Aus dem Unterricht des CAS Social Media Management berichtet Patrick Becker:

Ein Leben ohne Handy kann sich in der Schweiz wohl niemand mehr vorstellen. Laut einer Recherche von Referent Frank Lang nutzen 75% ein Smartphone und 30% ein Tablet. Drei von vier Usern nutzen das mobile Internet und können ihren Blick nicht mehr von ihrem besten technologischen Freund trennen (Ø 150 Blicke aufs Smartphone pro Tag). Jeder zweite liest seine Emails bereits auf dem Smartphone. Und neben anderen Aktivitäten, wie beispielsweise TV schauen, wird nebenbei immer öfters auch simultan das Handy benutzt. Wir sind im elektronischen Multitasking-Zeitalter angekommen!

Die Verteilung der Werbeausgaben im Vergleich zur Mediennutzung hinkt dieser Entwicklung aber noch hinterher, denn laut Flurry Analytics fallen auf einen zeitlichen Anteil der Mediennutzung von 23% nur deren 1% der Werbeausgaben auch auf mobile Werbung. Die Online-Werbung hat mittlerweilen aber aufholen können, dementsprechend ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Werbung auf Smartphones zunehmen wird.

Der Online-Zugriff via Smartphone hat total andere Ansprüche als ein Online-Zugriff am Laptop.

Mobile Strategie

Wir leben in einer Multiscreen- und nicht reinen Mobile-Welt. Daher ist eine diversifizierte Strategie von höchster Wichtigkeit.

Die Frage ist nun, welche Art von Auftritt eignet sich ist für welche Art von Firma am besten?

Die erste Entscheidung liegt vor der Umsetzung:

 screenshot_86

Adaptive Web Design

Ist eine kontrollierte Adaption des Designs mit verschiedenen Templates für definierte Device-Kategorien. Nicht nur für ältere CMS-Systeme ist ein adaptives Web Design eine gute Lösung, sondern auch wenn man eine ganz andere Strategie als auf der Website verfolgen will. Einige Nachteile sind die Administration von unterschiedlichem Content und auch mögliche SEO Penaltys durch Google. Marken wie Migros, Coop und McDonalds verfolgen diese Strategie.

Ein wichtiger und nicht zu vernachlässigender Punkt ist der nachträgliche Aufwand durch Updates und Testphasen für die verschiedenen Systeme, denn ein Betriebssystem Update auf einem Handy kann dem schönsten Adaptive Web Design den Garaus machen.

Responsive Web Design

Hier passt sich ein flexibler Grid automatisch der Browser-Auflösung ohne fixe Pixel-Dimensionen an. Daher ist eine Inside Out bzw. eine Mobile First Strategie vorzuziehen. Sinnvoll sind hier mindestens drei Breakpoints. Vorteile sind die Device-unabhängige Struktur, keine SEO-Konflikte und dass einzelne Inhalte ein- oder ausgeblendet werden können. Ein Responsive Web Design ist jedoch sehr zeitintensiv und eignet sich vor allem bei Redesigns, zudem läuft die Optimierung Client-Side, d.h. eine gute Planung ist hier sehr wichtig um zu grosse Datenmengen-Transfers zu verhindern. Wichtig ist, dass die Navigation und Hierarchie stark vereinfacht wird. Ein schönes Beispiel ist der Boston Globe oder Naturaplan.

Für welche der beiden Varianten man sich schlussendlich entscheidet, hängt stark von der Struktur, den Inhalten und Funktionalitäten ab. Eine ideale Lösung ist oft auch eine Kombination der beiden Ansätze.

Diese Entwicklung ist auch für den eigenen Newsletter von Bedeutung, denn der neuste Trend sind responsive oder mobile-optimierte E-mail-Templates. Android hat im Moment aber noch ein bisschen Probleme mit responsive Newsletter.

Apps

Ein eigenes App zu haben, war lange Zeit von hoher Bedeutung. Dies zeigt auch, dass sich auf iTunes und Google Play Stores über 1 Million Apps befinden. Davon werden jedoch 54% weniger als 1000 mal runtergeladen und von den durchschnittlich 60 Apps die ein Nutzer besitzt, benutzt er höchstens 20 davon.

Muss man wirklich eine eigene App haben oder greift doch lieber auf ein Responsive Web Design zurück? Die Frage nach der Zielgruppe (Bsp. Neukunden, Bestandskunden, etc.) und dem Ziel (Bsp. Reichweite, Image, etc.) sind hier die entscheidenden Faktoren. Durch die Adaptierung auf verschiedene Systeme und die Optimierungs-, Update- und Testphasen sind Apps zudem zeitaufwendige und kostenintensive Projekte.

Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile:

Mobile Websites

+ Plattformunabhängig

+ Reichweite über alle Devices

+ Änderungen sofort wirksam

+ Keine Installation

+ Herkömmliche Programmiersprachen

+ Tendenziell günstiger als Apps

+ Suchmaschinen-Indexierung

– Grösstenteils nur online verfügbar

– Suboptimale User Experience

– Beschränkter Zugriff auf Funktionen

– Kostenpflichtige Angebote über Login

– Mehr Nutzer-Input notwendig

Mobile Apps

+ Brand-Effekt auf Homescreen

+ Beste User Experience / Performance

+ Startup mit einem Tap

+ Offline nutzbar

+ Monetarisierungsmöglichkeiten

+ Nutzung aller Gerätefunktionen

+ Push Notifications

– Download und Installation notwendig

– Müssen beworben werden

– Releases und OS-Updates

– Approval-Prozess

– Umsatzbeteiligung AppStores

– Plattform- und Device-Fragmentierung

Nach dem Entscheid folgt die Bewerbung, denn eine App ohne Werbung wird niemand finden und runterladen. Neben bezahlter Werbung und Werbung über die eigenen Kanäle ist auch eine AppStore Optimierung (Titel, Keywords, etc.) von Bedeutung. 

Vorausblick

Spannende Innovationen die sich in der Zukunft jedoch noch durchzusetzen haben, sind Augmented Reality, NFC (Near Field Communication) und iBeacon. 

Fazit 

Plötzlich prangte in grossen Worten ein Zitat von einem Unbekannten auf der Wand:

«If you don’t have a mobile website, you don’t have a website.»