Aus dem Unterricht des CAS Mobile Business zum Thema Startups mit den Gründerfirmen mit den spannend klingenden Namen Blinq, Poinz und UBER berichtet Marc Saudan:

Mit spannenden Vorträgen haben wir 3 verschiedene Gründerfirmen kennengelernt, welche allesamt aus dem Bereich Mobile First stammen. Auf folgende Punkte kommt es zusammengefasst an, um als junge Firma erfolgreich zu sein:

  • eine zündende Idee mit einem eindeutig erkennbaren Mehrnutzen und durchdachter Usability
  • eigene oder fremde Geldmittel sowie einen langen Atem bis zum Break Even
  • eine durchdachte Marketing-Strategie, wie das Angebot bekannt gemacht werden kann
  • die Awarness, auch bei einer geschäftlichen Expansion die Einfachheit der Ursprungsidee nicht aus den Augen zu verlieren

BLINQ

Blinq ist ein Schweizer Startup, welches eine Flirt-App entwickelt hat. Mit dem Prinzip “Hi oder Bye” kann anhand der Fotos von Flirtwilligen und den jeweiligen Interessen (Suche Mann, Frau oder beides) eine engere Auswahl an möglichen Kontaktpartnern getroffen werden:

blinq

Nur wenn ein Match mit einem zweifachen “Hi” stattfindet, wird die Chat-Funktion freigeschaltet. Bei einem “Bye” geht der Kontakt hingegen unwiderruflich verloren. Auf ein “Maybe” wurde bewusst verzichtet, um einfach zu bleiben. Dieser “Hoi-Tschüss”-Selektionsmechanismus ist gleichzeitig Qualitätsgarant. Gerade die Gruppe der attraktiv aussehenden Frauen wird in ähnlichen Apps, bei welchen eine solche Funktion fehlt, zum Teil sehr anzüglich über Chats belästigt.

Dies konnte Mitgründer Alex Zimmermann selber erfahren, als er mit einem gefakten Frauenprofil, Konkurrenzprodukte ausprobierte. Dieses Testen anderer Apps und der eigenen mit verschiedenen Profilen ist ein wichtiger Bestandteil des Entwicklungsprozesses und hilft bei der Markpositionierung.

Dabei ist eine genügend grosse Anzahl aktiver Frauen (bei Blinq immerhin 45%) im Flirt-Netzwert unerlässlich, um langfristig bestehen zu können.

Neben der aufwändigen Entwicklung und dem Meistern verschiedener technischer Probleme (Datenfluss generell und das Matching in Echzeit) ist das Marketing der App entscheidend. Dabei half für die Verbreitung, dass das App einen Award gewonnen hatte und im Zusammenhang mit der Sendung “Der Bachelor” breitenwirksam kommuniziert werden konnte. Weiter werden sogenannte Community Manager eingesetzt, um mehr Mitglieder zu erreichen. Wenig gebracht haben hingegen gedruckte Anzeigen z.B. in 20min. Dies wohl aufgrund des Medienbruchs. Dafür war die Performance von Facebook Ads sehr gut, gerade bei Männergruppe.

In der Zusammenarbeit mit Medien ist weiter Geduld gefragt. Journalisten melden sich teilweise erst Wochen oder Monate nach Versand einer Pressemitteilung. Nachdem in der Anfangsphase die Entwicklung der App aus der eigenen Tasche bezahlt wurde, ist man nun in Diskussion mit Investoren und evaluiert verschiedene Finanzierungsmodelle.

Poinz

Beim zweiten Beispiel aus der Schweiz, dem Startup Poinz, kommt man finanziell mittlerweile im Bereich der schwarzen Zahlen. Das B2B und B2E App Poinz ist die digitale Stempelkarte für das Smartphone mit vielen Vorteilen sowohl für Kunden als auch für die am Anbieternetzwerk angeschlossenen Firmen. Von denen gibt es mittlerweile über 500 Unternehmen, vom kleinen Coiffeur Geschäft bis hin zu Unilever, welche die App als moderne Glacekarte einsetzen möchte.

Das Prinzip ist bestechend einfach. Mittels eines QR-Code im jeweiligen Point of Sales können einfach Punkte gesammelt und als digitaler Gutschein wieder eingelöst werden. Das Unternehmen kann den Auftritt der Poinz-App im Selfservice farblich anpassen und das eigene Logo integrieren:

Poinz

Mittels eines einfach zu bedienenden CRM-Systems, können die Unternehmen dann auf dem eigenen Desktop-Computer verschiedene Auswertungen machen und Aktionen lancieren. Dies erlaubt es, Kunden zu aktivieren und deren Emails zu sammeln. Mittels von geschickten Incentivierungen (z.B. “Am Montagnachmittag doppelte Punktzahl” etc.) kann somit das CRM-System einen Beitrag zur besseren Auslastung des Unternehmens beitragen. Der Kunde hingegen hat neben den Gutscheinen alle relevanten Informationen in einer App zur Hand und kann z.B. gleich über das App Reservationen  tätigen.

Das Unternehmen finanziert sich über die Abo-Gebühren, welche je nach gewünschter Funktionalität zwischen CHF 1’000.- bis 1’500.- pro Standort betragen. Dabei empfiehlt Mitgründer Sascha Benz wenn immer möglich beim Preis nicht zu tiefstapeln, da dies eine negative Signalwirkung haben kann.

Das Unternehmen zählt aktuell 12 feste Mitarbeitern und hat bei dieser Grösse noch einen geringe Fixkostenblock. Die Personalkosten machen etwa 97% der Gesamtkosten aus. Das Design der nativen App wird selber gemacht, die eigentliche Entwicklung hingegen von Externen umgesetzt. Dabei haben sich lokale Programmierer vornehmlich aus dem Raum Zürich bewährt.

UBER

Mitarbeitermässig in einer anderen Liga spielt der Startup UBER aus San Fransisco mit mittlerweile über 600 Festangestellten (wovon 250 Ingenieure und Entwickler) und einer rasch steigenden Präsenz in 32 Ländern und über 75 Städten. Aufgrund eines frustrierenden Taxi-Erlebnisses an der “Le Web 2009”-Konferenz in Paris, entwickelten die Gründer Travis Kalanick und Garrett Camp eine App, bei welcher in 2 Klicks die nächstgelegene freie schwarze Limousine herbestellt werden kann und man zu relativ günstigen Preisen zum Zielort transportiert wird:

UBER

Die Abrechnung erfolgt einfach und transparent mittels hinterlegter Kreditkarte, das Fahrerlebnis kann bewertet werden. Mit diesem Ansatz kann den Kunden einerseits eine hervorragende Preis-Leistung geboten werden – eine Limousine für den ungefähren Preis eines normalen Taxis – und andererseits den lokalen Limousinen-Betreiber oder Einzelunternehmer eine bessere Auslastung gewährleistet werden. Bei letzteren sind sonst Kurzfahrten verpönt.

Trotz der raschen Expansion und der mittlerweile schon fast unübersichtlichen Fahrzeugkategorien (uberTAXI, uberX, UberBLACK, UberSUV, UberLUX) bleibt man dem Ausgangsprinzip treu, dass keine wichtige Funktion weiter als 2 Klicks entfernt sein sollte.

Interessant war weiter an den Ausführungen von Sarah und Frederic vom Launcher-Team Zürich die verschiedenen Herausforderungen als international expandierendes Unternehmen wie z.B. unterschiedliche gesetzlichen Grundlagen, diverses Social Media-Kanäle, Zahlungs- und Sprachgewohnheiten, die es zu berücksichtigen gilt. Aktuell schreibt das Unternehmen noch keine schwarzen Zahlen, da die Einnahmen in die Expansion investiert werden

Amüsant war schliesslich die Tatsache, dass UBER als eines der ersten mobilefirst-Unternehmen am Anfang eine relativ schlecht gemachte Internetseite für Desktopcomputer hatte. Der Auftritt wurde nun verbessert und kann hier begutachtet werden. Für den Nummer 1 Verkaufskanal der Smartphones gibt es native Apps für iPhones, Android und Blackberry 7. Für andere Geräte und Plattformen gibt es die Mobile Webseite m.uber.com.