Aus dem Unterricht des CAS Digital Masterclass mit Barbara Zenklusen zum Thema Culture Eats Strategy for Breakfast berichtet Urs Leisibach.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und gestärkt durch Barbara’s Gipfeli und Celebrations (Danke nochmals!) startet die CAS Digital Masterclass im Co-Workingspace Westhive Zürich voller Erwartungen in den Samstagvormittag.

Einführung in die Unternehmenskultur

Barbara verblüfft die Klasse mit ihrer Aussage: „Jedes Unternehmen ist schizophren“. Eine Unternehmung funktioniert autopoietisch, d.h. sie ist ausgerichtet auf ihre Lebensfähigkeit und den Selbsterhalt. Sie ist nach innen gerichtet, die Gewohnheit ist ihre Identität. In der digitalen Transformation wird von einer Unternehmung Veränderungsfähigkeit und Neufindung verlangt. Sie muss sich nach aussen richten. Aber alles Neue wird als Störung wahrgenommen, die Unternehmung und ihre Mitarbeiter sind plötzlich in zwei unterschiedlichen Welten unterwegs. Sie sind multiple Persönlichkeiten: Unternehmen sind schizophren.

Bildquelle: Präsentation Barbara Zenklusen – Zenklusen Transform & Change GmbH

Typologien der Veränderung

In einer ersten Gruppenarbeit charakterisieren die Lernenden ihre Arbeitgeber nach der Typologie der Veränderung und teilen diese im Quadranten (Grafik unten) ein. Die anschliessende Diskussion zeigt, wo und wie unterschiedlich sich doch die einzelnen Firmen bewegen.

Bildquelle: Präsentation Barbara Zenklusen – Zenklusen Transform & Change GmbH

Was ist Kultur?

Barbara beschreibt Kultur als mehrschichtige Wechselwirkung zwischen Mensch, Struktur/Prozesse und Strategie. Kultur…

  • … wird sozial konstruiert (Organisationen sind konstruierte Wirklichkeiten)
  • … ist ein System von Grundhaltungen, Überzeugungen und Werten
  • … ist erlernt (leitet sich dem sozialen Umfeld und den Beziehungen ab)

Bildquelle: Präsentation Barbara Zenklusen – Zenklusen Transform & Change GmbH

„Organisationen sind Minigesellschaften die ihre eigene, deutlich erkennbare Kultur und Subkultur haben“ Dr. Walter Häfele

There’s something in the air! Warum schreien alle nach neuen Modellen?

Es liegt etwas in der Luft, was Führung und Zusammenarbeit betrifft. Weltweit fragen sich viele Unternehmen:

  • Wie kann ich mein Unternehmen sinnvoll strukturieren und führen, damit ein optimales Miteinander möglich ist?
  • Was kommt nach den traditionellen Managementmodellen? Was bedeutet Führung in Zukunft wirklich?

Die Menschheit hat sich immer in Sprüngen weiterentwickelt. Jede Stufe enthielt einen Durchbruch (Technologie, Machtstrukturen, religiöse Sichtweisen etc.) mit jeweils einem wirkungsvollerem Organisationsmodell. Basierend auf dem Modell von Frederic Laloux startet die Klasse in die nächste Gruppenarbeit. Hierbei wurden wieder unsere Unternehmungen mit jeweils drei Kulturattributen charakterisiert und anschliessend auf das Modell projiziert. Die Diskussion im Plenum zeigt, wie stark das Kulturthema alle Unternehmungen beschäftigt.

Während des ganzen Morgens erhalten wir immer wieder Einblicke in die Tätigkeiten und den grossen Erfahrungsschatz von Barbara Zenklusen. Ihre Praxisbeispiele untermauern ihre Erfahrungen in „real life“, sei es z. Bsp. bei der Transformation in einem grossen Call-Center oder bei einem Exkurs zu neuen Organisationsformen wie z. Bsp. Holokratie

Kultur als Hebel für die Veränderung – Umsetzung von der Theorie in die Praxis

Kultur kann man nicht managen! Kulturentwicklung ist ein diskursiver Prozess, eine Einladung zum Dialog mit Menschen. Was beschäftigt die Menschen im Kopf, was berührt sie im Herzen? Warum kann eine Kultur nicht von heute auf morgen verändert werden? Dazu ein interessantes Video von Prof. Peter Krause.

Die Kulturentwicklung ist eine tiefreichende Transformation. Sie erfolgt entweder durch:

  • Lineare Change Management Prozesse (z. Bsp. Modell nach Kurt Lewin) oder
  • Un:Balanced Transformation, d. h. als iterativer Prozess (z. Bsp. Systemische Schleife).

Bei der Umsetzung geht es um das Verstehen und Erkunden von Ist und Soll. Wo soll die Reise hingehen und mit welchen Herausforderungen ist die Organisation in der Gegenwart, mit welchen in der Zukunft beschäftigt? Und was könnte die Organisation auf ihrer Reise antreffen? Oder in anderen Worten: die Veränderungsfähigkeit der Organisation wird etabliert:

Bildquelle: Präsentation Barbara Zenklusen – Zenklusen Transform & Change GmbH

Zum Verstehen einer Kultur werden auch die vorhanden Glaubenssätze hinterfragt. Diese Kulturarbeit…

  • … ist eng an die strategischen und strukturellen Herausforderungen zu koppeln,
  • … nie ohne Veränderung auf der Ebene Struktur und Prozesse anzugehen
  • … erfordert die Bereitschaft, sich von innen heraus neu zu erfinden, alte Vorgehensweisen und Führungsansätze zu hinterfragen und neue zu entwickeln, in Unklarheiten ein Chance zu sehen, auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen und Instabilität in Kauf zu nehmen

Um die Heterogenität in einem Unternehmen zu verstehen, erläutert uns Barbara als Beispiel das Instrument «Das Unternehmen im Kopf». Hier bewerten Mitarbeitenden ihre Unternehmung zu unterschiedlichsten Fragen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, denn Menschen erfahren die Organisation unterschiedlich. Die Kunst besteht darin, den Willen aufzubringen, Differenzen auszuleuchten und eine gemeinsame Realität zu kreieren.

Eine Kulturentwicklung ist ein Dialogvorhaben. Kultur wird als Coach betrachtet, indem Einsichten durch gemeinschaftlichen Diskurs und Nachfragen entstehen können und die Fähigkeit entwickelt wird, achtsam mit offenen Prozessen umzugehen.

„Es gibt nicht das richtige Konzept! Die Lösung muss selber schrittweise erarbeitet werden. Evolution statt Revolution. Anstelle des grossen Wurfs kommen Prototypen und Veränderung von innen heraus.“ Barbara Zenklusen

Drei Schwerpunkte stehen bei der Umsetzung im Fokus:

  • Involvieren: Ermöglichen, Verantwortung zu schärfen und stärken 
  • Netzwerk: Die gemeinsame Intelligenz stärken und zielgerichtet nutzen
  • Reflektieren: Im Dialog Muster im Denken und Handeln hinterfragen – Unternehmen im Kopf verifizieren – Menschen befähigen, neue Wege der Interaktion und des Co-Workings nutzen zu können.

Es geht um den Dialog mit den Menschen über Themen, welche den Menschen wichtig sind. Es kann nie genug Dialog sein!

Herzlichen Dank nochmals an Barbara für diesen inspirierenden Vormittag.