Aus dem Unterricht des CAS Mobile Business mit Tobias Wirth berichtet Tamara Rennhard:

Mit schwindelerregenden Zahlen — einem Umsatz von 17.8 Milliarden USD am Singles’ Day, dem wichtigsten Tag des Chinesischen Onlinehandels — lässt Alibaba die Welt des Onlinehandels aufhorchen. Spannend dabei; 85% des Umsatzes wurden über mobile Geräte generiert. Mobile Commerce, brandaktuell und dies nicht nur im smartphone-affinen China.

alibaba

Tobias Wirth gibt uns in acht Stunden weiter, was wir zum Thema wissen müssen. Angefangen mit der Definition, über Treiber, Chancen, Strategien, Technologien und Trends. Ein kurzer Einblick in einen informationsreichen und spannenden Tag:

M-Commerce – Was ist das?

Worüber sprechen wir, wenn es um M-Commerce geht? Wichtig: M-Commerce ist mehr als eCommerce light! Die Bedeutung von Mobile Commerce geht weit über das “blosse Kaufen” von Produkten und Dienstleistungen mit dem Smartphone hinaus.

Zum Smartphone greifen wir, um uns zu informieren, inspirieren zu lassen, Preise zu vergleichen, herauszufinden, wo in unserer Nähe wir Produkt XY kaufen können und unsere Errungenschaften über Social Media mit unserem Umfeld zu teilen. Darüberhinaus unterstützt uns unser “Immer Dabei Device” beim Shopping im Store und ermöglicht ein schnelles, unkompliziertes Zahlen. Kurz, das Smartphone ist extrem vielseitig und kann, dank Features wie GPS, Kamera, Sensoren, Apps, Nahfunktechnologie, ecetera in sämtlichen Verkaufsschritten eingesetzt werden.

Driving Forces

Die Umsätze im Bereich M-Commerce wachsen. Im hiesigen LeShop.ch verzeichnete man im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr eine Verdoppelung der Bestellungen via Smartphone und Tablet. Wirth identifiziert sechs Driving Forces für Mobile Commerce, welche die Umsätze auch in Zukunft nach oben treiben werden.

Der wichtigste Faktor: Einfachheit und Convenience. Amazon 1-Click Checkout zeigt wies geht. Super einfach und schnell bestellen und bezahlen mit einem Klick. Trifft uns ein Kaufimpuls — oder wie Google es nennt ein “want-to-go moment” oder “want-to-buy moment” — ist stets das Smartphone zur Hand. Ist der Service schnell, unkompliziert und jederzeit auf meinem Device verfügbar, kann der Retailer punkten. i-want-to-buy-moments

Ein weiteres Erfolgsrezept ist die Omnichannel personalized experience. Wir sind “channelhoppers” und wünschen uns eine gleichbleibende Experience über alle Kanäle und Touchpoints hinweg, physisch wie digital. Weitere Driving Forces sind Plattformen wie iTunes, ebay und UBER oder WeChat, Cross Border Shopping und die Verschmelzung des physischen mit dem online Geschäft (zB Apple Pay, Open Tap oder PayPal) Zusätzlich bewegt sich auch im Bereich Regulation and Standardization einiges. PSD2 (Payment Service Directive der European Commission) beispielsweise zwingt die Banken zur Öffnung des Payments, der Authentifizierung uvm. und fördert so den Wettbewerb im Bereich Zahllösungen.

M-Commerce Strategien

Wie bereits eingangs erwähnt, M-Commerce bietet ein riesiges Spektrum an Möglichkeiten. Die strategischen Anwendungen von lassen sich in drei Bereiche unterteilen:

  • Zum Einen kann ich meinen bestehenden Online Verkaufskanal auf Mobile erweitern. Erfolgreich umgesetzt hat dies die SBB. Die SBB App überzeugt mit guter Usability und einfachem Bezahlprozess (One-Click, Touch-ID). Zudem ist der Mobilitätskontext prädestiniert für eine Anwendung auf dem Mobile Device und schafft für den User klar einen Mehrwert.
  • Die zweite Möglichkeit ist Mobile as In-Store extension. Paradebeispiel hierzu die Migros App. Sie unterstützt uns beim Einkaufen und ermöglicht, das alles schnell und schmerzlos geht — Scannen, Cumuluspunkte und Coupons einlösen, Checkout — alles mit einer App, ergänzt mit zusätzlichen Produktinformationen, Einkaufslisten, ecetera.
  • Und zuletzt noch die Möglichkeit das Mobile als Verbindungsmedium zwischen Offline Welt und Online Kanal zu verwenden (Mobile as physical POS extension).

Ein schönes Beispiel das zeigt, was alles möglich ist, ist die Starbucks Mobile Order und Pay App. Wie ich meinen Caramel Drizzle bequem über die App bestelle, zum nächsten Geschäft navigiert werde, mit einem Klick bezahle, meine Gutscheine einlöse und nicht Schlange stehe erfahrt ihr hier.

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Trends…

… damit wir wissen wo’s in Zukunft hingeht:

  • iBeacon – Revolution für den stationären Handel?
  • Chat Bots – Conversational Commerce (zB Bestellungen per Sprachkommando)
  • Messenger Based Commerce (zB WeChat)

Die letzten 1.5 Stunden der Samstags Session waren nochmals ein harter Brocken:

Mobile Payment

Lösungen für das Bezahlen ohne selbst vor Ort zu sein – Remote Mobile Payment oder in App Payment gibt es folgende:  Digital Wallets wie MasterPass oder Apple Pay. Die Karten werden einmal im digitalen Portmonnaie registriert und fortan stressfrei mit Fingerprint Checkout in diversen E-commerce Shops genutzt. Der Klassiker ist im Remote Payment ist die Registrierung der Karte beim Merchant: Konto eröffnen, Kreditkarte hinterlegen, fertig. Weiter kann ich ein virtuelles Konto laden (zB mit Paypal, Klarna) oder Direktzahlungen an den Händler vornehmen — zB P2P Zahlungen mit Twint.

Für das Zahlen vor Ort besprechen wir folgende In-Store Mobile Payment Lösungen: Wallets wie zB Apple Pay, Samsung Pay, Alipay und Paypal, Card registration @merchant: Starbucks App downloaden, registrieren, Kreditkarten hinterlegen, via QR Code bezahlen. Direktzahlungen an den Händler sind beispielsweise mit Twint, Paypal oder auch Alipay möglich (Bank Transfer, direct debit). Twint und Paypal ermöglichen zudem ein virtuelles Konto aus diesem mehrere Zahlungen getätigt werden können.

Obwohl, man glaubt es kaum, in der Schweiz der Anteil an Bargeld in Zahlungsprozessen immer noch bei 60 Prozent liegt, tut sich mächtig etwas im Bereich Mobile Payment. Neue Lösungen wie Apple Pay sind bequem, sicher und schnell. Ein mühsames Eintippen von Kreditkartendaten auf dem Mobile Screen wird mehr und mehr obsolet. Ein Boost für M-Commerce.

Fazit

Ja! M-Commerce ist definitiv auf dem Vormarsch. In Ländern wie Indien haben die Käufe über Smartphone, diejenigen via Desktop bereits überholt. Zudem entwickelt sich auch die Technik in unseren mobilen Geräten rasant weiter. Besonders erfolgreich werden wohl auch in Zukunft vor allem diejenigen M-Commerce Anwendungen sein, die sich eingehend mit den Journeys, den Bedürfnissen und dem Kontext ihrer User auseinandersetzen und die es schaffen, diesbezüglich Mehrwert zu generieren.