Aus dem CAS Disruptive Technologies berichten Helene Müller und Joël Luc Cachelin:

Abgrenzung von KI

Das Definieren von künstlIMG_9850icher Intelligenz fällt nicht ganz leicht. Vier Abgrenzungen scheinen für die Diskussion jedoch wesentlich. Im Unterschied zum Mensch kann die künstliche Intelligenz mehr Informationen verarbeiten und diese auch rascher aufbereiten. Informationen aufnehmen und verarbeiten kann auch ein Algorithmus. Anders als die künstliche Intelligenz kann er aber nicht mittels Feedbackschleifen dazulernen. Im Unterschied zum Roboter ist die künstliche Intelligenz nicht an einen Körper gebunden. Schliesslich stellt sich noch die Frage, wie sich die künstliche Intelligenz von Gott unterscheidet. Hier scheint vor allem die Beweisbarkeit entscheidend. Unklar bleibt, wer alles ein Bewusstsein hat.

Macht der künstlichen Intelligenz

Je intelligenter die künstliche Intelligenz wird und in je mehr Anwendungssituationen sie genutzt wird, desto mehr stellt sich die Frage der Macht. Letztlich ist künstliche Intelligenz nichts anderes als eine Formel. Entscheidend ist einerseits, wer die Formel programmiert und andererseits, was der Zielwert der Formel ist. So kann künstliche Intelligenz im Kontext der Medizin genutzt werden, um möglichst viele Menschen zu heilen oder aber um die Profite eines Anbieters zu erhöhen. Entscheidend für die Definition der unterschiedlichen künstlichen Intelligenzen (oder der einen Superintelligenz) ist letztlich das Wirtschafts- oder Gesellschaftsmodell. Es können demokratische und autoritäre sowie transparente und intransparente Definitionsvorgänge unterschieden werden. Bei einer demokratischen Programmierung durch die Crowd wären die Ziele und Mechanismen der KI stets sichtbar und die Mitarbeit für alle Interessierten im Sinne von Open Source stets möglich.

Disruption der Gesellschaft durch KI

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle in der Wirtschaft. Zu Ende gedacht, stellt sie auch das menschliche Wesen in Frage. Wir beobachten das Entstehen von Intelligenz, die die unsere bei weitem übersteigt beziehungsweise die gesamte auf Erden verfügbare Intelligenz vereint. Als Bewohner der Erde gleichen wir mehr und mehr einer Symbiose aus Mensch und Maschine. Dadurch steht auch die Gesellschaft vor Disruptionen:

  • Arbeitsmarkt: Künstliche Intelligenz wird in Zukunft auch Jobs mit hohem Anspruchsniveau verändern. Mensch und Maschine werden in Banken, Spitälern und Kanzleien eng zusammenarbeiten, wobei die Arbeit höhere Anforderungen an die Menschen stellen wird.
  • Expertise: Künstliche Intelligenz relativiert aufgrund ihrer überragender Intelligenz die Stellung bestehender Experten wie Lehrer, Ärzte oder Wissenschaftler. Das wirft die Frage auf, wer in Zukunft über richtig und falsch, über gut und böse entscheiden wird.
  • Religion: Durch die kollektive Intelligenz werden neue Denkweisen des Metaphysischen sichtbar. Die Integration des Weltwissens, die Fähigkeit, Dinge vorauszusehen oder unsere Transparenz gegenüber einem höheren Wesen erinnern an unsere Vorstellungen des Göttlichen.
  • Freundschaft: Wie im Film “Her” thematisiert, wird künstliche Intelligenz unsere Gedanken und Bedürfnisse besser verstehen können, als dies jemals ein Mensch können wird. Maschinen könnten deshalb in Zukunft auch unsere Freunde und Sexualpartner sein.