Aus dem Unterricht des CAS Social Media Management zum Thema Crowdsourcing berichtet Barbara Litschi:

„Crowdsourcing“ ist eine moderne Version des Outsourcing – mit dem Unterschied, dass die Aufgaben von einer unbekannten Masse – eben der Crowd – gelöst werden und nicht von einer im voraus bestimmten Gruppe.

Die Mitmach-Medien des Web 2.0 haben eine Demokratisierungswelle losgetreten. Die Nutzer haben sich daran gewöhnt, sich via Social Media jederzeit und überall über alles Mögliche öffentlich zu äussern. Crowdsourcing scheint nur eine logische Weiterentwicklung davon zu sein. Bei Crowdsourcing geht es nun nicht mehr nur darum, den Meinungsbildungsprozess zu einem Thema mitzugestalten. Mit Crowdsourcing haben die Nutzern darüber hinaus die Möglichkeit, aktiv mitzuarbeiten, mitzufinanzieren, mitzuforschen, mitzuentwickeln und so ihre intellektuellen und kreativen Fähigkeiten der (ganzen) Menschheit zur Verfügung zu stellen. Man denke nur an die aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenkende Enzyklopädie Wikipedia oder an die zahlreichen „Nutzer-helfen-Nutzer“-Foren.

Neben dem Bedürfnis nach Kommunikation und Austausch mit anderen Web-Nutzern, sind es Aspekte wie Spass, Ruhm und Ehre, der Wunsch etwas Sinnvolles zu tun oder ganz einfach materielle Anreize, die immer mehr Menschen dazu motivieren, ihre Ressourcen in Crowdsourcing- bzw. Crowdfunding-Projekte zu investieren.

Doch wie lässt sich dieses Phänomen für Marketing-Zwecke nutzen?

Die offensichtlichsten Nutzen sind Marktforschung und Produkte-Entwicklungen (siehe z.B. Tchibo ideas). Auch ganze Werbekampagnen lassen sich mit der Unterstützung von Crowds erarbeiten – vom Online-Brainstorming über das Testen von bestehenden Layoutvorschlägen bis hin zum Engagement der Crowd-Teilnehmer als Protagonisten der Kampagne. Crowdsourcing hat aber auch starke PR- und Branding-Komponenten. Nutzer, die sich aktiv am Entwicklungsprozess beteiligen, fühlen sich als Teil der Unternehmung und werden zu glaubwürdigen Marken-Ambassadoren. Firmen, die solche Prozesse zulassen, werden als zugänglich, authentisch und innovativ wahrgenommen – was wiederum auf die Marke einzahlt (siehe z.B. Migipedia). Zusätzlich entstehen aus Crowdsourcing-Projekten oft Stories, die sich medial für ein breiteres Publikum vermarkten lassen.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Crowdsourcing sind eine klare Fragestellung, eine heterogene Crowd, die sowohl aus Fachleuten, als auch Laien besteht, eine Vorstellung davon, wie man die gesammelten Ergebnisse auswerten will und – last but not least – eine offene Unternehmenskultur, die es erlaubt, einen Teil der Macht an die Massen abzugeben.

Wie die Meisten Angebote und Plattformen im Web 2.0 steht wahrscheinlich auch das Crowdsourcing erst am Anfang seiner Entwicklung. Es bleibt spannend!