Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Claudia Bienentreu berichtet Daniel Gebhardt.

In einem Referat an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich bringt uns Claudia Bienentreu (AXAnautin und Head Open Innovation bei der AXA) den Bereich InsurTech näher.

Nach einigen Unterrichtslektionen mit Fokus FinTech haben die Studierenden mit ‘Versicherungs-Background’ die Gunst der Stunde genutzt und sich aktiv am InsurTech Unterricht beteiligt. Dabei wurden Theorie und Praxis gut vermischt und auch der Humor kam bei den Präsentationen der Gruppenarbeiten nicht zu kurz. Hier ein paar Highlights aus dem spannenden Unterricht:

Innovation vs. Disruption, wo ist der Unterschied?
Innovation und Disruption schafft Neues wobei bei der Disruption eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt wird. Eine passende Definition von Disruption liefert auch Jim Pulcrano: “The customer believes that there is a different and better way to do things, which eventually forces incumbents to change or die.”

Disruptive Innovationen


Wie unterscheidet sich ein Disrupter von einem Incumbent (etablierter Player)?

Es gibt grosse Unterschiede zwischen der Startup-Mentalität der Disrupter und dem konservativen Agieren in vielen etablierten Unternehmungen. Startups sind viel kleiner und agiler, die Mitarbeiter meist jünger und der Entrepreneurial Spirit ist sehr ausgeprägt. Während die etablierten Firmen versuchen ihre Produktpalette zu perfektionieren, antizipieren die Disrupter Kundenbedürfnisse und starten rasch mit der Umsetzung von MVP’s (Minimum Viable Product). Wo etablierte Unternehmungen über genügend Kapital verfügen, ist die Kapitalbeschaffung bei Startups jedoch ein laufendes Thema.

Disrupter vs. Incumbent

Was sind die Erfolgsfaktoren von Disrupter?
Eine disruptive Idee alleine genügt nicht um erfolgreich zu sein. Die nachfolgenden Key Success Factors beschreiben wichtige Anforderungen um eine disruptive Idee erfolgreich umsetzen zu können. Der langfristige Erfolg basiert also auf weit mehr als “nur” einer bahnbrechenden Idee:

Erfolgsfaktoren von Disrupter

Wie können Incumbents auf Disrupters reagieren?
Neben der Umsetzung der eigenen Digitalen-Strategie müssen etablierte Player die InsurTech Szene aktiv beobachten und Strategien entwickeln, um Angriffe von Disrupter rechtzeitig zu erkennen und vorbereitete Massnahmen rasch umzusetzen. Die nachfolgende Matrix beschreibt fünf Strategien:

Strategien

  • Observe: ‘lightweights’, d.h. InsurTech Startups, welche auf etwas Bestehendem aufsetzen und dieses verbessern wollen jedoch nur wenig Kapital besitzen, werden von den etablierten Playern beobachtet. Sollten sich die Leichtgewichte rasch entwickeln und Zugriff auf zusätzliches Kapital bekommen, muss reagiert werden.
  • Compete: Im Gegensatz zu den ‘lightweights’ haben die ‘usual suspects’ das Kapital um ihre Ideen rasch und nachhaltig umzusetzen. Die etablierten Player werden hier den Konkurrenzkampf aufnehmen und versuchen, den Markteintritt aggressiv zu bekämpfen und die eigene Marktgrösse auszuspielen.
  • Invest: InsurTech Startups klassifiziert als ‘threats’ entwickeln bereits disruptive Produkte und Services sind aber knapp an Kapital. Hier werden die etablierten, kapitalkräftigen Player versuchen zu investieren (drive innovation outside of the own balance sheet via venture capital funds, incubator/accelerator programs or direct investments).
  • Develop: ‘disrupters’ dh. InsurTechs mit einer disruptiven Innovation und guter Kapital-Ausstattung können nicht mehr mit einer Investment-Strategie abgefangen werden. Die etablierten Player können sich nicht mehr auf ihrer Marktposition und Kundenbasis ausruhen. In der Hoffnung, dass es noch nicht zu spät ist, werden folgende Massnahmen getroffen: Konzentrieren auf eigene Key Kompetenzen, antizipieren von zukünftigen Kundenbedürfnissen, Technologie-Push, Innovationen, starke Partnerschaften um Versäumtes aufzuholen.
  • Cooperate: Eine weitere Möglichkeit für etablierte Player sich einen Vorteil zu verschaffen besteht in der Kooperation mit sogenannten ‘enablers’. Hierbei ergibt sich z.B. die Möglichkeit, bei der Digitalisierung an vorderster Front mitzumachen, ohne mit dem eigenen Namen exponiert zu sein (reduced risk exposure).
  • Ignore: Sich auf die eigenen Kompetenzen zu berufen und einfach weiterzumachen ist keine Option.

 

Beispiele aus der InsurTech Szene:
Wir haben uns auf Youtube die Innovationen einiger Vertreter aus der InsurTech Szene angeschaut und anschliessend über das Business Modell, den disruptiven Ansatz und das Wachstumspotential gesprochen. Hier ein paar interessante Beispiele zum selber anschauen und bewerten:

– trov – on demand insurance for your things
Lemonade – forget everything you know about insurance
Sherpa – imagine a world where insurance wasn’t run by insurance companies

Die nachfolgende Matrix zeigt, wo wir die jeweiligen Anbieter zur Zeit positionieren können:

InsurTech Matrix

Fazit: Die Versicherungswelt ist im Wandel. Zahlreiche InsurTecs dringen in den Markt. Niemand weiss, wo die Reise hingeht. Viele Optionen sind möglich. Der Kunde rückt mehr ins Zentrum des Geschehens, das steht fest. Kundenfreundliche Prozesse, massgeschneiderte Deckungen, transparente Produkte, günstigere Preise, neue Vertriebskanäle, etc. etc. werden erwartet. Wir werden sehen, wie rasch diese Anforderungen umgesetzt werden können und wie sich der Versicherungsmarkt weiter entwickelt. Mit den aktuellen Veränderungen und vielen weiteren möglichen Innovationen ist die Versicherungsbranche alles andere als langweilig!

Quelle für alle Ausführungen, Bilder und Grafiken: University of St.Gallen: The Current InsurTech Landscape: Business Models and Disruptive Potential, 2017