Aus dem Unterricht des CAS Disruptive Technologies zum Thema Design Thinking mit Dr. Christophe Vetterli berichtet Philipp Wüst:

Einen Tag mit Spaghetti und Marshmallows zu beginnen, stimmt wohl manch einen Studenten nachdenklich! Bei Dr. Christophe Vetterli ist es Realität. Innerhalb kürzester Zeit waren Gruppen gebildet und die Teilnehmer hellwach. Es galt mit diesen beiden Lebensmittel einen möglichst hohen und stabilen Turm zu bauen. Das klingt theoretisch einfach. In der Praxis stellte sich aber schnell heraus, das für einen Findungsprozess in der Gruppe nicht viel Zeit bleibt, sondern schnell und überlegt umgesetzt werden muss. Unter diesem Zeitdruck fielen auch die Resultate unterschiedlich aus. Von Versuchen, mittels durchdachtem Fundament etwas zu erschaffen bis zu umgestürzten Türmen und beeindruckenden “Kunstwerken” konnten die Resultate nicht unterschiedlicher sein.

Willkommen bei Design Thinking!

Was ist Design Thinking?

Design Thinking ist eine Methodik, die es ermöglicht, neue Designs und innovative Lösungen zu entwickeln. Dazu werden Konzepte entwickelt, die auf Kundenanforderungen basieren. Dabei werden unterschiedliche Prozesse durchlaufen. Investition in Zeit in den ersten Phasen sowie in Ressourcen ist ausschlaggebend und hilft, über die gesamte Entwicklungsdauer die Kosten in einem vertretbaren Rahmen zu halten.

Es spielt keine Rolle, ob es sich um neue Produkte oder Dienstleistungen handelt. Es stehen die Kundenbedürfnisse im Vordergrund. Die Kunden und Marktpartner direkt nach ihren Anforderungen, Wünschen und Vorstellungen zu befragen, um ihre Wünsche und Anliegen richtig zu verstehen, hat sich als die erfolgsversprechendste Variante heraus kristallisiert.

Mit den richtigen und relevanten Fragen die Bedürfnisses zu ermitteln ist eminent.
Für die Umsetzung stellt man ein interdisziplinäres Team zusammen, um anders geartete Denkansätze ermöglichen zu können. Nach Möglichkeit sollten in einem solchen Team nicht nur Fachspezialisten, sondern auch Persönlichkeiten unterschiedlicher Herkunft mit mannigfachen Kompetenzen und Erfahrungen integriert sein.

Tim Brown, CEO von IDEO, lässt sich bezüglich Definition von Design Thinking wie folgt zitieren:

“Design thinking is an approach that uses the designer’s sensibility and methods for problem solving to meet people’s needs in a technologically feasible and commercially viable way. In other words, design thinking is human-centered innovation.”

Vorgehensweise:

Design Thinking ermöglicht ein iteratives Vorgehen mit viel Raum für Kreativität und freien Gedanken. Für einmal steht die Technologie nicht im Vordergrund. Sie kann sogar hinderlich sein. Technologie gewinnt am Schluss an Bedeutung, wenn es darum geht, die entwickelte Lösung (Produkt, Methodik oder Dienstleistung) produktiv umzusetzen.

Entwicklungen, bei denen eine gewisse Technologie als bestimmendes und vorgegebenes Mittel eingesetzt werden muss, sind in der Regel zum Scheitern verurteilt.

In 4 Schritten zur Lösung:

Am Nachmittag durften wir die Umsetzung in die Praxis erfahren. So war die Aufgabe, aufgrund von Studentenbefragungen herauszufinden, was an der Schule verbessert werden müsste, schnell kommuniziert, die Umsetzung innert kürzester Zeit erwies sich jedoch als wahre Herausforderung.

Understand:

So befragten wir im ersten Schritt Studenten, was sie sich an Verbesserungen im Zusammenhang mit der Schule wünschen würden. Jede Gruppe befragte unterschiedliche Gruppen und zog daraus auch unterschiedliche Schlüsse. Die Bedürfnisse zu verstehen erwies sich als Aufgabe. Hat doch der Mensch intuitiv immer das Verlangen, aufgrund eines Wunsches sofort ins Lösungsdenken zu verfallen. Dies ist in diesem Prozess nicht förderlich, geht es doch wirklich darum, Bedarf und Wunsch als Fakten zu definieren und zusammen zu fassen!

Observe:

Die erfragten Bedürfnisse genau zu gliedern und zu konsolidieren war die nächste Aufgabe. In der Gruppe die vielen erhaltenen Inputs zu strukturieren, nahm Zeit in Anspruch. Ergänzend dazu die Prioritäten zu definieren, erwies sich unter Zeitdruck als weitere Herausforderung.

Offene Ideen und Ansätze, spontan formuliert und festgehalten dienen als Basis um eine zusammenfassende Struktur zu erarbeiten. Jetzt durften Gedankengänge mit einer gewissen Lösungsorientierung auch festgehalten werden.

Synthesize:

Nun galt es, aus all den befragten Studenten ein Profil zu erstellen. Unter dem Aspekt Personas wurde in einer Abstraktion ein Profil erstellt. Diesem Profil wurde auch ein Namen gegeben. Dieses Profil repräsentiert dann ein Subset von konkreten Bedürfnissen.

Ideation:

Mittels Brainstorming wurden Ideen und mögliche Lösungen zusammen getragen. Brainstorming, eine allseits bekannte Methode zur Findung von kreativen Lösungsansätzen, empfiehlt sich. Allerdings sollte ein Brainstorming, welches positive Ansätze und Ideen hervor bringt, gewissen Regeln unterstellt sein. So sollten Hierarchien vermieden werden. Nicht die Qualität sondern die Quantität der Vorschläge sollte im Vordergrund stehen. Ideen sollten nicht bewerten werden. Das Aufbauen auf anderen Inputs sollte bewusst gefördert werden.
Der ganze Ideation Prozess sollte wertungsfrei von statten gehen.

Prototype:

Spannend ist und anspruchsvoll ist es, den ersten Prototypen zu bauen. Ja, selbst bei Dienstleistungen wird ein Prototyp gebaut. Ziel ist eine möglichst realitätsnahe Lösung zu erarbeiten. Diese Lösung sollte mit möglichst wenig Erklärungsbedarf zeigbar und wenn möglich auch vorführbar sein. Das Vorgehen muss trotzdem zielbewusst, einfach und effizient sein.

Testing:

Um den Testing Prozess praxisbezogen zu erfahren, suchten wir wieder Studenten und zeigten ihnen den erstellten Prototyp. Das ehrliche und offene Feedback von den Benutzern erfahren zu dürfen gehört, zum Wichtigsten. Hier ist es relevant, die richtigen Fragen zu stellen und wenn möglich auch in die Tiefe zu gehen. Mit diesen Resultaten kann genau analysiert werden, wie weit man die Bedürfnisse der Anwender (in unserem Fall Studenten) erfüllt, abdeckt oder gar die Erwartung übertrifft. Genau so ernüchternd ist es jedoch, wenn man feststellen muss, dass das Team mit dem erstellten Prototypen an den Erwartungen vorbei gearbeitet hat.

Design Thinking Cycle:

So entsteht ein rollender und sich immer wiederholender Prozess: Anpassen oder neu Bauen des Prototyps, Feedback analysieren und in die Lösung einfliessen lassen.

Steht die Lösung, wird der Prototyp abgenommen, so geht es in die Produktion der Lösung – das Problem wurde verstanden! Mittels dieser Vorgehensweise gelingt es, kosteneffizient neue Designs und neue Lösungen zu kreieren. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Innovationsfindungsmodellen kann so kostenbewusst und mit Speed eine neue Lösung geschaffen werden.

Verweise und weitere Informationen zu Digital Thinking: