Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Désirée Müller berichtet Reto Bürer und Raphael Bieri.

Nun ist es soweit, die (angehenden) #digitalrockstars haben am ersten Präsenzunterricht nach dem Corona Lockdown an der HWZ Zürich zum Thema Digital Asset Management und Kryptowährungen teilgenommen.

Digital Asset Management!? Was ist darunter zu verstehen? Was verbirgt sich hinter dem «double-spending problem»? Macht es Sinn einem Portfolio Kryptowährungen beizumischen? Kann man Bitcoins fundamental überhaupt bewerten? Und was ist bei Investments in Kryptowährungen zu beachten? Eines nach dem anderen – wir klären auf!

  1. Blockchain ist toll, aber braucht es Kryptowährungen? 

Blockchain als Lösung für das Double Spending. Die Problematik der sogenannten Doppelausgaben wurde im Jahre 2008 mit der Bockchain Technologie gelöst. Diese Double Spending Problematik wird anbei anhand eines Praxisbeispiels weiter verdeutlicht. Durch das Hochladen eines Fotos auf Instagram, generiert das System automatisch und ohne weitere Kosten eine Kopie und veröffentlicht diese. Ich bin weiterhin die Eigentümerin des Originalbildes. Die Kopie befindet sich auf Instagram. Dieses Beispiel zeigt, dass es generell kein Problem ist eine Kopie des Fotos zu erstellen und diese mehrmals weiterzuverwenden. Nimmt man anstelle des Fotos jedoch eine Kryptowährung, kann dieser Prozess nicht so einfach durchgeführt werden. Denn wäre ein Double Spending möglich, könnte ich eine Kopie meiner Kryptowährung für den Einkauf verwenden ohne wirklich Ausgaben zu haben. Für die Kontrolle der traditionellen Geldmittel wurden deshalb zentrale Institutionen wie zum Beispiel eine Bank gegründet und so das Double Spending vermieden. Um das Problem von Double Spending ohne zentrale Kontrollstelle zu lösen ist im Jahre 2008 die Blockchain Technologie eingeführt worden.

Private Blockchain vs. Public Blockchain

Private und Public Blockchains sind beides verteilte Peer-to-Peer-Lösungen. Jeder Beteilige führt eine Kopie des kollektiven Registers.

Folgende Fragen helfen für die Analyse, ob eine Private oder eine Public Blockchain vorliegt:

  1. Wer darf am Netzwerk teilnehmen?
  2. Welcher Nutzer darf Blockchain-Einträge gemäss dem Konsensus-Mechnismus validieren?
  3. Wer darf das dezentrale Register führen?

Ebenfalls wurden im Unterricht folgende Hauptmerkmale der beiden Blockchain Technologien genannt:

Private Blockchains (e.g. Hyperledger)

  • Enterprise Permissioned
  • Faster Transactions
  • Better Scalability
  • Compliance Support
  • Consensus More Efficient (less nodes)

Public Blockchains (e.g. BTC)

  • Open Read and Write
  • Ledger Is Distributed
  • Immutable
  • Secure Due to Mining (51% rule)
  1. Diversifikation von Portfolios mit Kryptowährungen? 

Wie wir alle wissen ist das Risikomanagement und Diversifizierung des Anlageportfolios für eine längerfristig positive Wertentwicklung von grundlegender Bedeutung. Kryptowährungen können aufgrund der tiefen Marktkorrelation sowie den hohen Marktchancen also zusätzliche Portfolio-Diversifikation dienen. So hat ein traditionelles Portfolio welchem 2% Bitcoins hinzugefügt wurden, einen fast doppelt so hohen Gewinn generiert, als ein Portfolio bei welchem auf die Bitcoins verzichtet wurde.

Quelle: PAPERSTREET intelligence

Im Portfoliokontext können Kryptowährungen im Bereich der Alternativen Anlagen angesiedelt werden. Man könnte diese auch im Private Equity Bereich unter «Early-Stage Venture» mit weltweiter Handelbarkeit und Echtzeithandel einordnen. Auch bei der Definition des Investmenthorizonts und der Gewichtung sollten diese gleich klassifiziert werden. Nämlich als Anlagen mit langem Anlagehorizont und einem erhöhten Risiko, aber auch potenziell sehr hohen Ertragschance.

  1. Bewertung von Bitcoins? Kann man diese überhaupt sinnvoll bewerten?

Es gibt verschiedene Arten den Wert von Bitcoin zu eruieren. Eines davon wird bei natürlichen Ressourcen angewendet (allen voran bei Gold) und nennt sich Stock-to-Flow-Modell (S2F). Im Wesentlichen zeigt dieses Modell auf, wie viel neue Angebote einer natürlichen Ressource jedes Jahr im Verhältnis zum Gesamtangebot auf den Markt kommt. Oder auch anders formuliert, wie viele Jahre es dauert, um das Gesamtangebot zu produzieren. Je höher dieses Verhältnis zwischen «Stock» (aktueller Bestand) und dem «Flow» (neues Angebot) ist, desto weniger neue Angebote kommen im Verhältnis zum Gesamtangebot auf den Markt.

Natürliche Ressourcen bzw. Gold wie auch Bitcoin haben eines gemeinsam – sie sind nur begrenzt vorhanden. Bei Bitcoin sorgt ein ausgeklügelter Algorithmus dafür, dass nur insgesamt 21 Millionen Coins geschürft werden können (digitale Begrenzung). Zudem führt ein Mechanismus dazu, dass ca. alle 4 Jahre ein Halving durchgeführt wird. Das heisst das Entgelt für die «Miner» (die die Ihre Rechenleistungen zur Verfügung stellen, um neue Bitcoins zu schürfen) von neuen Bitcoins sinkt. Dies führt dazu, dass der monetäre Anreiz abnimmt neue Bitcoins zu schürfen.

Das beschriebene S2F-Modell kann auch auf Bitcoin angewendet werden. Einer der bekanntesten Pseudonymen in der Crypto Community heisst «Plan B». Er hat dieses Modell erstmals im Jahr 2019 auf die Bewertung von Bitcoins angewendet.

Folgende Abbildung zeigt dieses Modell auf:

Quelle:www.medium.com

Die Firma von Crypto Consulting AG unter der Leitung von unserer Dozentin Désirée Müller hat basierend auf dem S2F Modell ein eigenes Modell namens SwissRex Modell entwickelt.

Dort kommt man zum Schluss, dass der faire Wert von Bitcoin per Ende 2020 bei USD 25’000/ Bitcoin zu liegen kommt. Aktuell liegt der Kurs für ein Bitcoin bei ca. USD 9‘500. Wir sind gespannt!

  1. Investition in Kryptowährungen

Bitcoin ist der Primus unter den Kryptowährungen mit der grössten Marktkapitalisierung von ungefähren USD 154’913’576’225. Die andern Kryptowährungen neben Bitcoin nennt man Altcoins. Aktuell gibt es ca. 5000 verschiedene davon. CoinMarketCap gibt eine gute Übersicht über die verschiedenen Arten von Kryptowährungen.

Der Handel von Kryptowährungen findet an verschiedenen Börsenplätzen weltweit statt. Nachfolgend eine Übersicht der grössten Börsen mit dem entsprechenden Dienstleistungs-umfang:

Quelle: blog.aluna.social

Mittlerweile sind Kryptobörsen nicht mehr klein und unbedeutend! So hat die Deutsche Bank zum Beispiel im 1. Quartal 2018 einen Gewinn von USD 146 Millionen ausgewiesen. Binance, einer der grössten Kryptobörsen (siehe oben), hat im gleichen Zeitraum USD 200 Millionen verdient!!

Grundsätzlich ist aber bei der Investition in Kryptowährungen die nötige Vorsicht geboten. Wenig regulierten Kryptobörsen sind oft Ziele von Angreiffern bzw. Hackern. Der grösste «Hack» ist bis dato bei einer japanischen Kryptobörse namens Coincheck im Jahr 2018 passiert. Bei diesem Angriff haben Hacker USD 534 Mio. ergaunert!

Bei der Wahl der Kryptobörse ist daher unter anderem auf folgendes zu achten:

  • Wer ist im Management?
  • Sind behördliche Genehmigungen vorhanden (Lizenzen etc.)?
  • Wurde die Börsen schon einmal Ziel von Hackerangriffen?
  • Wie wird mit Verlusten umgegangen?
  • Bestehen Versicherungen?

Kryptowährungen finden bei Investoren zunehmend Anklang. Daher machen sich auch traditionelle Bankenhäuser Gedanken welches Dienstleistungsangebot sie ihren heutigen und vielleicht zukünftigen Kunden offerieren möchten. Als Beispiel ist hier die Privatbank Merki Baumann & CO. AG zu erwähnen. Sie bietet unter anderem Beratungen im Bereich Initial Coin Offering bzw. Security Token Offering an.

Kryptowährungen sind eine junge Anlageklasse, die sicherlich noch einige Bewährungsproben vor sich haben. Jedoch wird sie höchstwahrscheinlich nicht mehr wegzudenken sein. Daher möchten wir diesen Blog mit einem Zitat von John Maynard Keynes abschliessen und uns bei Désirée Müller herzlich für den interessanten Einblick in die Kryptowelt bedanken!

«The greatest difficulty in the world is not for people to accept new ideas, but to make them forget old ones» (John Maynard Keynes).