Aus dem Unterricht des CAS Mobile Business & Ecosystems mit Dozent Prof. Dr. Fabian Schär, Geschäftsleiter des Center for Innovative Finance der Universität Basel, berichtet Peter Merz.

Vorneweg: Es ist keine Hexerei, was im Krypto-Universum abläuft. Im Hands-On Workshop unseres Blockchain-Tages zeigte Fabian Schär wie man einen Token erstellt, eine Wallet eröffnet und wie man mit Krypto-Währungen einkauft. Ich war immer wieder verblüfft, wie einfach das Ganze eigentlich ist. Jetzt aber der Reihe nach.

Wie erstelle ich einen Token für ein ICO?

Als Erstes erstellten wir auf TokenFactory einen eigenen Token (den Scrüm-Token) basierend auf der Ethereum Blockchain:

Wir waren überrascht wie einfach das geht. Wir wären nun ready für unser erstes ICO (Initial Coin Offering).

Was aber sind Token? Über Token können der Blockchain externe Werte angeknüpft werden. In der Vergangenheit wurden bei einem ICO (nicht-regulierte) Zahlungsversprechen mittels einem Token herausgegeben. Zum Beispiel könnte in unserem Beispiel versprochen werden, dass beim Erwerb eines Srüm-Token, der Käufer 10% Rabatt auf das zukünftige Produkts erhält.

2017 explodierte der weltweite Verkauf von Token.

Die meisten ICOs der damaligen Zeit waren “heisse Luft”. Aus diesem Grund ist die FINMA Anfang 2018 eingeschritten und hat eine Wegleitung zum Thema ICOs herausgegeben. Die damaligen Token dieser ICOs sind heute in der Regel fast Nichts mehr wert. Die meisten Firmen existieren nicht mehr und vielen Investoren haben eine Menge Geld verloren.

Zur Generierung von Token hat sich Ethereum als Standard-Blockchain durchgesetzt.

Die wichtigsten Standards sind der ERC20 für fungible Token (z.B. für Token auf eine Währung wie den Schweizer Franken) und der ERC721 für non-fungible Token (hauptsächlich für Sammlerobjekte wie z.B. Kunstwerke).

Eine lustige Anwendung einer ERC721-Umsetzung sind die CryptoKitties.

Nur der Tokenbesitzer kann als Einziger behaupten, dass eine bestimmte Katze ihm gehört. Mehr Informationen zu den Cryptokitties findest du hier.

Die süssen Cryptokitties haben aber einen ernsten Hintergrund. Physische und digitale Objekte können mittels dem technologischen Fortschritt immer besser gefälscht werden. Mittels Token und der Blockchain-Technologie können im digitalen Bereich nun eindeutige Eigentumsverhältnisse geschaffen und festgestellt werden.

Wie erstelle ich eine Wallet und überweise Kryptos?

Als zweite Übung wurden wir aufgefordert, eine eigene Wallet zu erstellen und Kryptowährungen hin und her zu schieben. Als erster Schritt wurde das Chrome-Add-On MetaMask installiert und ein Account erstellt.

Der Dozent übermittelte uns allen ein paar Ether-Einheiten, so dass wir damit spielen konnten. Einige Kursteilnehmer konnten sich der Magie der Cryptokitties nicht entziehen und kauften dort kräftig ein.

Meine Public-Adresse lautet übrigens: 0x6D0EDF77d791008ec5C9f222261C1A279281B41a J

Was ist ein Smart Contract?

Smart Contracts sind weder «smart» noch ein Vertrag. Im Prinzip basieren sie auf einem Programmcode, welche an die Blockchain angehängt werden. Werden bestimmte, im Vertrag definierte Bedingungen erfüllt, dann löst dies eine Aktion aus. Ein möglicher Use Case wurde uns anhand der Wettplattform Augur gezeigt. Dort kann man auf Ereignisse wetten und mit Kryptos bezahlen.

Anhand einer Wette auf Augur wurde auch auf die Gefahren von Smart Contracts hingewiesen. Man muss verstehen welche Regeln hinterlegt sind und was passiert. Es gibt keinen Weg zurück. Noch gefährlicher wird es, wenn ein Smart Contract auf einem anderen Smart Contract aufbaut und Ersterer fehlerhaft programmiert wurde.

Probleme der Blockchain-Technologie und der Kryptos

Nebst den vielen möglichen neuen Anwendungsgebieten kämpfen die Blockchain und die Kryptos mit einigen Problemen. Im Unterricht wurden sechs Problemfelder definiert:

  • Dezentralisierung: Gerade im Mining-Bereich beherrschen ein paar grosse Miner den Miningmarkt.
  • Usability: Das ganze Thema ist sehr mathematisch und technisch und für den End-Benutzer (noch) relativ kompliziert.
  • Soziale Ungerechtigkeit: Bitcoin ist z.B. nicht wirklich gerecht verteilt. 115 Adressen besitzen knapp 20% der Bitcoin-Volumen.
  • Skalierung: Die Skalierung ist eine grosse Herausforderung.
  • Effizienz: Bitcoin kann ein paar Transaktionen pro Sekunde abwickeln. VISA im Vergleich dazu ein paar 10’000 pro Sekunde.
  • Bad Guy Image: Gerade im Rahmen der ICOs wurde viel Vertrauen in die Blockchain zerstört, obwohl man dies nicht der Technologie ankreiden kann.

Zum Abschluss besuchte uns Dario Duran von der Seba-Bank. Zusammen mit der Sygnum Bank erhielt die SEBA-Bank Ende August als erste Krypto-Bank eine Banklizenz der FINMA. Er zeigte uns die Herausforderungen seiner Bank betreffend der Implementierung ihrer Mobile App.

Ein sehr kurzweiliger und spannender Nachmittag ging zu Ende. Der Hands-On-Workshop hat mir gezeigt, dass Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie gekommen sind um zu bleiben. Und er hat Lust gemacht auf Mehr.

Hier als Zusammenfassung die spannendsten Links die wir kennen gelernt haben zum selber ausprobieren:

Weitere Infos zum Thema:

Bitcoin : Blockchain : Kryptoassets