Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Google ist der mächtigste der mächtigen Internet-Giganten – und möchte das auch in Zukunft bleiben. Damit sich weiterhin während jeder Minute viele Millionen Menschen mit ihren Fragen an die grösste aller Suchmaschinen wenden – die in Tat und Wahrheit schon längst ein Monopol hat – will Google in nächster Zeit massive Änderungen einführen. KI wird dabei eine wichtige Rolle spielen.

Viele hundert Milliarden Internet-Seiten hat Google gemäß eigenen Angaben indexiert, damit die Google-Suche in mehr als 150 Sprachen und über 190 Ländern angeboten werden kann. Aber Google will mehr, als nur Fragen beantworten. Die Suchmaschine will ihre Nutzer und deren Bedürfnisse kennenlernen und sie mit Informationen versorgen, noch bevor sie eine Frage stellen. Der erste Schritt zu diesem Ziel war der sogenannte Google-Feed, der auf der Startseite erscheint – wenn er vom User nicht unterdrückt wird. Google hat aber weit grössere Ambitionen; mit künstlicher Intelligenz und neuen personalisierten Angeboten. Gemäss Google-Blog könne man jetzt die Sprache der User verstehen, wie nie zuvor:

“Jetzt aber haben wir den Punkt erreicht, an dem neuronale Netze uns einen entscheidenden Schritt weiterhelfen, wenn es darum geht, nicht nur Worte zu verstehen, sondern Konzepte. Mit sogenannten “Neural Embeddings”, einer Form neuronaler Netze, können wir Worte in allgemeinere Darstellungen der zugrundeliegenden Konzepte verwandeln. Diese Konzepte können wir in der Suchanfrage mit den Konzepten der Websites abgleichen. Diese Methode nennt man “Neural Matching” […] Ob es darum geht, potenziell durch eine Überflutung gefährdete Gebiete vorauszusagen oder euren Traumjob zu finden: Mithilfe von KI können wir viel besser und schneller die passenden Informationen liefern.“

 

Discovery – um die User länger zu fesseln. Bild Google

Tatsächlich funktioniert Google heute weniger wie eine Suchmaschine, sondern mehr wie eine gigantische und allwissende Auskunftsagentur. Sie beantwortet Fragen und ist fast nie um eine Antwort verlegen. Die neue Google-Strategie will aber viel mehr, wie die SZ erklärt:

“Statt Nutzer möglichst schnell wegzuschicken, sollen sie künftig so lang wie möglich bleiben. Dann kann Google mehr Werbung einblenden und mehr Daten sammeln. Denn darum geht es: Google wettet darauf, dass es mehr über seine Nutzer weiß als Facebook und ihnen zum richtigen Zeitpunkt die passenden Inhalte anzeigen kann. Der Suchverlauf verrät Interessen, Pläne und heimliche Vorlieben, von denen nicht einmal die engsten Freunde wissen: das nächste Reiseziel, das Geburtstagsgeschenk für den Partner, manchmal sogar Schwangerschaften, noch bevor es die Frau selbst ahnt. Google kennt die E-Mails von knapp anderthalb Milliarden Gmail-Nutzern und kann über Chrome und Android, den größten Browser und das dominierende Smartphone-Betriebssystem, weitere wertvolle Daten sammeln. Googles Werbenetzwerke und Tracking-Werkzeuge durchziehen das gesamte Netz wie digitale Wanzen, die Information über fast alle Klicks an Google übertragen. Diesen gewaltigen Datenschatz nutzt das Unternehmen, um personalisierte Werbung anzuzeigen. Nun soll er auch als Grundlage für individuell zugeschnittene Inhalte dienen. Diese kuratierten Inhalte, die Google bald auf der mobilen Webseite standardmäßig anzeigen will, wurden jahrelang getestet. 2012 startete Google Now, später wurde daraus der Google-Feed, ab sofort heißt der Nachrichtenstrom Discover. “

Googles Anstrengungen, mit seinen Nutzern noch persönlicher zu werden, kommen nicht überall gut an. Immer wieder wird davor gewarnt, dass das Unternehmen durch seine Datensammlung zu viel Macht (und Geld) anhäuft. So argumentiert zum Beispiel aktuell die schweizerische Handelszeitung, der Staat müsse Google und Co. endlich “bändigen“:

“Das Digi-Oligopol diktiert. Sodass sich heute ein jeder für die FANG-Algorithmen zu optimieren sucht. Doch wie Google sucht, Facebook informiert oder Amazon handelt, bleibt nebulös. Ihre Algorithmen sind Geschäftsgeheimnis. Sie entziehen sich jeglicher demokratischen Kontrolle. Obgleich ihre Handlungsvorschriften uns die Welt (ausserhalb unserer physischen) überhaupt erst ordnen und vermitteln. Eine gigantische Wirkungsmacht, die es endlich rechtsstaatlich zu bändigen gilt.“