Vom fünften und letzten Tag der Silicon Valley Immersion Tour – im Rahmen des CAS Digital Leadership – berichten Simon Maurer und Max Keller.

hint – Disrupt the US Health Care System

SOMA (South of the Market) gehört in San Francisco nicht unbedingt zu den sichersten Vierteln. Und trotzdem passiert hier etwas, was das gesamte Health Care System der USA auf den Kopf stellen könnte. Im “Launchpad Digital Health”-Accelerator werden Start-ups rund um das entsprechende Thema gefördert (Seed Funding, Mentoring/Advising, Immersion Programs).

hint gehört hier zu den erfolgreichsten Start-ups. Die Vision von hint ist es, das 3 Billionen (jährlicher Umsatz) schwere und ineffiziente Gesundheitssystem umzukrempeln und die geschätzte 1 Billion an unnötigen administrativen Ausgaben nachhaltig zu reduzieren.

Mit der value proposition “Put your back office on autopilot” bietet hint seinen Partnern (zurzeit meist Praxisgemeinschaften bestehend aus ca. 20 Ärzten) eine digitale Plattform an, die ein effizientes Onboarding von Patienten, transparente Kommunikation mit diesen sowie eine einwandfreie Rechnungsstellung erlaubt.

Vom Consultant zum Disruptor

Der clevere Kopf hinter hint ist der aus Neuseeland stammende CEO Zak Holdsworth. Ursprünglich als Engineer und Consultant tätig, migrierte er für einen MBA an der Stanford University in die USA. Die ersten Erfahrungen sammelte Zak in einer Venture Capital Gesellschaft, die verstärkt in Health Care Unternehmen investierte. So kam es dazu, dass er eines Tages zu einer dieser Unternehmen “WellnessFXwechselte. Trotz eines guten Produktes, bot WellnessFX Zak nicht das gewünschte Disruptionspotenzial. Angetrieben von seiner Ambition, das US Health Care System von Grund auf zu verändern, startete Zak vor zwei Jahren mit dem Fundraising für sein Start-up und konnte genügend Investoren zur Umsetzung seiner Idee gewinnen. Seitdem entwickelt er gemeinsam mit den nun 14 Mitarbeitenden seine Plattform weiter. Eine offene Schnittstelle (API) ermöglicht es zudem, dass weitere mehrwertstiftende Partnerdienstleistungen in die Plattform eingebunden werden. Diese Leistung ist sicherlich eine Toblerone wert:

Salesforce – Über den Wolken

Gegensätzlicher zu dem Besuch bei hint könnte die Exkursion zu Salesforce kaum sein. Mit den Standorten West und East sowie dem Salesforce Tower hat sich das Unternehmen Wahrzeichen gesetzt, die San Franciscos Panorama deutlich prägen. Nach Empfang und kurzer Sicherheitsanweisung führten uns Kevin und Matt durch die Räumlichkeiten des SaaS-Anbieters. Die ca. 7000 Mitarbeitenden in San Francisco haben (im Gegensatz zu hint) viel Platz, um sich zurückzuziehen (Erholungs- und Meditationsräume) und auszubrechen (Break-out spaces). Ausserdem sind in den obersten Stockwerken nicht die Chefetagen angesiedelt, sondern so genannte Ohana-Spaces (Ohana = Familie), die sowohl den Mitarbeitenden, als auch Kunden grosszügigen Platz zum Arbeiten und entspannen bieten.

Salesforce zählt 90% der Fortune 500-Unternehmen zu ihren Kunden. Dementsprechend hoch sind auch die eigenen Ansprüche und die Anforderungen der Kunden an die Plattform. Einfachheit, Makellosigkeit und Individualisierung machen Salesforce zu einer Plattform, die die Interaktionen zwischen Unternehmen und ihren Kunden vereinfacht (“remove the daily burden”). Die Weiterentwicklung der Plattform basiert dabei stets auf dem Feedback der Community und der Kundenbetreuer. Letzteren wird insbesondere die Aufgabe zuteil, ihre Erfahrungen intern und extern weiterzutragen, damit Mehrwerte unternehmens- und branchenübergreifend geschaffen werden können. Dies kommt insbesondere in den nachfolgenden Video zur Geltung:

Die Unternehmenskultur geniesst ebenso einen grossen Stellenwert wie die Kundenorientierung. So ist Salesforce stets bemüht, alle Mitarbeitenden auf dem gleichen Wissensstand zu halten. Jeder Salesforce-Mitarbeitende weiss ganz genau wie er das Unternehmen nach aussen zu vertreten hat und pitchen muss. Eine zentrale Bedeutung kommt diesem Zusammenhang dem Trailhead-Team, dem Kevin und Matt zugehören, zu. Dieses weitet die gleichnamige Lernplattform stets weiter aus. Mitarbeitende und Kunden können mittels dieser kostenlosen Plattform das Einmaleins von CRM-Systemen bis hin zum Aufbau komplexer Softwarearchitekturen erlernen. Ferner ist es die Aufgabe des Trailhead-Teams die Teams stets in Richtung effizientes Arbeiten zu reorganisieren.

Der starke Wachstum von Salesforce in den letzten Jahren ist jedoch nicht nur organischen Ursprungs. Allein dieses Jahr wurden bisher dreizehn Akquisitionen getätigt. Darunter wurde auch das Unternehmen MuleSoft akquiriert, welches sich auf Migration und Integration von Daten in die Salesforce-Anwendungen spezialisiert hat. Zudem wird eine Partnerschaft mit Google gepflegt, die eine Integration der Google Analytics Daten in die Salesforce Marketing Cloud erlaubt. Dementsprechend sieht sich Salesforce für die Zukunft gut gerüstet und möchte weiterhin expandieren. Auch hier gab es zum Schluss noch Schweizer Chocolateforce:

Time for culture

Nach dem Mittagessen tauchten wir im Stadtteil Haight-Ashbury in die Geschichte San Franciscos ein. Es ging in die Jahre 1906 und 1967. Diese sind symbolisch für zwei grosse Ereignisse: “1906 San Francisco Earthquake” und “Summer of Love”. Unser Guide Adelaide führte uns von der ältesten Bibliothek San Franciscos “Park Branch Library”, über im viktorianischen Stil gebaute Häuser und den Panhandle (ein Park in dem die Einwohner nach dem Erdbeben und Feuer 1906 Zuflucht fanden) bis hin zur Haight Street, wo die massiven Drogenexzesse und der Summer of Love endeten (zumindest trifft dies für das Letztere zu). Hier einige Eindrücke:

Debriefing

Zuletzt durfte sich die Gruppe bei Gert zum Debriefing der gesamten Woche einfinden. Die Aufgabe bestand darin, eines der vielen mit dem Smartphone gemachten Fotos auszuwählen, welches symbolisch für die wichtigste Erkenntnis eines jeden Einzelnen steht.

Marco Immler

„Viele Eindrücke, jeder dieser sehr wertvoll.“

Gert Christen

„Die Gruppe hat sich im Vergleich zu den ersten zwei Tagen sehr weiterentwickelt und ist stark zusammengewachsen (Vergleich vorher – nachher).“

Patrick Comboeuf

„Turned my look at the world upside-down“

Patrick Chavin

„Extreme Gegensätze in San Francisco.“

Fabian a Marca

„1, 2 oder 3 letzte Chance vorbei.“

Dorothea Tiefenauer

Simon Maurer

„There are many, they are diverse, open and fast“

Toralf Schnell

„Von Gross, zu klein, zu gross. Wie ein Ex Google Leader ein Startup gründet um eine eigene Public Company zu gründen.“

Daniel Schüpbach

„Game changer! Nail it before Scale-it! Jeder sollte seine eigene value proposition resp. Unique Selling proposition erarbeiten! Gegensätze!“

Simon Biedenhader

„A lot of money in this valley“

Max Keller

„Das Silicon Valley entstand nur deshalb, weil mutige Menschen ihre Umgebung (environment) und die darin gültigen Annahmen und Rahmenbedingungen in Frage gestellt und den Status-quo auf das nächste Level gebracht haben.“

Der Abend fand Ausklang in der Twitter Bar sowie beim gemeinsamen Farewelldinner im Restaurant Barcino.

Müsste man die Woche in einem Wort zusammenfassen so wäre es: AWESOME!!! Wir kommen sicherlich wieder.

Herzlichen Dank an Gert Christen für die Organisation dieser Woche – WELL DONE!