Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

60 Prozent der befragten User setzen bei der Newssuche auf Google. Immerhin noch knapp die Hälfte gibt an, auch die Websites der News-Provider zu besuchen. Durch die Social-Media-Angebote der Medienhäuser kommen 28 Prozent der User an Nachrichten; dabei spielt die Trend-App Snapchat als News-Lieferant gar keine Rolle. Auch andere Dienste kommen im Zusammenhang mit der Verbreitung von News ganz schlecht weg: Twitter hat ein riesiges Reichweiteproblem, während Google+ nur ältere Semester anspricht.  Das geht aus einer neuen deutschen Untersuchung hervor.

Das waren noch Zeiten, als sich Verlage und Medien damit profilierten, gegen Google zu wettern:  Es sei “Diebstahl in Digitaler Form”, was Google da mit den Inhalten von Medienunternehmen mache, gaben die Schweizer Verleger damals bekannt. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt und die Verleger haben sich mit Google zusammengerauft. Zu Recht – wie die Zahlen beweisen. Gemäss einer  Repräsentativumfrage von nextMedia.Hamburg ist die Google-Suche noch vor den Homepages der Medienhäuser der wichtigste Zugriffsort, wenn es um Nachrichteninhalte geht – und das für alle Altersgruppen, auch wenn User, die über 50 Jahre alt sind, etwas stärker darauf setzen als jene unter 30 Jahren. Deutlich stärker ist der Unterschied bei den sozialen Netzwerken: Während knapp die Hälfte der jungen User in sozialen Netzwerken auf Nachrichteninhalte von Medien stossen, sind es unter den 50- bis 60-Jährigen gerade mal 18 Prozent.

Instagram, Pinterest und Snapchat kaum relevant

In sozialen Netzwerken ist es Facebook, welches das Nachrichtenmonopol uneingeschränkt innehat. Danach gefragt, wo man in Social Networks auf Nachrichteninhalte stosse, nennen fast 50 Prozent der Befragten Facebook. YouTube, Google+ und Twitter folgen abgeschlagen mit jeweils unter 10 Prozent. Hier zeigt sich, dass vor allem Twitter ein klares Reichweiteproblem hat, obwohl der Kurznachrichtendienst vor allem bei Meinungsmachern wie Journalisten, Politikern oder Kulturschaffenden als wichtige Nachrichtenquelle gilt. Twitter schafft es aber nicht, seine Reichweite auf Herr und Frau Normalverbraucher auszudehnen. Kaum von Bedeutung sind auch Instagram und Pinterest mit jeweils einem Prozent. Und Snapchat? Trotz des Discovery-Tools und der verstärkten Aktivitäten, auch deutscher Medien, verbindet gar niemand diese Trend-App mit Nachrichten. Interessante Randnotiz: Bei den 50- bis 60-Jährigen wird Google+ im Zusammenhang mit News gerade noch wahrgenommen, während Google+ bei den 18- bis 29-Jährigen keine Rolle spielt.

Mehr Social Media gewünscht

Etwa ein Viertel der Befragten wünscht sich, dass Medienhäuser den Kontaktweg über Social Media auch weiter ausbauen, um User zukünftig besser mit Nachrichten zu versorgen. Ähnlich beliebt sind Newsletter per Mail  und Messenger-Dienste, etwa über WhatsApp. Spitzenreiter sind jedoch Push-Benachrichtigungen wie Eilmeldungen, von denen sich knapp ein Drittel noch mehr wünscht.

Die Umfrage zeigt zudem, dass es durchaus eine Rolle spielt, woher Nachrichten kommen: Für fast zwei Drittel der Befragten spielt der Anbieter von Nachrichten eine grosse Rolle, nur für neun Prozent ist dieser irrelevant. Medien werden übrigens sowohl stationär als auch mobil konsumiert – wenn auch nicht in dem Umfang, wie angenommen werden könnte: Nur jeder fünfte User konsumiert seine News primär unterwegs, rund die Hälfte konsumiert digitale Medien sowohl stationär als auch mobil.


Felix Walker ist Journalist, Autor und Übersetzer. In seiner Arbeit, zu der auch der Digital Society Report gehört, befasst er sich vorwiegend mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Er lebt in Novia Scotia, Kanada.