäss Eigenangabe waren Ende 2014 über 4000 ADS-B-Empfänger in Betrieb, die ihre Daten an Flightradar24 liefern. Diese Empfänger decken nach Angaben der Betreiber rund 90 % des europäischen Luftraums und einige Bereiche in Nordamerika, Australien sowie im Nahen Osten ab.“

Wer sich näher mit dem Internet-Flugradar befassen möchte, findet hier eine ausführliche Betriebsanleitung in Deutsch.


Felix Walker ist Journalist, Autor und Übersetzer. In seiner Arbeit, zu der auch der Digital Society Report gehört, befasst er sich vorwiegend mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Er lebt in Nova Scotia, Kanada.