Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership zum Thema Leadership in a transforming world mit David Fiorucci berichtet Walter Degonda:

Sehr gespannt und bereits schon etwas ungeduldig warten wir im Schulzimmer auf die kommenden lehrreichen Stunden. Wir freuen uns, als der Unterricht pünktlich losgeht.

lp3_01Zu unserer Überraschung wird der Unterrichtsstoff nicht über einen Beamer vermittelt. Die wichtigsten Informationen werden über die einfache und herkömmliche Art, nämlich über Flipcharts erzählt. Der Titel des Blogs deutet es bereits schon an, dass die Wirkung damit anders und die Wahrnehmung entsprechend intensiver ist. Da ein Flipchart erfrischender wirkt, können damit auch mehr Emotionen geweckt werden.

Hauptthemen

Der Unterricht setzte sich aus den nachfolgenden drei Hauptthemen zusammen:

  • Wirkung
  • Vision
  • Roter Faden des LP3-Modells

Wie wir bereits schon aus anderen Vorträgen erfahren durften, dreht sich alles um Erzählungen bzw. Geschichten. Cooler tönt es aber, wenn das englische Wort «storytelling» dafür verwendet wird. Wenn es sich um wahre Erzählungen handelt, kommt das Wort «true story» zum Einsatz. Das gibt der Geschichte noch einen viel bombastischeren «Touch». Das positive an Erzählungen ist aber, dass diese mit privatem verbunden werden können. Das vereinfacht auch das Verständnis dafür.

Bei der aktuellen Transformation zum Leadership treffen wir immer wieder auf folgende Herausforderungen und Probleme:

  • Die jeweilige Geschwindigkeit (Geduld bzw. Ungeduld von der Geschäftsleitung)
  • Schwierigkeit auf bestehende Führungsmodelle aufzubauen. Es gibt viele innovative Ideen die nicht aufeinander abgestimmt sind
  • Fehlerkultur oder Angstkultur die im Unternehmen herrschen
  • Obwohl Macht als neutral eingestuft wird, ist das Empfinden dafür unterschiedlich
  • Wenn ich die Legitimität meiner Mitarbeiter habe, folgen sie mir
  • Die haltungslose Zusammenarbeit der Mitarbeiter
  • Steigt der externe Druck auf die Teams, ist das Verhalten der Mitarbeiter egoistischer
  • Silodenken ist immer wieder ein Thema und wird immer wieder angetroffen
  • Die Zielhierarchien sind unterschiedlich. Die Mitarbeiter sind näher beim Kunden und so können sie auch die besseren Visionen entwickeln.
  • Abgrenzung zwischen Transformation und Change Management (Change Management kann man nur begleiten). Transformation hat mit mir zu tun und es beginnt bei mir
  • Wenn mir die Begeisterung fehlt, kann ich auch andere nicht begeistern

Wie der Titel meines Blogs schon andeutet, hängt Erfolg bzw. Misserfolg über die Intensität der Wirkung ab.

Die gewünschte Wirkung erzielen

Um beim gewünschten Empfänger die richtige Wirkung erzielen zu können, müssen die nachfolgenden drei Bereiche berücksichtigt werden:

Verständnis / Adhäsion

  • Das Grundverständnis muss vermittelt werden. Mit Einstimmigkeit sind die Mitarbeiter auch bereit ja zu sagen.

Kohärenz und Kongruenz

  • Von der Vision der Firma bis hin zu den Zielen der Mitarbeiter. Jeder muss verstehen, welchen Beitrag er für die Firma leistet bzw. leisten muss. Um dies erreichen zu können, müssen die Mitarbeiter begleitet werden. Ebenso sollen auch die Prozesse bzw. Tools entsprechend angepasst werden um dies zu gewährleisten.

Einfachheit / Emotion

  • Jeder Mitarbeiter hat von Grund auf ein Niveau. Als Vorgesetzter muss ich darauf Acht geben, dass die Mitarbeiter ihr Niveau halten. Ich als Vorgesetzter muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen. Ebenso sollen auch die Prozesse (Produkte), Tools und Dienstleistungen so einfach wie möglich gehalten werden.

Ein guter Vorgesetzter wird durch folgende positive Eigenschaften wahrgenommen:

  • Die Fähigkeit haben um zuzuhören (Ein guter Zuhörer)
  • Inspirierend wirken (neue Ideen fördern und zulassen)
  • Die Vorbildfunktion wahrnehmen
  • Gerecht und fair
  • Die Mitarbeiter kennen und sie auch kennenlernen wollen
  • Persönliche Fachkompetenz (ergänzend oder zulassen)
  • Bescheidenheit
  • Empathisch und Charisma
  • Eigene Meinung haben und vertreten
  • Rückendeckung für die Mitarbeiter
  • Verfügbar und präsent sein

Vision

Die Vision eines Unternehmens und der Weg dorthin, lässt sich unterschiedlich darstellen. Um die beste Wirkung erzielen zu können, muss der entsprechende Rahmen definiert werden.

David Fiorucci hat uns dies auf sehr einfache Art und Weise verständlich erklärt und bildlich visualisiert. Sein Ergebnis sieht wie folgt aus und kann mit diesen Schritten erklärt werden:

lp3_03

  1. Auf der horizontalen Achse wird die «Zeit» und auf der vertikalen Achse die «Performance» abgebildet.
  2. Mit der Frage: «Was wollen wir in Zukunft erreichen?» wird die Vision abgebildet. Die Vision kann auch mit dem Begriff «Ambition» oder «Kundenversprechen» verknüpft werden.
  3. Der Start beginnt mit der «Mission» bzw. mit dem «Grundauftrag».
  4. Als Leitplanken dienen die Begriffe: Werte, Code of Conduct, Charta, Weisungen und Kompetenzmodelle.
  5. Von der Mission zur Vision gibt es einen Weg und dieser beinhaltet die Strategie und die Stossrichtung.
  6. Mit dem MbO werden die Ziele der Mitarbeiter vereinbart, um die Strategie und Stossrichtung schrittweise erreichen zu können.

Das LP3-Modell

Auf der Suche nach einem geeigneten Modell wurde David Faroucci nicht fündig. Aus diesem Grund hat er also sein eigenes Modell, das «LP3-Modell» entwickelt. Mit dem LP3-Modell gelingt es ihm eine gemeinsame Sprache (von oben bis unten) an alle Beteiligten zu übermitteln. Mit seinem Modell ist er in der Lage den Mitarbeitern die Frage aller Fragen beantworten zu können: «Was ist ein gute(r) Chef(in)?»

Das LP3-Modell bildet einen Kreis, welcher aus 9 Kategorien besteht:

lp3

Die einzelnen Kategorien sind alle wichtig und voneinander abhängig. Es gibt keinen Startpunkt, aber auch kein Ende und im Mittelpunkt befindet sich die Selbstreflektion.

lp3_1Vision

Die Mitarbeiter erwarten Sicherheit. Wie sieht die Zukunft bzw. die nächsten Schritte aus?

lp3_2Werte

Die Mitarbeiter wollen die Werte der Chefs kennen. Z. B. Was versteht der Chef über Pünktlichkeit. Jede Person muss zuerst seine eigenen Werte kennen und dann die Werte der Firma.

lp3_3Vorbild

Der Chef muss es vorleben.  Die goldene Regel besagt: wenn ich ein Versprechen gebe, muss ich es einhalten. Das wirkt sich auch auf die Zuverlässigkeit aus.

lp3_4Präsenz

1) In Krisensituationen muss ich physisch präsent sein.
2) Mentale Präsenz: In die Augen blicken und mental dabei sein. Das zeigt Wertschätzung.
3) Schutzengel oder Rückendeckung. (Fehlerkultur oder Hebel für die Innovation). Mitarbeiter müssen es mal erlebt haben, um es zu glauben. Mit dem bewusst umgehen.

lp3_5Entwicklung und Führung

Die Verantwortung gilt für die Vorgesetzten aber auch für die Mitarbeiter. Der Vorgesetzte muss seine Mitarbeiter kennen, damit er sie richtig einsetzen kann. Dazu muss er mit unterschiedlichen Charakteren umgehen können. Wenn die Vision fehlt, können die Mitarbeiter auch nicht gefördert werden.

lp3_6Kommunikation

Klare, offene und transparente Kommunikation. Fokus auf Feedback der Mitarbeiter legen. Wichtig: positiv und negativ Feedback geben. Eine Situation schildern damit es verstanden wird. Für Feedback nie das Wort «aber» verwenden, dafür das Wort «und» benutzen. Immer wieder Feedback geben, damit die Person wachsen kann.

lp3_7Gerechtigkeit

Das hängt mit der Wahrnehmung zusammen. Barmherzigkeit wird als das Gerechteste empfunden.

lp3_8Fachkompetenz

Für das Management muss ich die nötigen Werkzeuge haben. Spezielle Fachkompetenzen darf ich auch delegieren.

lp3_9Organisation

Delegieren können und Aufträge verteilen.

lp3_10Selbstreflektion

In den Spiegel schauen und die nachfolgenden drei Fragen beantworten:
1 Kenne ich meine Grenzen, mental physisch und psychologisch?
2 Höre ich auf mich und auf meinen Körper?
3 Mag ich mich wie ich bin (bin ich mir wichtig)?
Wenn ich diese Fragen mit «JA» beantworten kann, besteht kein «Burnout Risiko».

lp3_11LP3-Leader

Beherrscht ein Vorgesetzter alle neun Kategorien, schafft er einen Rahmen, wo sich seine Mitarbeiter wohl fühlen.

Der Unterricht war spannend, interessant und auch sehr lehrreich. So verlief die Zeit wie im Fluge.

Zum Schluss müssen wir aber immer auch folgendes im Auge behalten:
«Alles, was eine Wirkung hat, hat auch eine Nebenwirkung…!»