Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit Dozent René Massatti berichten Michael Sturzenegger und Tobias Frana.

Wiederum sind 2 Wochen vergangen und wir freuen uns und sind gespannt auf einen weiteren Tag an der HWZ im Rahmen des CAS Digital Leadership. Heute ganz unter dem Motto «Make the trend your friend».

Zu Beginn zeigt uns René ein kurzes Video in welchem diverse Szenen zusammengeschnitten sind. Alles mutet sehr futuristisch an. Taxi-Dronen welche durch die Luft fliegen, Roboter die aus dem Stand auf ein Hindernis springen, Tablets und Smartphones welche nur aus einer kleinen Glasscheibe zu bestehen scheinen etc. etc.. Als das Video fertig war stellt er die Frage, wann all dies Realität sein werde? Die Meinungen gehen auseinander von 2019 bis 2080. Fakt ist jedoch, dass das Meiste bereits Realität ist. Nicht alles in Markreife, jedoch als Prototypen.
Fazit: Trends und Realität werden oft falsch eingeschätzt und die Technik ist schon sehr viel weiter als man denkt.

Was ist ein Trend?

Wikipedia verwendet die folgende Definition:

Ein Trend (von engl. To trend «in einer bestimmten Richtung verlaufen» bzw. «drehen» oder «wenden») ist ein Instrument zur Beschreibung von Veränderungen und Strömungen in allen Bereichen der Gesellschaft. (https://de.wikipedia.org/wiki/Trend_(Soziologie))

Die Schwierigkeit dabei ist, dass es sich bei Trends um komplexe Phänomene handelt. Dadurch ist nur schwer vorhersehbar, wie sich ein Trend entwickelt. Einige verschwinden so schnell wie sie gekommen sind und andere entwickeln sich derart rasant, wie man es nie erwartet hätte.

Man darf dabei Trends auch nicht mit Moden verwechseln. Moden sind sehr kurzfristige Ideen oder saisonale Erscheinungen.

Was ist Trendforschung?

Definition von Trendforschung:

Trendforschung beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Wandlungsprozessen. Hierbei geht es nicht um exakte Vorhersagen, sondern darum, die Prozesse der Wandlung zu erkennen und, wenn möglich, zu verstehen, um sie letztlich zu deuten. (https://de.wikipedia.org/wiki/Trend_(Soziologie))

Die Trendforschung hat dabei einen Horizont von der Gegenwart bis in die nächsten 2-3 Jahre. Alles was über 3 Jahre ist Themenbereich der Zukunftsforschung

Interessant ist, dass sich aktuell vor allem Historiker mit diesem Thema beschäftigen. Einer der bekannteren ist Yuval Noah Harari welche mehrere Bücher in diese Richtung geschrieben hat. Eines der bekannteren ist «Homo Deus».

Hier geht es meistens darum, dass man aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen kann und soll. Daher ist es naheliegend, dass dieser Themenbereich für Historiker prädestiniert ist.

Warum mit Trends beschäftigen?

Wenn Trends gemäss der Definition die Veränderungen und Strömungen in der Gesellschaft aufzeigen, beschreiben Sie somit auch wie sich das Umfeld in welchem sich Firmen befinden verändern wird. Firmen können somit Trends für Ihre eigene Innovation verwenden.

Dazu kann der «OUT» Ansatz verwendet werden:

Observe: Was sind die aktuellen Trends und Technologien?
Understand: Was haben diese für einen Einfluss auf mich und meine Firma?
Transfer: Wie kann ich mir diese gewinnbringend nutzten?

Wenn es denn nur so einfach wäre! Welche Trends werden sich denn halten können? Welche sind nur «Eintagsfliegen» und werden so schnell verschwinden wie sie gekommen sind?

Eine Hilfestellung können die drei folgenden Fragen geben:

http://www.ipprospective.com/burgeoning-business/innovation-as-an-investment-not-an-expense/

Nur wenn Technologie, Markt und Kundenbedürfnis positiv zusammenspielen kann auch davon ausgegangen werden, dass der Trend sich halten kann.

Praxisbeispiele

Nach der Mittagspause durften wir uns etwas zurücklehnen. René präsentierte uns diverse Umsetzungen im Bereich von fünf Trendgruppen. Diese unterteilte er wie folgt:

  • Robotics / Artificial Coworkers
  • Seamless Commerce / Staffless Stores
  • User Profiling / IPA (intelligent personal assistance) / Instant Advisory
  • Wearables
  • Virtual Experiences / Augmented & mixed Reality / Virtual Workplace

Im folgenden werden die Beispiele aufgelistet, inkl. Links zu Videos oder Webseiten für ergänzende Informationen.

Robotics und Artificial Coworkers

Roboter-Butler im Starwood-Hotel für einfache Zimmerlieferungen:
https://www.cnbc.com/video/2014/08/12/robots-invade-starwood-hotels.html

Roboter-Butler als Wegbegleiter, Essenlieferant oder Gepäckträger im Sheraton Hotel:
https://www.youtube.com/watch?v=bsXRfZPo3Mw

Service-Roboter als Wegbegleiter zum Checkin-Schalter am Flughafen in Süd Korea:
https://www.youtube.com/watch?v=_RcTBw_7NK0

Walmart Scan Roboter – Scannt Gestell und Preisschilder und ist 40 mal schneller als ein Mensch:
https://www.youtube.com/watch?v=VMZM5rMOIPE

Seamless Commerce und Staffless Stores

Gesundes Essen selber am Tablet bestellen. Danach kann am Selbstbedienungsregal das zubereitete Essen abgeholt werden:
https://www.youtube.com/watch?v=QVweHrTY31g

Ein Restaurant, bei welchem ein Roboter die Zubereitung des Burgers erledigt:
https://www.youtube.com/watch?v=CbL_3le40qc

User Profiling, IPA (intelligent personal assistance), Instant Advisory

Alibaba hat in der Nähe von Hong Kong ein Konzept-Fashion-Store entwickelt, der mit AI unterstützt wird.
https://www.youtube.com/watch?v=l1iEIU9EyFg

soul machine – IBM Watson mit Gesichtserkennung für Emotionen-Erkennung und einem Frauengesicht als Interface.
https://www.youtube.com/watch?v=QmsIWFrjrCM

Wearebles

Holland: Mantel für Obdachlose, bei welchen man online spenden kann.
https://www.youtube.com/watch?v=HGG46rKARzQ

Virtual Experiences

Pepsi AR an einer Bushaltestelle:
https://www.youtube.com/watch?v=Go9rf9GmYpM

Trimble-Hologram auf einer Baustelle
https://www.youtube.com/watch?v=tAmImhdWYjA

spatial – AR Collaboration
https://www.youtube.com/watch?v=PG3tQYlZ6JQ

Trend Gallery

Nach diesen vielen Praxisbeispielen ging es nun weiter mit den Trends von Trendexplorer. Bei der Menge an Trends passiert es schnell, dass man den Überblick verliert. Hierfür empfiehlt uns René die Trend Gallery. Dabei druckt man die Trends aus, um sie sich physisch nochmals anzusehen. Die Trends werden idealerweise an einer Wand aufgehängt und mit einem Bewertungsblatt ergänzt. Die mitwirkenden Personen bewerten den jeweiligen Trend bzw. Trendgruppe aus ihrer Sicht in Bezug auf die Umsetzbarkeit und die Relevanz für das eigene Unternehmen.

Diese Übung haben wir in der Klasse ebenfalls zu den fünf Trendgruppen von René Massatti durchgeführt. Am Ende der Teilnehmer-Bewertung kann man ein vierer-Raster über das Blatt legen. Damit sieht man schnell pro Trend oder Trendgruppe, in welche Bereiche man am sinnvollsten investiert. In der Klasse waren die Meinungen sehr unterschiedlich. Dies geht vor allem daraus hervor, dass wir die Trends mit Relevanz auf unsere Unternehmen bewerteten. Innerhalb eines Unternehmens gibt es oft ein klareres Bild, in welchem sich die Meinungen eher an der gleichen Stelle sammeln.

Folgende Abbildung zeigt die Bewertung aus der Klasse zur Trendgruppe User Profiling, IPA (intelligent personal assistance) und Instant Advisory:

Die Bewertung ist äusserst positiv ausgefallen, da viele der Studenten die Trendgruppe als hoch relevant ansehen. Rund die Hälfte ist auch der Meinung, dass die Umsetzbarkeit eher einfach ist. Würde ein solches Bild in einem Unternehmen hervorgehen, ist die Empfehlung von René Massatti, sofort ein Team zur Bearbeitung darauf anzusetzen. Wäre die Ansammlung jedoch gegenteilig – sprich mit hohen Umsetzungsaufwänden und wenig Relevanz – sollte man das Thema vorerst zur Seite legen und zu einem späteren Zeitpunkt nochmals überprüfen.

Ideation Session

Für die Ideengenerierung zu neuen Produkten, Dienstleistungen etc. hat uns René einen Stapel Papiere verteilt. In den Arbeitsgruppen haben wir die mit der Ideengenerierung gestartet. Konkret geht es darum, auf Basis von Trends Ideen für neue Lösungen, Produkte, Geschäftsmodelle etc. zu entwickeln. Wichtig ist dabei zu beachten, dass man nicht nur einen einzelnen Trend ansieht und prüft, ob und wie dieser im eigenen Unternehmen adaptiert werden kann. Vielmehr macht es Sinn, wenn man diverse Trends kombiniert und daraus eine neue Lösung entwickelt. 

In der ersten Phase gilt das Motto: Quantität vor Qualität. Das bedeutet, dass man in einem definierten Zeitabschnitt so viele Ideen wie möglich generiert. Erst danach beginnt man mit der Diskussion und der Bewertung der einzelnen Ideen. 

Die Gruppen wählten zum Schluss ein Thema aus und konkretisierten dieses. Wie es inzwischen schon fast üblich ist, haben wir auch hier einen Canvas kennengelernt. 🙂 Bei diesem Canvas geht es darum, das Suchfeld konkreter zu untersuchen. Folgende Abbildung zeigt die Einzelheiten des Canvas vom Warum bis zu den nächsten Schritten.

Für die Schärfung des einzelnen Themas haben wir jedoch eine einfachere Vorlage verwendet. Dabei formuliert man mit einigen Aufzählungspunkten die Idee und erstellt eine kleine Skizze der Lösung. 

Nach der Entwicklung der Idee kann man diese mit weiteren Iterationen schärfen. René hat uns dazu die Scamper-Methode vorgestellt. Jeder Buchstabe der Methode hat einen Sinn. Bei S (steht für Substitute – Ersetzen) wechselt man einzelne Punkte der Idee aus. Das kann zum Beispiel die Zielgruppe sein. Weitere Informationen zur Scamper-Methode gibt es auf:
https://de.wikipedia.org/wiki/SCAMPER

Auch hierzu erhielten wir eine Vorlage zur Bearbeitung der Idee:

Radical Game

Wie schon am Vormittag, haben die Gruppen zum Abschluss ihre Ideen gepitcht. Jede Gruppe hatte 60 Sekunden Zeit, ihre Idee vorzustellen. 

Eine Methode, um aus den vorgestellten Methoden eine oder mehrere auszuwählen, ist das Radical Game. Dabei wird zum Schluss jede Idee von allen Teilnehmern bewertet. Als mögliche Bewertungseinheit können allen Teilnehmern gleich viele Pokerchips verteilt werden. Die Idee(n) mit den meisten Chips wird dann ausgewählt und weiterverfolgt. Folgende Abbildung zeigt die fünf Ideenskizzen nach der Bewertung aus der Klasse:

Damit ging ein weiterer spannender Tag an der HWZ zu Ende. Vielen Dank René Massatti für den Einblick in die Welt der Trends und wie wir diese konkret anwenden können.