Aus dem Unterricht des CAS Disruptive Technologies mit Martin Kägi berichtet Pascal Renggli:

Wir erlebten eine Premiere an der HWZ im CAS Disruptive Technologies im Kurs Innovation Management! Zum ersten Mal packten beide CAS Disruptive Technologies Klassen gemeinsam, in sechs 6er-Gruppen, einen realen Case Study des Textilmaschinen-Herstellers Rieter an.

Die Branchenlogik ist gegeben und bleibt ewig.

Mit dieser Annahme optimieren etablierte Unternehmen laufend ihre Wertschöpfungskette (WSK). Können Unternehmen so Innovation generieren? Was ist, wenn ein neues Geschäftsmodell die Branchenlogik komplett verändert? Spotify hat uns als Beispiel das Gegenteil bewiesen. Der Musik-Streamingdienst hat die Branchenlogik der Musikindustrie disruptiert. Mit diesem Augenöffner stiegen wir in den Case Study ein.

Die Fragen im Case

  • Welche Trends werden in Zukunft die WSK der Textilbranche prägen?
  • Was bedeutet das für die Firma Rieter?
  • Was kann und soll die Firma unternehmen, um diese Trends aktiv mitzugestalten?

Der Weg zur Innovation

Mit dem Modell des doppelten Diamanten (Problem- und Lösungsraum) führte Martin Kägi die Gruppen durch den Case Study. Dabei durchliefen die Gruppen drei Etappen auf dem Weg zur Innovation und beantworteten zugleich die obigen Fragen zum Case.

  1. Explore the Problem Space – Die Gruppen setzen sich mit der bisherigen WSK der Textilindustrie von Rohstoff-Gewinnung bis zum Konsum und Recycling auseinander. Dies bildet die Basis für das Sammeln von gegebenen Grundannahmen (What we take for granted) in der Branche.
  2. Ideation Solution Space – Die Gruppen verändern die bisherige WSK, entfernen Elemente, identifizieren relevante gesellschaftliche und technologische Trends, welche auf die WSK Einfluss haben könnten, und gestalten mehrere neue grobe WSK.
  3. Creation Solution Space – Die Gruppen entscheiden sich jeweils für eine Lösung zur Weiterentwicklung mit dem Ziel, Rieter eine Handelsempfehlung abzugeben.

Take for Granted

Nach der Visualisierung der WSK der Textilindustrie sammelten die Gruppen die sogenannten „Take For Granted“. Es sprudelte nur so von Grundannahmen. Hier einige „Take for Granted“ aufgelistet:

  • Menschen benötigen Kleider
  • Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind wichtig
  • Rohstoffe zur Textilherstellung gehen nicht aus
  • künstlich-erzeugte Rohstoffe nehmen zu
  • Energie wird weiterhin benötigt
  • Design und Marketing werden benötigt
  • manuelle Prozesse bleiben in Billiglohn-Länder

Quelle: Resultate aus dem Case Study vom 17.11.2018

Die Resultate zum Schluss

In einem 7-minütigen Pitch präsentierten die Gruppen ihre Resultate. Dabei verfolgten sie unterschiedliche Ansätze, wie folgende Empfehlungen verdeutlichen: Rieter als …

  • Plattform Provider (entlang der gesamten WSK)
  • 3D-Factory (zusammenführen von WSK Elementen)
  • Hersteller einer miniaturisierter Allround-Textilproduktionsmaschinen (zusammenführen von WSK Elemente)
  • Hersteller von effizienten Recycling-Verfahren und Maschinen (Eintritt und Spezifizierung in neue WSK Elemente)

Trotz unterschiedlicher Ansätze hatten alle sechs Pitch’s entweder im Kern oder am Rande einen gemeinsamen Nenner. Die Technologie «3D-Drucker» könnte einzelne Elemente der WSK in der Textilindustrie obsolet machen und dadurch die Branchenlogik wesentlich verändern.

Zum Schluss gilt ein herzliches Dankeschön an NoraMae Omotayo Herzog und Rieter für diese einmalige Gelegenheit.