Aus dem Unterricht des CAS Digital Technology mit Ivo Ronner berichtet Jasmin Schenk.

Ivo Ronner dozierte über «Innovation – the real story». Der Unterricht fand im F10 in Zürich statt. Das F10 ist ein FinTech Incubator und Accelerator. F10 unterstützt Start-Ups dabei, ihre Innovationen zu einem erfolgreichen Unternehmen aufzubauen und ermöglicht ihnen den Zugang zu internationalen Finanzinstitutionen.

Ivo erzählte über die Innovation Journey von SIX (Swiss Infrastructure and Exchange). Basierend auf seinen Erfahrungen erklärte er uns, wie man ein Design Thinking Modelle und Design Thinking Systeme kreiert. Der Unterricht demonstrierte einmal mehr, dass das verstaubte Bild der Finanzwelt nicht überall gilt. Dieser Blog bietet Einblicke in den spannenden Nachmittag.

The Innovation Journey

Die Banken-Kultur steht im wohl grössten Umbruch ihrer Zeit, getrieben durch die Digitalisierung. Der Kunde steht immer mehr im Vordergrund und nicht mehr die Produkte. Die Kundenanforderungen haben sich massiv verändert. Auch Kleinkunden wünschen spezifische und auf sie zugeschnittene Beratungen sowie Sicherheiten in all ihren Lebenssituationen. Darüber hinaus möchte der Kunde rund um die Uhr und von überall seine Daten abrufen können.

Nicht jede Bank ist bereit oder fähig, …

…den Kunden anstatt Produkte in den Vordergrund zu stellen. Das träge Fortschreiten der Digitalisierungsstrategie der Bankgiganten hat verschiedene Ursachen. Ivo nennte folgende Charakteristiken als Hauptprobleme:

  • Digitalisierung wird noch nicht in allen Bereichen und auf allen Stufen ernst genommen
  • Wegen ihren Legacy Systemen und Geschäftsmodellen ist es teils schwierig, neue Technologie rasch einzubauen und anzuwenden
  • Altmodischer Mind-Set und festgefahrene Kultur
  • Regulatorische Hürden
  • Um der Konkurrenz entgegenzutreten, wird meist eine Kannibalisierung der eigenen Produkte gefordert. Den Banken geht es noch zu gut, um sich zu ändern

Disruptive Start-Ups haben den Greenfield Approach Vorteil und können oft Dienstleistungen günstiger, einfacher und schneller anbieten. Ihr Betriebsmodell stellt den Kunden in den Vordergrund und bietet eine neue Art von Customer Experience. Es gibt einige Banken, die den Mehrwert einer Partnerschaft oder Austausch mit einem Start-Up erkannt haben.

In der Transformationsphase…

… spielt SIX eine essentielle Rolle, da SIX die Infrastruktur für die Schweizer Finanzfirmen liefert. Mit der Gründung von F10 baute SIX ein Innovationszentrum, um unabhängig Ideen zu realisieren. Dieses losgelöste Handeln im Innovationsbereich ist sehr wichtig, um SIX’s Interessen und Verpflichtungen gegenüber dem Finanzinstitutionen schneller voranzutreiben. Ebenso um Start-Ups zu unterstützen. Im Gegenzug profitiert SIX von den neuen Ideen und gewinnbringenden Zusammenarbeiten.

In der schnelllebigen Zeit kann ein Entscheid, welcher vor 5 Jahren gefällt wurde, sich schnell als falsch herausstellen. Doch wie findet man eine geeignete Idee, in welche man investieren soll? Mit dem Gedanken befassten sich Ivo bei der Gründung des F10.

Die Lehren sind wie folgt:

  • Es gab unzählige Ideen, welche sie vorantreiben wollten. Es ist wichtig, sich zu fokussieren und so nahmen sie drei Projekte in Angriff, die nicht zu nah am Business waren und lieferten fortlaufend MVPs.
  • Sie bauten eine Plattform, wo Mitarbeiter ihre Ideen platzierten und allenfalls aufgenommen werden. Anfangs kam sehr viel Input, über die Zeit flachte dies ab. Unter anderem, weil die Mitarbeiter nichts mehr über die Entwicklung hörten oder Ideen sofort zerstampft wurden.
  • Aus diesem Grund bauten sie einen Tech Radar, mit Informationen zu laufenden und abgeschlossenen Projekten. Die Nachfrage war nicht vorhanden und sie stellten den Tech Radar ein.
  • Es gab zwei SIXHackathon im 2016 bis 2017. Daraus ergaben sich 31 Projekte und vier Start-Ups wurden gegründet.

Wie wir sehen, unternimmt F10 viel, um Innovationen im Finanzbereich aktiv voranzutreiben.

Design Thinking Modell and System

Eine Innovation ist meist dafür da, dem Kunden einen Mehrwert zu schaffen oder ein Problem zu lösen. Der Prozessablauf ist auf dem Bild veranschaulicht und beginnt meist mit hear… create… deliver… validate… keinesfalls aber ein Wasserfall Projekt lancieren! Zudem ist es wichtig, Prototypen zu kreieren und fortlaufend zu testen und wieder zu verbessern.

Nebst gezeigtem Prozess verfolgt Ivo folgende Prinzipien:

  • Iterative Prozesse, fängt meist von hinten an
  • Fehler sind ok, solange man daraus lernt
  • Muss von Anfang an den Kunden in den Mittelpunkt stellen
  • Möglichst Greenfield Approach wählen
  • Holistischer Ansatz, alle möglichen Seiten und Aspekte betrachten
  • Keine Homogene Gruppen im Projekt Team (guter Mix von IT und Business und unterschiedliche Fähigkeiten der Mitarbeiter)
  • Zusammenwirken von Mitarbeitern und Cross-Collaboration von unterschiedlichen Projektgruppen / Start-Ups
  • Lösungsorientiertes Handeln
  • Kein Platz für Hierarchien
  • Immer optimistisch bleiben

Auch wir machten uns an die Arbeit und entwickelten ein Design Thinking System für ein Unternehmen. Anbei unsere Ideen, wie Innovationen bei Geberit intensiviert werden könnten:

Ivo verfügt über ein enormes Wissen und teilte seine Erfahrungen wie man Innovationen im Unternehmen steigert. Danke Ivo für diesen lernreichen Workshop!