Aus dem Unterricht des CAS Digital Masterclass mit Dozentin Cornelia Diethelm berichtet Studentin Sandra Denier.

Wie die Disruption im Kerngeschäft überhaupt zu Stande kommt

Insgesamt verändern sich die Märkte aktuell sehr stark durch exponentielle Entwicklungen, was für uns grundsätzlich schwierig ist aufgrund der Gewohnheit, linear zu denken. Innerhalb dieser exponentiellen Entwicklungen sind die enorme Geschwindigkeit und Reichweite von neuen digitalen Geschäftsmodellen wie Uber und Airbnb zu erwähnen. Dabei muss beachtet werden, dass die Netzwerkeffekte auch Monopolstellungen (wie z. B. von WhatsApp) begünstigen. Insgesamt ist ein Trend in Richtung Gratisökonomie zu beachten, was vor allem aufgrund sinkender Transaktionskosten zu Stande kommt. Spannend ist auch zu sehen, dass ganze neue Geschäftsmodelle auf Ressourcen statt früher Besitz basieren (bspw. Alibaba als grösster weltweiter Händler ohne Lager). Insgesamt ist die Vielfalt an Start Ups weltweit zwar riesig, aus Sicht von Cornelia Diethelm geht die Disruptionsgefahr für traditionelle Firmen jedoch stärker von den Technologieunternehmen wie Amazon und Google aus – dabei lösen sich auch die bisher sehr starken Branchensilos auf.

Digitalkompetenz von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung

Insgesamt geht es darum, dem oben eingeleiteten Thema im Unternehmen eine Visibilität geben. Zum Start die Barrieren für etablierte Firmen, innovativ zu sein aus dem bekannten „Innovator’s Dilemma“:

  • Kundenorientierung (unklare Antwort auf die Frage, was der Kunde in Zukunft will)
  • Wachstum (Investitionen in neue kleine Märkte sind für etablierte Firmen nicht attraktiv)
  • Marktpotential (da verlässliche Marktinformationen fehlen)
  • Mitarbeitende (Prozesse und Werte sind in etablierten Unternehmen zu starr)

Eine Herausforderung in den traditionellen Unternehmen, auch in der Geschäftsleitung, ist das starke Verharren in bestehenden Silos bzw. salopp gesagt im angestammten „Böxli“ im Organigramm. Insgesamt kann gesagt werden, dass die Geschäftsleitung meist kein homogenes Team ist. Oft sind die Geschäftsleitungsmitglieder in zwei konfliktierenden Rollen (Teamplayer als Geschäftsleitung sowie Verantwortlicher des Tagesgeschäfts/einer Geschäftseinheit) unterwegs. Viele Geschäftsleitungsmitglieder haben ihre Karriere insbesondere der zweiten Rolle zu verdanken. Dementsprechend ist das „sich ums Unternehmen als Ganzes kümmern“ in der Vergangenheit eher ein Goodie als ein Must für die Karriere und im Kompetenzenportfolio gewesen.

Patrick Hypscher definiert die viel besagte Digitalkompetenz wie folgt. Über Inhalt und Struktur lässt sich natürlich streiten. Ich finde es aber schon mal spannend, überhaupt einen Ansatz mit Inhalt vorliegen zu haben, da es sich bei der „Digitalkompetenz“ oft um ein Buzz Word ohne Definition handelt.

In der Migros Aare haben wir die Digitalkompetenz übrigens in einem ersten Entwurf ganz grob so strukturiert: Digitale Transformation verstehen und anwenden, Neue Führung & Mindset sowie Neue Arbeitsmethoden & Zusammenarbeit.

Was auffällt ist, dass insgesamt Führungsthemen innerhalb der Transformation deutlich wichtiger zu werden scheinen. Cornelia Diethelm hat abschliessend zum Thema noch versucht, neben der oben stehenden Digitalkompetenz an sich für die Geschäftsleitung ein paar Lösungsansätze zu finden:

  • Integration mehrerer Personen in die Geschäftsleitung, die keinen einzelnen Bereich oder ein Silo verantworten. Somit würde der Aufgabe „Leitung des Unternehmens“ nicht zu kurz kommen und man könnte projektspezifisch mit der ganzen Organisation arbeiten. Im Extremfall wäre das eine Geschäftsleitung ganz ohne Silos, ähnlich einem Verwaltungsrat.
  • Einsatz von 70% der Ressourcen fürs Optimieren des bestehenden Geschäfts, 20% der Ressourcen fürs Innovieren von neuen Produkten/Services auf Basis des bestehenden Geschäftsmodells und 10% der Ressourcen fürs Erneuern bzw. Investieren in neue, disruptive Geschäftsmodelle (meist in separaten Unternehmenseinheiten) analog der Google-Vorgehensweise.
  • Ehrliche Präsenz und Interaktion der Geschäftsleitungsmitglieder auf Social Media und Online wie z. B. zum grossen Teil Online einkaufen, mobiles und flexibles Arbeiten etc.

Zum Schluss ein paar Ideen, die Geschäftsleitung fürs Thema zu gewinnen

Abschliessend wünsche ich allen viel Spass und Erfolg beim Überzeugen und Motivieren! Sei es im Verwaltungsrat, in der Geschäftsleitung oder ganz allgemein in der Belegschaft.