Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit René Massatti (@massatti73) berichten Gioia Gempeler-Jaussi (@gioia_digital) und Simon Bühlmann (@Simon_Buehlmann):

Mit einem Film von Trendone werden die Digital Leader gleich ins Jahr 2026 geschleudert. Darin erleben wir aus der Perspektive eines jungen Mannes, wie der Start in den Alltag abläuft. Beim Blick aus dem Fenster werden im Blickfeld des Mannes die Temperatur und die Wetterprognose angezeigt; beim Blick auf die Nahrungsmittel die Kalorien und der Tagesbedarf, weiter kann über einen eingeblendeten Bestellknopf gleich alles nachbestellt werden. Auch der Weg zur U-Bahn mit personalisierter Werbung an den Wänden, einer eingeblendeten empfohlenen Gehrichtung und der eingeblendeten Zeit bis zur Ankunft des Zuges im Sichtfeld zeigt die Möglichkeiten der Digitalisierung in der Zukunft.

Mit dem Satz “Alle gezeigten Technologien sind bereits heute vorhanden” sind wir zurück in der Realität. Als möglicher Trend, der zu dieser Zukunft führt, gilt Augmented Reality. Die Micro-Trends dazu sind die HOLO LENS von Microsoft oder Oculus.

René Massatti aus Wien, mit seinen 15 Jahren Erfahrungen im Digital Business, erklärt uns anhand der Blackrock-Grafik, dass es heute viel mehr Megatrends als früher gibt und diese viel schneller angenommen werden.

René Massatti

Aufgrund der alltäglichen Arbeitsbelastung oder der persönlichen Ignoranz wird jedoch oft übersehen, was es für neue Trends gibt.

Was ist ein Trend überhaupt? Dazu liefert uns Brockhaus die Definition: “Trend ist die allgemeine Bezeichnung für die Ausprägung einer bestimmten Richtung des Verhaltens oder des Verlaufs einer Entwicklung”.

Dazu weiter:

  • Trends sind komplexe Phänomene
  • Trends sind keine Moden
  • Trends beschreiben gesellschaftliche Wandlungsphänomene, von … zu …

Tipping point

Trends verbreiten sich über die Innovatoren und kommen dann zum “Tipping Point”, der Punkt, wenn ein Trend zum „Mainstream“ wird. Von den Early Followers und der Early Majority zur Late Mayority und den Lagards kommen immer weitere Personen dazu, die den Trend annehmen.


Eine der bekanntesten Grafiken für die Abbildung von Trends ist der Gartner Hype Cycle (2015).

Emerging Technology Hype Cycle nach Gardner

Der Unterschied zwischen Trendforschung (von heute bis zirka in drei Jahren) und Zukunftsforschung (in drei bis 100 Jahren) liegt im Untersuchungshorizont. Die Marktforschung kann nur die aktuellen Meinungen (von heute) der Konsumierenden abfragen. Zudem sagen Kunden nicht, was sie denken, denken nicht, wie sie fühlen, und fühlen nicht, wie sie handeln. Deswegen wird bei der Marktforschung nur das Bekannte abgefragt, für die Identifikation des Unbekannten benötigt man die Trendforschung.

Daher vermittelt uns René den korrekten Weg von der Trendforschung zur Innovation:

  • Entscheidend für die Qualität der Trendforschung ist die richtige Verknüpfung und Vernetzung isolierter Trend-Beobachtungen
  • Observe (Beobachten): Was sind die neuesten Innovationen und aufstrebenden Technologien?
  • Understand (Verstehen): Wie antwortet meine Branche auf diese Innovationen und Technologien?
  • Transfer (Adaptieren): Wie kann ich die relevanten Trends nutzen und ins Business transferieren?

Die Auslöser für einen Megatrend sind Micro-Trends. Die Micro-Trends sind ganz konkrete, marktfähige Innovationen, welche folgende Bedingungen erfüllen: skalierbar, neu, intelligent und strukturverändernd.

Trendkonzepte Def micro-trend

Die Methoden zur Trendforschung sind Scanning (Abtasten von Medien & Märkten), Desk-Research & Metaanalysen (Statistiken, Panels & Metaanalysen) sowie Monitoring und Expertengespräche. Und zusätzlich zu dieser klassischen Anleitung noch folgende Tipps: Beobachte alles, halte Ausschau nach Irritationen und werte nicht – ersetze “Ich finde” mit “Das könnte bedeuten …”.


Am Nachmittag folgt ein spannendes Keynote-Referat zu den fünf Haupttrends der Zukunft (Trend Gallery):

  • Robots & Co
  • Wearables
  • Augmented Reality
  • Virtual Reality
  • Intelligent Personal Assistant

Robots & Co

  • Werden Roboter künftig unsere Jobs ersetzen?
    – Will a robot take your job? Finde es hier heraus
  • In der Hotelindustrie: Serviceleistungen werden durch Robo-Butler abgedeckt – beispielsweise bringt dieser das Essen aufs Zimmer
  • Im Alltag: Eine Küchenzeile mit einem Roboter, der kocht, ist heute bereits erhältlich – kochen lernt dieser von YouTube
  • Für Selfies: Keine lästigen Übungen mehr mit Selfie-Sticks, zukünftig lichten Drohnen das passende Objekt ab
  • Im Foodbereich: Eatsa, ein Restaurant in San Francisco, beschäftigt noch genau einen Mitarbeiter. Weshalb? Dieser muss nur noch mit der Bestell-App umgehen und diese im Notfall reparieren können, die Speisekarte kennt er nicht

Dass diese Trends in Ländern wie Japan und China sowie teilweise auch in Amerika gut aufgenommen werden, erstaunt hier niemanden.

Wearables

Der Begriff “Wearables” beschreibt Dinge, die der Mensch am/im Körper trägt. Dies kann beispielsweise eine Apple Watch oder ein gewöhnlicher Fitness-Tracker sein.

  • Tragbare Sensoren ermitteln Muster -> diese ermöglichen die Erarbeitung von Präventivmassnahmen
  • Sensoren am/im Körper vermitteln Informationen aus dem Körper
  • Erkennung des Individuums via Beacon und Smartphone -> so können unterschiedliche Informationen für berechtige/nicht berechtigte Personen individuell  und ohne Login zugänglich gemacht werden
  • Das Smartphone als Tor zur Aussenwelt – beispielsweise kann ein Armband den Gemütszustand des Besuchers einer Party messen, während der DJ auf Basis dieser Daten die Musik auswählt

Augmented Reality

Beschreibt die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung (ist in der Realität bereits vorhanden).

  • Augmented Vision: Im Operationssaal kann ein zusätzlicher Experte via Screen live zugeschaltet werden
  • Eine Aktion von Pepsi: In London wurde direkt neben der Bushaltestelle ein vermeintlich durchsichtiger Screen eingesetzt, dahinter erschienen merkwürdige Geschichten (Tiger rennt auf die Passagiere zu, verabschiedet sich jedoch sogleich vor dem Screen wieder)
  • Lernen für Kinder: Weshalb Kindern ein vielleicht langweiliges Buch vorsetzen, wenn man den zu vermittelnden Stoff auch gleich ansehnlich darstellen kann?

Augmented Reality wird insbesondere in der Fertigung sowie Lagerlogistik heute bereits eingesetzt.

Virtual Reality

Beschreibt eine künstlich geschaffene Welt.

  • 360°-Anwendungen mit einer Brille wie beispielsweise 360°-Fotografie, 360°-Panorama-Videos sowie Computeranimationen, denen kaum Grenzen gesetzt sind – von der Achterbahn bis zum Horrorfilm
  • Virtual Preview: Im Rahmen einer Animation soll es künftig möglich sein, Produkte im Onlinestore mittels 360°-Optik zu bestaunen
  • Erlebnis-Hotel-Werbeaktion: Die Hotelkette Mariott stellte kurzerhand vor einer “Wedding-Chapel” zwei Säulen auf, in denen die zukünftigen Honeymooner einen Einblick bekamen, was sie auf ihrer Hochzeitsreise in einem Mariott-Hotel erwarten könnte

Intelligent Personal Assistance

In der Zukunft könnte uns “Echo” von Amazon einiges abnehmen. “Echo” nutzt die Cloud, um stetig weiter dazuzulernen – es scheint, als hätte “Alexa”, wie das Produkt auch genannt wird, auf alles eine Antwort. Ziel eines solchen Tools ist, dass der Nutzer die Plattform gar nicht mehr verlässt, da dieser sowieso einfach ALLES darüber abwickeln kann.

Auch Nachfolgeprojekten wie Facebook Moneypenny räumt René Massatti Chancen ein, insbesondere aber auch der Trend der Gefühlserkennung dürfe nicht vergessen werden.


Im Anschluss an das spannende Keynote-Referat durften sich die @HWZDigitalLeader einer Gruppenarbeit (Radical Game) widmen. In dieser wurden erst die 32 von Trendone selektierten Trends kurz analysiert und in der Gruppe präsentiert. Im Nachgang wurden via Brainstorming-Technik neue Ideen mittels der Kombination aus verschiedenen Trends erarbeitet. Eine bis maximal zwei Ideen wurden auf einem “Onepager” niedergeschrieben und anschliessend spielerisch mit “Spiel-Chips” bewertet. Der Ideenreichtum umfasste folgendes:

  • Holo ED (ein holografisches Ausbildungsprogramm)
  • AirbnbSee (ein erweitertes Airbnb-Angebot mit “Echo”-Unterstützung, Virtual Reality View, …)
  • Walkie Doggie (ein Roboter, der den Vielbeschäftigten den Gang mit ihren Vierbeinern abnimmt)
  • iDoc (präventiv Notfall, via Smartwatch – präventive Medizin)
  • Outfittery On-Life 4.0 (ein Roboter, der dafür sorgt, dass man jederzeit je nach Stimmung, Anlass und Wetter richtig gekleidet ist)

Radical Game von Trendone

Viele Ideen generiert, aber was nun? – Das Post-Workshop-Dilemma!

René Massatti empfiehlt, die Gewinneridee auszusuchen, welche die höchste Umsetzbarkeit und Relevanz für das Unternehmen aufweist. Eine “Wall of Fame” soll dafür sorgen, dass die Idee nicht in der Schublade verschwindet. Die besten Ideen sollen in einem sogenannten “Innovationsraum” aufgehängt, mittels Prototyping gebastelt und dort stetig weiterentwickelt werden.

 

Die wichtigsten 8 Take Aways:

  • Face the problem
  • Neugierig bleiben
  • Alles beobachten
  • Relevante Suchfelder identifizieren
  • Technologien und Zusammenhänge verstehen
  • Der grosse Wandel beginnt oft im Kleinen
  • Innovation braucht Zeit und Raum
  • It’s the innovation culture, stupid!