Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit Dozent Manuel Marquina berichtet Gabriela Minder:

Unsere Welt ist VUCA geworden – Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity fordern von Unternehmen die Fähigkeit, schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Klassische Führungsansätze (wie beispielsweise “Total Quality Control”) reichen dafür nicht mehr aus. Auch die Grösse eines Unternehmens ist keine Garantie mehr. Ein Paradigmen-Wechsel in der Leadership ist gefordert!

Vier Megatrends fordern bestehende Paradigmen heraus

  1. Konstante Einführung neuer Technologien
  2. Ein rasant änderndes Umfeld
  3. Demokratisierung von Information und Transparenz
  4. Der Krieg um Talente und Multi-Generation Workforce

Der letzte Punkt wird insbesondere dadurch befeuert, dass neue Generationen andere Anforderungen an die Berufswelt haben: Flexibilität, Partizipation, Individualität, Transparenz und konstantes Lernen stehen dabei weit oben auf der Liste.

Und wie reagieren Unternehmen auf diese zunehmende Komplexität?

Oft wird den neuen Anforderungen mit zusätzlichen Organisationseinheiten, Prozessen, Systemen, Kontrollmechanismen etc. begegnet – das heisst: Unternehmen reagieren auf die zunehmende Komplexität (meist) mit komplizierteren Strukturen (vgl. Speech of Yves Morieux, BCG Director auf Youtube). Für die Mitarbeitenden entsteht dadurch ein Overload:

Dies führt dazu, dass der Anteil an Arbeitseinsatz, der direkt dem Endprodukt zugute kommt, zurück geht. Dadurch sinkt letztendlich die Gesamtproduktivität des Unternehmens und es findet eine Entkopplung der Mitarbeitenden vom ursprünglichen Sinn des Unternehmens statt.

Es braucht ein neues Verständnis von Leadership!

“It doesn’t make sense to hire smart people and tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do” – Steve Jobs

Starre Prozesse und Kontrollsysteme als Führungsinstrumente sind überholt. Basis für agile Organisationen ist eine Unternehmenskultur, die auf Sinnstiftung (Purpose) und Vertrauen aufbaut und die Neugier, Initiative sowie den Austausch über alle Hierarchiestufen hinweg fördert. Agile Organisationen verstehen sich nicht mehr als hierarchische ‘Maschinerien’, sondern als anpassungsfähige ‘Organismen’. Das aber bedingt eine Verschiebung der Verantwortung vom Management hin zu den Teams. Manuel Marquina unterscheidet vier Stufen von Teamführung:

Self-Managing Teams stellen neue Ansprüche an Leadership

Welche Eigenschaften definieren vor diesem Hintergrund einen guten Leader? Die Diskussion in der Gruppe führt zu einem ähnlichen Ergebnis wie eine Befragung der Harvard Business Review an 195 globale Führungskräfte:

Wichtig zu wissen: man muss nicht ein bestimmter Typ sein, um gut führen zu können! Es werden vier Leadership Grundtypen unterschieden, die alle ihre Stärken und Schwächen haben:

Visionär/in (Visionary):

Stärken: mutig, visionär, zukunftsgerichtet, charismatisch, kommunikativ, inspirierend
Schwächen: wenig konkret, unstrukturiert, disruptiv, realitätsfremd

Macher/in (Operator):

Stärken: umsetzungsorientiert, priorisiert, simplifiziert, pragmatisch, geht mit gutem Beispiel voran
Schwächen: ungeduldig, arbeitet allein, Kommunikation, verfällt schnell in Aktivismus

Verarbeiter/in (Processor):

Stärken: präzise, Kontrolle, Data Driven, routiniert
Schwächen: veränderungsresistent, unflexibel, denkt nicht neu, wenig Risiko

Dirigent/in (Synergist):

Stärken: Teamfokus, verbindend, nicht vom eigenen Ego getrieben, guter Networker, erkennt Stärken, bringt die richtigen Leute zusammen
Schwächen: Trifft nicht gerne selber Entscheidungen, kann nicht allein arbeiten, schwierig zu greifen

Die meisten Leute erkennen sich im Visionär, Macher oder Verarbeiter wieder. Diese Eigenschaften sind aber nicht starr, man kann sich die Stärken anderer Typen aneignen. Insbesondere der Dirigent lässt sich gut lernen!

Leadership Toolbox

Zum Abschluss gewährt uns Manuel Marquina Einblick in seine Leadership Toolbox:

Tools zum Thema Vision, Sinnhaftigkeit, Strategie

Tool #1: Drei Phasen für ein effektives und effizientes Meeting

Phase 1: Learn –> Ziele und Status von Projekten (Was ist unsere Vision? Wo stehen wir als Team?)
Phase 2: Listen –> Update von jedem Teammitglied (Woran arbeiten die Teammitglieder?)
Phase 3: Debate –> Entscheidungen, Debatten, Learnings und Best Practice

Tool #2: Sinnhaftigkeit durch die Frage nach dem ‘Warum’

Starte mit der Frage, wieso etwas gemacht wird. Zeige anschliessend, wie es gemacht werden soll. Und erläutere dann, was gemacht wird (vgl. Ted Talk von Simon Sinek).

Tools zum Thema Kultur fördern, Teams entwickeln

Tool #3: Zwei Sätze, um agile Kulturen zu ermöglichen!

“Ask for forgiveness, not permission”
– “Blame is not for failure. It is for failing to help or ask for help”

Tool #4: Einführung einer Team Kommunikations Charta

Festhalten der Erwartungen an den Umgang mit verschiedenen Kommunikationskanälen. Dafür eignet sich eine verbindliche, von allen Mitarbeitenden getragene Charta.

Tool #5: Strukturierte 1:1 Meetings

Wöchentliche 1:1 Meetings zum Austausch bezüglich Befindlichkeiten, Fortschritt, Produktivität, Herausforderungen, Feedback, Zielen, Perspektiven, Coachingbedarf etc. Das Feedback erfolgt dabei immer nach der SIB-Methode: Situation | Behaviour | Impact.

Tool #6: Eine Struktur für Coaching

Coaching und Entwicklung braucht eine Struktur. Manuel Marquina schlägt dafür vier Schritte vor: Eröffnung, Informationen finden, Informationen geben, Abschluss.

Tool #7: Temperatur des Teams messen

Durchführung von regelmässigen Zufriedenheitsumfragen, um eine Verschlechterung der Teamstimmung frühzeitig zu erkennen.

Tools zum Thema Selbstführung, Motivation und persönliche Organisation

Ein Experiment zeigt: Multitasking und Task Switching sind ineffizient!

Tool #8: Zähme deine Aufgaben!

– Nutze das Pareto Prinzip: 20% der Arbeit erzeugt 80% des Outputs.
– Nicht alles ist wichtig! Definiere, was genau gemacht werden muss und sage öfter ‘Nein’.
– Priorisiere die Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit.

Tool #9: Nutze die Macht der Liste

– Most Important Task (MIT): Schreibe eine Liste mit den 3 bis 5 wichtigsten Aufgaben des Tages.
– ‘Eat the frog’: Erledige wichtige, aber unangenehme Aufgaben zuerst!
– Fasse ähnliche Aufgaben zusammen (z.B. Emails, Anrufe etc.).

Tool #10: Zähle Pomodoros für konzentriertes Schaffen

Und zwar wie folgt:

(Bildquelle: Blogartikel von Claudia Kauscheder)

Tool #11: Führe eine Ideen-Inbox

Schreibe Ideen und gute Gedanken auf – dies am besten immer am gleichen Ort. Und dann gehe zurück an die Arbeit.

Tool #12: Limitiere deine Optionen, indem du

– den Flugmodus einschaltest.
– alle ‘Notifications’ deaktivierst.
– eine Liste mit allen Websites und Apps führst, die du vermeiden solltest.

Tool #13: Find your Zone

Finde oder kreiere ein Umfeld, in welchem du gut und konzentriert arbeiten kannst. Nutze dazu zum Beispiel verschiedenen Zonen im Büro, investiere in gute Kopfhörer, arbeite von zuhause aus oder geh ins Kaffee, etc.

Tool #14: Plane deinen Deep Work

Plane in deinem Kalender 1 bis 2 Stunden für Deep Work ein und mach einen Plan und vermeide während dieser Zeit Quellen der Ablenkung.

Tool #15: Team Kommunikation

Definiere, wie du arbeiten möchtest! Besprich deine Bedürfnisse mit deinen Kollegen/Mitarbeitenden und definiert, wie ihr Kommunikationsmittel einsetzen wollt (Email, Telefon, Slack, Meetings etc.).

Viel Spass beim Ausprobieren!