Aus dem spannenden Nachmittags-Unterricht des CAS Digital Leadership mit David Fiorucci berichtet Andy Frey.

Während draussen die ersten Herbstblätter fallen, die Zeitungen von gescheiterten Firmenübernahmen, staatsmännischem Gepolter und dem grünen Rutsch in der Schweiz berichten, konzentrieren sich 23 Digital(e) Leader im Rahmen des CAS Digital Leadership auf die Erarbeitung des Themas rund um Macht, Werte und Gerechtigkeit – Digital und Analog. Und es ist gar nicht so einfach, auf die Frage «warum geht mich das was an» gleich eine Antwort zu finden.

Nach dem Mittagessen aktiviert uns unser Dozent David Fiorucci mit einer Übung zur (Wieder-)Aktivierung der beiden Hinhälften. Das 1-2-3 fördert die Konzentration, aktiviert Gefühle und Fantasie und das Lachen der Teilnehmer setzt Energie frei (wir wussten bis dahin nicht, dass Teams, welche Spass an der Arbeit und den Kollegen empfinden, bis zu 9x weniger krank werden, siehe auch Publikation “Selbstreflexion als Zentrum von Leadership – ein Heben für Gesundheit am Arbeitsplatz”, LP3 Leadership, 13-1-2017)

Macht – wer sie uns gibt und wie wir sie nachhaltig nutzen können

Macht – als Wort in der ersten Lesung zwar negativ asoziiert/konotiert – ist eigentlich neutral zu verstehen. Per se ist Macht keine schlechte Sache, sie regelt oft auch die Verhältnisse zwischen Menschen. Und hier kommt eine wichtige Voraussetzung ins Spiel: es braucht nämlich immer zwei Personen dazu. Eine Person alleine kann man keine Macht haben; dazu benötigte ich eine weitere Person, dies das zulässt. Entsprechend muss mich andere Person als Leader akzeptieren; somit ist Leadership eine legitime Macht. Was passiert aber nun, wenn ein Leader seine Legitimität verliert (Legitimätsverlust)? Wie stellt man dieses Verhältnis wieder her? Oft passiert es dann, dass «weil ich der Chef bin» ein Mittel dazu ist, sie wieder herzustellen. Aber ist das dann nicht eher ein «Machtmissbrauch»? (siehe auch Publikation “Leadership, legitime Macht”, LP3 Leadership, 8-8-2018)

Werte – welche Werte haben wir denn?

David Fiorucci ermutigt uns alle, Mut zu Leadership zu entwickeln. Natürlich sollen wir dabei lösungsorientiertes, nachhaltiges Handeln als Digital(e) Leader in den Vordergrund stellen. In der nachfolgenden Übung notieren wir alle unsere «Werte» welche wir an einen Leader stellen.

Jeder unserer Werte hat auch immer einen Ergänzer resp. einen Gegenspieler – welchen wir «Wertbelance» nennen. Kennen wir diese Nebenschauspieler, können wir unsere eigenen Werte auch besser einschätzen. Jeder unserer Begriffe hat einen balancierenden Wert – so sind zum Beispiel sparsame Menschen solche welche bei Finanzen zwar sparen, aber möglicherweise sehr freizügig sind wenn man einen Teil ihrer Zeit beansprucht.

Vertrauen und Kontrolle (Verstärkt: blindes Vertrauen und totale Überwachung) – kenne ich meine Grenzen?

Die Übung mit der Wertebalance kann man gut mit den eigenen Mitarbeitern machen – natürlich ist nicht das Resultat, sondern der nachfolgende Dialog darüber ist der Schlüssel zum Erfolg – damit beginnt man sein Team und seine Leute zu verstehen und besser kennenzulernen. Und die eigenen und die Werte der Menschen um sich herum kenne, sind Voraussetzung für ein nachhaltig funktionierendes Team.

Gerechtigkeit – vom subjektiven Empfinden zur transparenten Chefsache

Was ist «Gerechtigkeit»? Mit einer kurzen (wenn auch krassen) Beispielübung bringt uns David Fiorucci die Materie näher: nehmen wir an wir Steuern eine Weiche – vor uns kommt ein Zug mit über 140 km/h auf uns zu. Der Zug kann auf keinen Fall mehr bremsen. Wir können nur noch die Weiche stellen. Links stehen 5 junge Menschen – auf der rechten Seite eine älter Dame – unser Entscheid über das Stellen der Weiche entscheidet über das Schicksal der Gruppe oder der Frau. Was ist nun gerecht? (ich habe bis heute keine «korrekte» Antwort…).

Wie verändert sich die Situation, wenn die Dame unser eigenes Kind wäre?

Ich denke, viele Menschen wählen ihr Kind als Überlebende/r dieses Dramas. Das zeigt uns auch, dass Proximität (Nähe) einer Person zu uns massgebend zu einem Entscheid beiträgt. Personen die wir mögen, stehen wir positiver gegenüber als solchen, die uns im Bus den Platz vor der Nase weggeschnappt haben. Oder etwa nicht?

Vertrauen und Kontrolle – Vertrauen oder Kontrolle?

In einem letzten Exkurs sprechen wir noch über das Thema «Vertraue/Kontrolle».

  • Druck – lässt uns Auswege finden – leider nicht immer die ganz Korrekten.
  • Rechtfertigung – das steht uns zu – ist das wirklich so?
  • Gelegenheit – es lag da, vor mir, ich hab’s einfach genommen – und nicht (mehr) nachgedacht.

Uns muss also bewusstwerden, dass es Kontrollen braucht. Das gibt auch Vertrauen und entsprechend Sicherheit für unsere Mitarbeiter. Kontrolle und Vertrauen sollen sich aber in der Balance halten – auch hier spielt wieder Subjektivität eine grosse Rolle.

Ich als Leader – was soll ich jetzt damit machen?

Unser Dozent David Fiorucci hat uns an diesem Nachmittag gezeigt, dass ein Leader – sei er Digital oder Analog- über seine Werte, das Ausleben von Macht und die gerechte Behandlung seiner Mitarbeiter nachdenken soll. Zusammen mit der gesunden Selbstreflektion sind dies die Hebel, welche neben Leistungswillen auch Gesundheit, Wohlbefinden und damit verbunden wohl auch eine Treue eines Mitarbeiters zum Team und zur Unternehmung massgeblich beeinflussen. Eine offene, angstfreie Fehlerkultur ist dabei genau so wichtig wie das Einfordern von Leistung.

Arbeiten soll Spass machen dürfen – führen auch!

Unser Fokus soll auf Wirkung dessen was man tut, geändert hat und neu macht liegen. Bei Leadership geht es schlussendlich immer um Menschen – somit kann es keine Exakte Lösung einer Problemstellung geben, sondern nur nachhaltige Methoden, welche die Individualität jedes Teammitglieds mit einbezieht.