Aus dem Unterricht des CAS Digital Ethics mit Dozentin Eva Häuselmann berichtet Martin Henz:

Aufgrund der Corona-Krise fand der Unterricht auch an diesem Samstagmorgen im virtuellen Klassenzimmer mittels Videokonferenz statt. Über den Bildschirm begrüsste uns Eva Häuselmann aus dem Home-Office zu einer spannenden Vorlesung über integre Unternehmenskultur und Leadership.

Mit ein paar kurzen Umfragen in der Klasse stiegen wir in das Thema ein. So zeigte sich unter anderem, dass zwei Drittel von uns sich gelegentlich oder sogar schon intensiv mit Fragen aus der Wirtschafts- bzw. Unternehmensethik auseinandergesetzt haben. Wir alle waren uns daher schnell einig, dass Anstand im unternehmerischen Handeln und eine von Integrität geprägte Unternehmenskultur zentrale Faktoren für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens sind.

Wir waren bereit, in unseren ethischen Kompass zu investieren und wollten uns mit der Frage auseinandersetzen, welchen moralischen Prinzipien und Werten wirtschaftliches Handeln genügen muss. Denn nicht alles was rechtlich korrekt ist, ist auch richtig. Oder anders ausgedrückt: nicht alles was machbar ist, sollte man auch wirklich tun.

Ökonomische und moralische Interessen

Ein Unternehmen ist dem Wettbewerb ausgesetzt und muss gewinnorientiert agieren, um am Markt bestehen zu können. Erfolg zu haben ist nichts Verwerfliches, ganz im Gegenteil. Zudem muss sich ein Unternehmen unbestritten im rechtlichen Rahmen bewegen und sich an Gesetze halten. Aber auch ethische Prinzipien dürfen keinesfalls vernachlässigt werden. Unethisches Handeln führt schnell zu einem Reputationsverlust. Die bewusste Auseinandersetzung sowohl mit Integritätsrisiken als auch mit ethischen Risiken lohnt sich zweifelsfrei.

Viele Firmen leisten bereits heute einen freiwilligen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung, die über die gesetzlichen Forderungen hinausgeht. Sie versuchen ökonomische und moralische Interessen zu verbinden und somit Verantwortung für mehr als nur den wirtschaftlichen Erfolg zu übernehmen. Es reicht dabei aber nicht aus, eine entsprechende Unternehmenskultur vorzugeben. Viel entscheidender ist, dass die Unternehmen verantwortungsvolle Führungskräfte und Mitarbeitende beschäftigen, welche die Unternehmenskultur vorleben. Doch was sind integre Führungskräfte?

Integre Führungskräfte

Gemäss Definition bedeutet Integrität die Übereinstimmung zwischen den eigenen Wertvorstellungen und der tatsächlichen Lebenspraxis. Jede Führungskraft ist zugleich auch Privatperson. Für sie gilt es, die Balance zwischen den verschiedenen Rollen zu finden und im Einklang mit den persönlichen Wertvorstellungen handeln zu können. Im Idealfall decken sich die Werte des Unternehmens mit denen der Mitarbeitenden.

Doch wie findet man integre Führungskräfte? Und kann man Integrität messen? Eva Häuselmann unterstützt mit ihrer Firma Unternehmen bei der Personalauswahl. In entsprechenden Assessments setzt sie eigens entwickelte diagnostische Verfahren ein. Dabei wird geprüft, ob Kandidatinnen und Kandidaten die persönlichen Voraussetzungen und Kompetenzen für integres und prinzipientreues Verhalten mitbringen.

Es gibt verschiedene Kriterien für integres Handeln im eigenen Verantwortungsbereich. Grundvoraussetzung ist ein sogenannter Werte-Kompass. Ein guter Werte-Kompass bedeutet, dass die Führungskraft über die notwendige Sensibilität gegenüber Werteverstössen verfügt. Zweitens muss sie Situationen in Übereinstimmung mit den Unternehmenswerten beurteilen können, Entscheidungen treffen und damit bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Und drittens braucht es Durchsetzungsvermögen und Mut, um für die Werte einzustehen.

Integre Führungskräfte zeichnen sich durch eine gute Balance zwischen strategisch-ökonomischen, moralisch-ethischen und rechtlichen Prinzipien aus. D.h. sie sind moralischen Werten verpflichtet und trotzdem in der Lage, realistische und pragmatische Lösungen umzusetzen.

Leider können Störfaktoren den moralischen Kompass beeinflussen. Solche Störfaktoren entstehen durch konkrete Situationen am Arbeitsplatz, durch die Unternehmenskultur oder werden durch das gesellschaftliche Umfeld hervorgerufen. Gruppendruck oder sehr autoritäre Leader können die Störfaktoren zusätzlich verstärken.

Fazit

Jeder Mitarbeitende, unabhängig ob mit oder ohne Führungsverantwortung, nimmt bewusst oder unbewusst Einfluss auf die Unternehmenskultur. Jeder kann kritisches Mitdenken fördern. Wir alle können uns für Werte engagieren und einsetzen. Wer kritische Fragen stellt ist kein Spielverderber.

Darum ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Führungskräfte auch nach diesen Gesichtspunkten auswählen und entwickeln. Sie können dadurch aktiv eine integre Unternehmenskultur fördern.

Es war definitiv ein spannender, lehrreicher und lohnenswerter Vormittag, durch den uns Eva Häuselmann sehr kompetent begleitet hat. Sie regte uns Studierenden immer wieder dazu an, die persönliche Einstellung und das eigene Führungsverhalten zu reflektieren. Herzlichen Dank.

Weitere Beiträge zum Thema Kultur

Interkulturelle Kompetenzen für die digitale Transformation

 

Dieser Blogbeitrag wurde von einem Studierenden verfasst und beinhaltet subjektive Eindrücke, eigene Darstellungen und Ergänzungen.