Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance zum Thema Future Trends and Shifts mit Dozent Martin Meyer berichten Daniel Kurmann und Daniel Wachter.

In der Finanzbranche ist Innovation gefordert!

«Der Bankenmarkt ist im Umbruch. Neue Technologien ermöglichen neue Geschäftsprozesse und -modelle, neue Mitbewerber dringen in den Markt ein und Kundenbedürfnisse ändern sich spürbar.»
(e-foresight, Think Tank von Swisscom)

Martin Meyer, Head Innovation & Client Centric Design bei UBS Wealth Management und sein Team beschäftigen sich tagtäglich mit Fragen wie sich die Schweizer Finanzbranche erneuern kann. In der Finanzbrache ist Innovation gefordert. Es reicht nicht, bestehende Geschäftsmodelle zu optimieren oder bestehende Produkte zu erweitern. Es werden neue Businessmodelle benötigt. Man könnte es vergleichen mit der Eröffnung des ersten Gotthard-Tunnels im Jahre 1882. Dabei handelt es sich um eine Disruption, welche nicht ohne Konflikte über die Bühne ging. Die bestehenden Player die Pferdekutschenfahrer versuchten mit Optimierungen in Form von leichteren Kutschen ihr Angebot attraktiver zu gestalten. Im Zentrum sollte aber der Bedarf des Kunden sein, möglichst viele Güter in möglichst kurzer Zeit günstig von der Schweiz nach Italien zu bringen. Dieses Kundenbedürfnis konnten jene Akteure erfolgreich befriedigen, welche die Güter mit moderner Transportmitteln durch den Tunnel verfrachtet haben. Die Pferdekutscher verloren ihre Kunden.

Das Konzept des Human Operating Systems

Die Technologie zu verstehen ist eine notwendige Grundlage für Innovationsforschung. Noch viel wichtiger ist es allerdings, den Menschen und sein «Betriebssystem» zu verstehen. Dabei stehen u.a. folgende Fragen im Zentrum:

• Welche Bedürfnisse sind vorhanden?
• Was bewegt die Gesellschaft?

Bei der Beantwortung solcher Fragen kommt kann das Konzept des «Human Operating System» Hilfe anbieten. Das menschliche Betriebssystem hat ein bedeutendes Problem, wenn es darum geht über die Zukunft zu sprechen und zu denken. Die meisten unserer Gedanken sind negativer Art und ein Mensch bleibt so lange wie möglich in seiner Komfortzone.

Das Human Operating System erfährt im Laufe der Zeit immer wieder Updates. Beispiele dafür sind:

• Umgang mit Smartphones und Kommunikation mit Emojis
• Nachhaltiges Leben, z.B. Kundenbereitschaft für das Bezahlen von Plastiksäcken im Supermarkt

Das Ziel der Innovationsforschung ist es, diese Updates möglichst früh zu erkennen. Das Human Operating System spielt auch beim Initiieren von Change eine tragende Rolle. Rund drei Viertel eines Changes spielt sich im kulturellen Bereich ab und lediglich ein Viertel im technischen Bereich. Die Menschen in Richtung etwas grundlegend Neues zu bringen, ist daher schwierig. Eine weitere wichtige Komponente, welche stark durch das menschliche Betriebssystem geprägt ist, stellt das Vertrauen dar. Wie schaffe ich in einer digitalisierten Welt Vertrauen? Studien haben gezeigt, dass der Mensch weder der künstlichen Intelligenz einer Maschine noch einem Kundenberater vollstes Vertrauen entgegenbringt. Am meisten Vertrauen schenkt er seiner Peer-Gruppe. Aus diesem Grund sind Peer-Ratings, z.B. auf Google oder Trip-Advisor, beim Beeinflussen des menschlichen Verhaltens sehr effektiv.

Die Mischung macht’s!

Das McKinsey Dilemma zeigt auf, dass sich Unternehmen ganz verschieden positionieren. Im Idealfall bewegen sie sich auf allen drei Horizonten. Damit ist ein kurz-, mittel- und langfristiger Blick gewährleistet. Oder anders ausgedrückt – die Mischung macht’s!

  • Träumer richten alle Energie auf den langfristigen Horizont. Oftmals fehlt der Blick für das „heute“.
  • Opportunisten verteidigen und erweitern den kurzfristigen Horizont. Ein Grossteil der Finanzindustrie ist hier anzusiedeln.
  • Enthusiasten laufen Gefahr sich zu verzetteln, da sie ihre Ressourcen zu wenig zielgerichtet einsetzen.
  • Follower legen ihren Fokus auf «Horizon 1 und 2», es fehlt jedoch eine Vision.
  • Visionäre verpassen es oftmals, eine Brücke zwischen «Horizon 1 und 3» zu schlagen. Elon Musk kann zu dieser Gruppen gezählt werden.
Weshalb Innovationen gefordert sind

Auf welchen Stufen Innovation geschieht

Closed versus Open Innovation

In der Finanzbrache ist Innovation gefordert. Es gibt zwei Denkmuster, wie Unternehmen mit dem Thema Innovation umgehen können.

  • Bei der Closed Innovation erfolgt die Entwicklung von Innovationen grösstenteils innerhalb der eigenen Unternehmung.
  • Bei der Open Innovation werden die Strukturen durchlässiger und Kooperationen mit Dritten gesucht.
Warum Innovationen gefordert sind

Open Innovation versus Closed Innovation

Seit vielen Jahren bestehende grosse Organisationen stossen bei der «Closed Innovation» an Grenzen. Deshalb können Strukturen derart festgefahren sein, dass disruptive Veränderungen kaum zu realisieren sind. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, Innovation über die Kooperation ausserhalb der eigenen Organisation zu Realisieren. Sei dies mit einem Startup oder über ein Spin-Off, sprich auf das Konzept der «Open Innovation» zu setzen.

Technologie ist nur Support

In der Finanzbrache ist Innovation gefordert. Technologie ist nicht der grundlegende Innovationstreiber. Innovation stellt sich zum überwiegenden Teil im kulturellen Bereich ein. Der Mensch steht letzten Endes im Zentrum der Akzeptanz und des Erfolges von innovativen Errungenschaften. Oder wie es Martin Meyer ausdrückt: «Wir glauben, dass jede Innovation mit einem Kundenbedürfnis beginnt das ist der Grund, warum wir viel Zeit damit verbringen, mit unseren Kunden zu sprechen».