Aus dem Unterricht des CAS Multichannel Management mit Marion Marxer berichtet Andreas Bloch:

Habt ihr euch auch schon gefragt, wie sich die Welt und euer Business entwickeln wird? Trendwatching.com versucht diese Entwicklung in 16 Megatrends zu unterteilen und diese über die Jahre detaillierter unter die Lupe zu nehmen. Marion Marxer ihrerseits gruppiert diese Trends nochmals in 5 Gruppen, um ein übersichtlicheres Bild darzustellen.

Der erste Megatrend nennt sich YOUNIVERSE

Youniverse bedeutet, dass wir durch Social Media immer mehr zum Sender werden, als wie bisher nur im Empfänger verbleiben. Wir als Einzelpersonen fühlen uns vermehrt als Zentrum der Welt. Zu kompliziert? Ok, schauen wir uns deshalb die drei Untergruppen detaillierter an, die im Trend Youniverse vorkommen.

Statussucher:

Der Statussucher versucht laufend sein Image zu verbessern und sein Umfeld auf sich aufmerksam zu machen. Der Statussucher ist selbst eine Art Brand, was im Marketing hilfreich sein kann. Könnt ihr euch noch an die Ice Bucket Challenge erinnern? Ja? Eine super Kampagne, die den Trend der Statussucher ausnutzte und ohne grosses Marketing-Budget weltweit bekannt wurde.

Crowd Factor:

Unser Umfeld ist unsere Quelle für unser Handeln. Heute beginnen häufig viele grössere Entscheidungen in Social Media. Beispielsweise ist „Wer kennt gute Reiseziele?“ inzwischen eine beliebte Frage in den sozialen Medien. Bereits 40% der 16-24 jährigen benutzen Social Media für Produkt-Research. Firmen werden deshalb je länger desto mehr in Bewertungsmöglichkeiten ihrer Produkte investieren müssen, damit sie in der Crowd entsprechende Sichtbarkeit haben.

EGO-Nomics:

Der Trend Ego-Nomics geht davon aus, dass wir selbst immer mehr zu Partnern von Marken werden, davon aber profitieren wollen. Eine Einzelperson kann sich zukünftig in ein Unternehmensmodell einklinken und ganz einfach am Erfolg teilhaben. Das bekannteste Beispiel hierfür dürfte Airbnb sein.

In einer ersten Gruppenarbeit versuchen die Tischgruppen die aktuellen Trends auf das eigene Unternehmen anzuwenden. Da noch früh morgens, waren die Ideen noch nicht sehr zahlreich vorhanden. Dennoch kamen einige gute Gedanken zusammen.
Die SBB könnte sich beispielsweise mehr mit dem Image Ökologie beschäftigen, sodass Statussucher die SBB mehr pushen. Oder wie wäre es mit einem guten Umsteigesupport an überfüllten Bahnhöfen, sodass die Crowd danach über die Tolle Reise mit der SBB spricht? Postfinance ihrerseits könnte zudem eine Plattform zur Verfügung stellen, auf der Ego-Nomics in StartUps investieren können.

Der zweite behandelte Megatrend trägt den vielversprechenden Namen HUMAN BRANDS.

Immer mehr digitale Kommunikation zwischen B2C oder auch B2B findet statt. Kunden suchen deshalb auch wieder vermehrt nach menschlichen Unternehmen. Für mich sehr theoretisch, deshalb auch gleich der Versuch mit den Detail-Trends mehr ausführen zu können.

BetterBusiness:

Wir suchen nach Marken, die uns bei der Konsumation ein gutes Gewissen geben und nicht im Hinterkopf die Arbeiter aus einem Billiglohnland hängen bleiben. Ein bekanntes Beispiel ist das Konzept „Frisch von Gestern“, welches bereits jetzt versucht, unsere Waste-Gesellschaft zu verbessern.

LocalLove:

Unternehmen sollten möglichst aus der Region Produkte anbieten. ALDI, Migros und Coop sind nur einige Beispiele, die ihr Marketing auch explizit hierauf ausgerichtet haben. Immerhin 60% der Kunden wünschten sich vermehrtes lokales Engagement ihrer Marken. Ein weiteres eher unbekanntes Beispiel stammt von CocaCola, welche in Pakistan und Indien einen Automat mit live Screen aufstellte. Dieser Automat verbindet in Indien und Pakistan Personen und übertragen Messages live ins andere Land.

BrandShip:

Die Kommunikation mit den Unternehmen muss viel mehr auf Komfort und Menschlichkeit ausgerichtet sein. Ob danach mit einem ChatBot oder einem Menschen kommuniziert wird, ist jedoch weniger wichtig. 78% der Kunden bleiben gemäss einer Umfrage ihrer Lieblingsmarke treu und wechseln nicht. Ein super, aber eher unbekanntes Beispiel ist von Blackman Hotel. Dieses sagt dem Gast direkt, falls er das Zimmer länger brauchen kann, falls sie es selbst nicht benötigen. Mit dem Kunden wird somit ein direkter Bezug aufgebaut und er wird später sicherlich wieder an diese Hotelkette denken.

Auch hier gab’s wieder eine Gruppenarbeit. Dieser Megatrend aufs eigene Unternehmen anzuwenden war nicht ganz so einfach. Dennoch gab’s einige gute Inputs, wie zum Beispiel Blacksocks die immer mehr zu Bio / Fairtrade tendieren und somit das Better Business fördern möchten.

Danach folgte eine sehr beliebte Folie (Pause…) und ein guter Kaffee im radix gegenüber.

Nach der Pause ging es weiter mit dem dritten Megatrend, dem BETTERMENT.

Betterment soll die Selbstoptimierung darstellen. Die Selbstoptimierung macht den Weg von Statussymbolen zu „sich selbst ins richtige Licht rücken“.

Helpfull:

Wir suchen nach Marken und Unternehmen, die uns helfen unseren Tag besser zu strukturieren und nicht das Problem eines ineffizienten Tages sind. Bereits 60% haben Unternehmen gewählt, die ihnen helfen ihren Tag zu vereinfachen. Nivea hat diesbezüglich beispielsweise eine gute Kampagne gestartet, bei der sie ein Schnellladegerät in ihre Plakate und Inserate integrierten und damit einen Mehrwert stiften konnten.

Joyning:

Communities, die uns helfen unsere Genüsse (z.B. Ferien, Essen, usw.) oder Produkte mit Gleichgesinnten zu Teilen. Unser Social Media Verhalten wird somit immer spezifischer und nicht mehr allgemein ein Sharen von Informationen und Produkten mit allen Personen. 51% der 16-34 jährigen meint bereits heute, es sei sinnvoller mit spezifischen Gruppen zu teilen, als alles für sich zu behalten.

Egostalking:

Wir messen uns immer mehr selbst und versuchen uns mit anderen Personen zu vergleichen. Fitnessapps basieren auf diesem Prinzip und ermöglichen uns ein Egostalking. 33% der amerikanischen Bevölkerung benutzen mobile Gesundheitsapps bereits jetzt. Diese Zahl konnte alleine in den letzten 2 Jahren verdoppelt werden. Habt ihr gewusst, dass es bereits einen Club gibt, bei dem du als Mann deinen Autoschlüssel am Eingang abgibst, dafür einen RFID-Chip erhältst und sie dir beim Ausgang deinen genauen Alkoholgehalt anhand deiner Toiletten-Besuche mitteilen können? Nein? Naja, geht mir genauso… Aber spannend, was es bereits gibt.

Wie bei den vorherigen Megatrends kam auch hier wieder die Frage auf, wie diese Trends auf unsere Unternehmen anzuwenden sein könnten. Wie wäre es beispielsweise mit Ausbildungsangeboten für Gleichgesinnte zum Thema Pensionierung, um damit den Trend Joyning zu unterstützen? Oder wie könnte eine Bank am Ende des jeweiligen Jahres den Kunde effektiver darauf hinweisen, wie er Ende Jahr seine 3a Konten richtig auffüllt und damit einen helfenden Beitrag leisten? Im Bereich Verwendung der Fitness und Gesundheitsdaten für Versicherungen ist eine ziemliche Diskussion ausgebrochen. Ist das noch ethisch vertretbar und entspricht das noch dem Gedanken einer Versicherung, oder nicht mehr?

So, langsam geht’s in Richtung Mittag, aber noch sind zwei Megatrends unerwähnt.

Der nächste nennt sich CONTEXTED.

Wir werden mit immer mehr Informationen geflutet, wollen aber nur noch für uns relevante Informationen haben.

nowism:

Die Relevanz muss sich im hier und jetzt zeigen. 50% der befragten Personen in 2016 sagten, dass sie einen Grossteil ihrer Privatsphäre aufgeben würden, falls sie dafür für den jetzigen Zeitpunkt eine relevante Information oder Werbung erhalten würden. Tinder ist ein Beispiel einer solchen hier und jetzt Lösung, die das klassische Partnersuch-Business aufbrach und sich mehr um „wer ist gerade hier und hat Zeit“ kümmert.

ubitech:

Omnipräsenz der Technologie wird immer mehr gewünscht, um das hier und jetzt mit aktuellen Daten aufzubessern. Verschiedenste Augmented Reality Unternehmen setzen hier bereits darauf. 90% der US Bevölkerung kann heute keinen einstündigen Spaziergang mehr unternehmen, ohne ihr Mobiltelefon zu überprüfen. In Shanghai gibt es beispielsweise Essenstäbchen, die dich auf allfällige Giftstoffe im Essen hinweisen. Du glaubst mir nicht? So sehen diese Stäbchen aus:

playful:

Wir brauchen immer mehr Dinge, die unser Leben spannender machen und die Routine unseres Alltags aufbrechen können. 30% wünschten sich eine proaktivere Rolle von Unternehmen in ihrem Alltag. Das olympische Komitee von Russland machte sich das zu Nutzen und installierte Ticketautomaten in den U-Bahn Stationen, bei denen gratis Tickets ausgegeben wurden, falls eine bestimmte Anzahl Sit-Up’s gemacht werden konnten.

Auch kurz vor dem Mittag folgte wiederum eine Gruppenarbeit. Weiterhin wurde erstaunlich gut diskutiert und gearbeitet.

Danach folgte der letzte Megatrend Cluster REMAPPED.

Dinge verändern sich laufend und neue Strukturen und Märkte entstehen.

Powershift:

Die Kräfteverhältnisse von Märkten und Personen verschieben sich. In China wird beispielsweise jeder 5. Tag eine neue Person zum Billionär.

New Normal:

Die Lebenssituationen von früher sind heute nicht mehr zwingend aktuell. Gleichgeschlechtliche Ehen, Patchwork-Familien und kinderlose Ehen werden immer häufiger und auch akzeptierter. 50% der 18-24 jährigen Briten bezeichnen sich nicht mehr als heterosexuell. Modamily hat für kinderlose Paare bereits heute eine Plattform zum Austausch unter gleichgesinnten im Einsatz und den Bedarf früh erkannt.

rethinking Media:

Medien sind heute nicht mehr wie früher. Medien müssen heutzutage einen Wert generieren, damit sie beachtet werden. Plakate mussten früher einige Wochen vor „go-live“ gedruckt und aufgehängt werden. Heute können Plakate bereits interaktiv mit dem Betrachter kommunizieren.

Die letzte Gruppenarbeit des Morgens steht an. Noch ein letztes Mal sollte der Trendcluster auf dem eigenen Unternehmen angewendet werden.

Vor dem Mittag stellt sich somit nur noch die Frage, in welchen Trends wir in Zukunft was erwarten dürfen. Diese Frage möchte ich gerne dem geneigten Leser selbst stellen und schliesse hiermit den morgendlichen Block ab.