Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit Dr. Peter Hogenkamp berichtet Patrick Schneider:

Dr. Peter Hogenkamp führt uns an diesem schönen Herbstmorgen in einem halbtagigen Seminar durch den Wandel der Medien in der digitalen Transformation.

“Wir wissen nicht, wie’s mit den Medien weitergeht….”

Das Auto wird sich nie durchsetzen. Das war damals die Meinung. Jede neue Technologie wird immer zuerst abgelehnt, das scheint wie ein Naturgesetz zu sein. Jede Innovation stösst zuerst immer auf heftigen Widerstand.

Wieso das Businessmodell grandios war (und teilweise noch ist)

Grosse Medienhäuser verdienen auch nach Jahrzehnten noch Millionen. Es werden noch immer für Riesenbudgets Inserate und TV-Werbung geschaltet. Warum ist dies so? Die Werbung scheint zu funktionieren, ist aber nur bedingt messbar. Auch die Qualität spielt eine Rolle, ein ganzseitiges Inserat kommt eindrücklicher daher als ein AdWord und scheint vertrauenswürdiger.

  • Es ging im wesentlichen nur um die Verteilung des Kuchens – der “Feind” war der Verleger im Nachbarkanton
  • Zusammen mit der “P” (Publicitas) hatte man den Markt oligopoliistisch aufgeteilt
  • In der Hochkonjunktur wurde experimentiert, in der Krise gespart

Internet kills the Publishing Star

Alles ist anders. Warum eigentlich genau? Die neue Welt ist viel komplexer, was folgende Übersichtsgrafik der „Disruption“ in der Medienbranche zeigt (Klick für grössere Ansicht):

Disruption in the Newspaper Industry – Causes and Drivers

Disruption in der Medien

Das Problem der Verlage (wie jeder Branche) mit der Disruption besteht darin, nicht vorhersagen zu können, was kommt, was Erfolg haben wird und was langfristig bestehen bleibt. In der Rückschau ist es immer etwas einfacher, zu sagen: War ja klar dass das iPhone erfolgreich wird!

In einer kurzen Umfrage unter allen Teilnehmern wurde ermittelt, welche der folgenden Produktekategorien in zehn Jahren Standard werden könnten. Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich, wissen tut’s niemand, aber in diesen Bereichen wird gross geforscht:

ELEKTROAUTOS
SELBST FAHRENDE AUTOS

SMARTWATCHES
SOLARENERGIE

Dazu passend Amara’s Law zur Vorhersagung der Effekte von Technologien:
„We tend to overestimate the effect of a technology in the shortrun and underestimate the effect in the longrun.“

Kann das “Problem” mit einer Neuheit gelöst werden?

«The New Thing», das die Medien „rettet“, nach Jahren:
2010: iPad
2011: Paywall
2012: Konvergenz (Zusammenlegen von Print und Online-Redaktionen)
2013: Datenjournalismus (NYT «Snow Fall»)
2014: Video
2015: Facebook-Integration
2016: Snapchat, Bots, Virtual Reality, Video
2017: ? («Es wird blutig werden.» Marc Walder)

Convenience ist King

Nur Produkte und Features, welche im digitalen Umfeld “convenient” und einfach zu bedienen sind, haben langfristig Erfolg. Beispiel Dropbox – jeder kann es bedienen, oder besser: Man muss es nicht bedienen können, es funktioniert einfach.

Peter Hagenkamp meint: Das Internet wird alle paar Jahre neu erfunden. Die Transformation der meisten Prozesse zu Mobile ist fast ausgeschlossen. Danach werden alle Desktop-Apps nochmals überholt. Digitale Führerschaft kann auch heissen: Wer macht es dem Kunden am leichtesten?

Best practice in News

Eigentlich taten sich alle heutigen Teilnehmer des Seminars ein wenig schwierig, gute best practices im Medienbereich zu nennen. Es fehlt was neues. Das Pricing müsste angepasst werden, günstige Monatspreise für guten Journalismus statt grosse Jahresrechnungen, interessante Modelle welche auch eine jüngere Zielgruppe ansprechen können. Anschliessend zwei hübsche News-Apps mit interessanten Ansätzen:

Resi App
https://www.resiapp.io/

Quartz App
https://qz.com/

Wann gibt es the next thing in der Medienbranche? Wie können verschiedene, interessante Artikel von unterschiedlichen Medienhäuser auf einer bequemen Platform den Lesern zugänging gemacht werden? Wie sieht eine Pricewall für guten Journalismus aus, welche akzeptiert wird?

Gemäss Marc Walder – CEO von Ringier – wird’s blutig. Wir sind alle gespannt.