Aus dem Unterricht des CAS Disruptive Technologies mit Max Meister berichtet Simon Racine:

Der Unterricht fand heute nicht an der HWZ sondern an der Swiss Startup Factory (SSUF) statt. Max Meister, der CEO der SSUF begrüsste die Klasse und kündigte an, dass der Unterricht heute in fünf verschiedene Speeches aufgeteilt ist.

Mike Baur, Co-Founder & Board Member SSUF

Für Startups gibt es in der Schweiz 27 verschiedene Förderungsprogramme. Die Situation ist sehr unübersichtlich, ein neu gegründetes Startup weiss oftmals nicht, wo es die beste Unterstützung erhält. Was die SSUF von anderen Programmen differenziert ist die Tatsache, dass kein staatliches Geld involviert ist. Die Ausgangslage ist ganz anders, wenn “eigenes” Geld involviert ist. Somit ist die SSUF der einzige voll unabhängige Statrup Accelerator.
Eine weitere Differenzierung zu anderen Programmen ist, dass die SSUF sehr Business getrieben ist. Es gibt ganz klare KPI’s und Milestones – das Ziel ist, die besten nächsten Unternehmen auf den Markt zu bringen. Ein Programm bei der SSUF dauert drei Monate. In drei Monaten ist mehr möglich als man denkt, sofern die richtige Plattform und das richtige Team dahinterstehen. Team Diversity ist dabei sehr wichtig. Die einzelnen Teammitglieder sollen möglichst verschiedene Backgrounds mitbringen. Während dem Programm scheiden etwa 50% der Startups aus, weil die gesetzten Milestones nicht erreicht werden.

Max Meister, Co-Founder & CEO SSUF

Was genau ist eigentlich ein Inkubator? Ein Inkubator bedeutet, dass Startups – oder unter Umständen auch internen Teams – Geld und ein gewisser Service zur Verfügung gestellt wird. Die Projekte dauern hier etwas länger als die Programme bei der SSUF – in der Regel 12 bis 15 Monate. Am Ende des Projektes steht ein Demo Day, an welchem das Ergebnis vorgestellt wird. Die Projekte befinden sich normalerweise im Seed Level – sprich, man kreiert zu etwas Bestehendem ein Business Model und platziert es im Markt. Nachfolgende Abbildung zeigt die Unterschiede zwischen Inkubator, Accelerator, Venture Capital und strategischen Partnerschaften.

Gearbeitet wird in kleinen Teams mit technischem Background. Oftmals handelt es sich um disruptive Innovationen, ein grosses Wachstumspotenzial ist wichtig. Das High Level Konzept auf folgender Abbildung zeigt, wie man bei einem Inkubator aus Unternehmenssicht vorgeht.

80% der Inkubatoren können später nicht erfolgreich im Markt platziert werden. Eine Kernfrage, welche sich die Unternehmen stellen müssen ist, ob die neuen Business Models im Unternehmen integriert oder extern gehalten werden sollen.

Martin Radelfinger, Innovation Manager bei der Goldbach Group

Martin Radelfinger zeigte auf, wie Innovation bei der Goldbach Group vorangetrieben wird. Die Goldbach befindet sich in einem Markt, welcher von Disruption bedroht ist – deshalb ist es wichtig, dass man sich richtig aufstellt für die Zukunft. Pro Jahr unterstützt Goldbach deshalb zwei Startups, welche sich im Programm der SSUF befinden. Weiter wird ein internes “Hack Team” auf gut laufende Geschäftsmodelle der Goldbach angesetzt. Sie sollen auf einer grünen Wiese versuchen, dieses Geschäftsmodell zu disruptieren. Ebenfalls wird ein internes Crowdsourcing betrieben. Im vergangenen Jahr wurden so 23 Ideen von Mitarbeitern übernommen. All diese Innovationen werden bei der Goldbach aus dem Marketing & Kommunikationsbudget finanziert. Ein Grund hierfür ist, dass der Druck weggenommen wird. Auch wenn das Projekt nicht zum Fliegen kommt – Goldbach wird von jeglichen Partnern als Innovator wahrgenommen, was sich positiv auf das Image auszahlt.

Carlos Nicoletti, Head of Consulting SSUF

Carlos Nicoletti nahm sich dem Thema Corporate Venturing an. Technologie alleine macht kein Business erfolgreich – sie muss angewendet werden. Hinter allen Organisationen stehen am Ende des Tages Personen, welche oftmals Angst vor Veränderungen haben. Unternehmen sollten sich jedoch nicht auf dem aktuellen Erfolg ausruhen. Man muss in die Zukunft schauen. Aus diesem Grund brauchen Unternehmen dringend eine Innovation Strategy. Nichts tun ist “the fastest way to fail”. Nachfolgende Abbildung zeigt ein Set an Tools, welches in Kombination eine gute Lösung erzeugen kann.

Corporate Venturing bedeutet, dass man für das Unternehmen neue Einkommensquellen finden will. Es ist ganz wichtig, dass strategische Ziele gesetzt werden. Disruption soll eine Chance gegeben werden. Deshalb ist es auch wichtig, dass intern die Leute ermutigt werden, neue Ideen einzubringen – auch wenn diese ein gewisses Risiko bedeuten. Im externen Bereich müssen Startups – besonders auch im Ausland – beobachtet werden. Die technologischen Entwicklungen müssen ständig mitverfolgt werden. So haben Unternehmen die Möglichkeit, Startups aufzukaufen bevor sie disruptiv werden können.
Schlussendlich kann Corporate Venturing von einem Unternehmen als “Versicherung” angeschaut werden. Man sichert sich gegen den Fall ab, dass das aktuelle Geschäftsmodell in Zukunft nicht mehr gleich erfolgreich sein wird oder gar disruptiert wird.

Nicola Ferroni, Strategy & Communication bei Joineer

Zum Schluss wurde ein Startup vorgestellt, welches das Programm der SSUF erfolgreich durchlaufen hat. Joineer ist ein digitales Mitarbeiter Feedback Tool, welches regelmässige kurze Mitarbeiterbefragungen durchführt. Auf einem Dashboard können die Ergebnisse nach eigenen Wünschen der Unternehmen angezeigt werden. Ein Algorithmus schlägt auch direkt Massnahmen vor – bewertet ein Mitarbeiter zum Beispiel mehrere Monate hintereinander eher negativ, schlägt das Tool der Führungskraft ein Mitarbeitergespräch vor.
Von der SSUF hat Joineer vor allem durch Coaching, das Netzwerk und natürlich die finanzielle Investition profitiert. SSUF erhält im Gegenzug eine Firmenbeteiligung.
Während dem Programm durchlief Joineer drei Milestones: Der erste war das Vorstellen des Business Models, der zweite die Erstellung eines ersten Prototypes, und als dritter Milestone musste aufgezeigt werden, dass potentielle Kunden wirklich Interesse zeigen.
Nach drei Monaten zog Joineer von der SSUF in eigene Büroräumlichkeiten. Die SSUF steht dem Startup aber nach wie vor beratend zur Seite, es finden regelmässige Meetings statt.