Aus dem Unterricht des CAS Mobile Business berichtet Marliani Rui :

Auch schon mal den Stress erlebt, nach der Arbeit kurz vor Ladenschluss einzukaufen? Oder die fantastischen Schuhe auf dem Plakat sofort kaufen wollen? Oder im Laden verzweifelt Verkaufspersonal gesucht und ewig an der Kasse gestanden?

Mit der Coop@Home App können Lebensmittel per Foto bestellt und vor die Haustür geliefert werden. Mit der Zalando App reicht es, ein Kleidungsstück zu fotografieren, schon kann eine Bestellung ausgelöst werden. Smartphones machen den Einkauf effizienter und stressfrei. Die sich konstant schnell entwickelnde Mobile Technologie ermöglicht Einkaufsprozesse von der Suche bis zu Transkation zu vereinfachen und zu beschleunigen. Das gibt guten Grund für die rasante Entwicklung von Mobile Commerce.

Die Voraussetzungen für die Entstehung und Entwicklung von Mobile Commerce können in zwei Punkten veranschaulicht werden:

  • Die technische Fähigkeiten von Mobile Geräten wie z.B. Internetverbindung, Multi-Touch-Screen, Apps, immer bessere Prozessoren, Speicherplatz usw.
  • Die Entwicklung von schnellen Datenverbindungen mit 3G und 4G Netze

Diese Grundlage ermöglicht das Surfern im Internet unabhängig vom Ort und Uhrzeit mit Geräten, welche einfach zu bedienen sind. Es dient auch dazu, dass die Nutzung  von Mobile schon dieses Jahr den von Desktop überholt.

Kommerziell können mobile Geräte für Produktbewerbung, Produktinformation, Online-shops, Bezahlung und Banking usw. verwendet werden. Vor allem ist die Mobile Präsenz von den Unternehmen oder Geschäften essenziell, da immer mehr potenzielle Kunden sich auf Mobile über Produkte informieren und vergleichen.

Im Vergleich zu Desktop oder Laptop Computer haben mobile Geräte neben der Portabilität noch einige andere spezielle Eigenschaften die sie zu einer eigenen Kategorie gruppieren:

  • Bildschirmgrösse
  • Muti-Touch Screen, welcher weniger präzise die Eingabe per Maus ist
  • Schwächere Rechenleistung
  • Abhängigkeit von 3G, 4G Netzen
  • Zusätzliche Sensoren, wie z.B. Kamera, GPS, NFC, Beschleunigungssensor, Gyroskop, usw.

Diese Eigenschaften schränken einerseits die Darstellungsmöglichkeit von Informationen ein, andererseits ermöglichen sie Anwendungen, die auf dem Desktop unvorstellbar sind.

Mobile Shops

Mobile Shops zeichnen sich dadurch aus, über mobilen Geräten digitale oder reale Güter einzukaufen und ebenfalls mobil zu bezahlen. Die Usability steht hier mit im Vordergrund, um Kunden auf mobile Geräten eine einfache Bedienung zu ermöglichen.

Solche Shops können derzeit technisch unterschiedlich umgesetzt werden – sei es eine mit einer nativen App, einer adaptive Mobile Webseite oder einer Seite mit Responsive Design, welches sich der Bildschirmgrösse anpasst. Es gibt keine one-size-fits-all Lösung, sondern sollte ach Bedarf und Betriebsmöglichkeit entschieden werden.

Aus Anwendersicht können native Apps zwar mehr Funktionen anbieten, jedoch ist der Prozess des Herunterladens und Registrierens für viele zu kompliziert. Immer mehr Leute bevorzugen mobile Seiten, um schneller an Produkteinformation zu kommen – grösser Bandbreite macht es möglich, da die Webseiteninhalte jedes Mal neu geladen werden müssen.

Verbindung zwischen Offline und Online

Am häufigsten sieht man QR-Codes als Bindeglied zwischen Off- und Onlinewelt – auf dem Plakat, der Zeitung, der Zeitschrift, dem Flyer usw.

Mobile Advertising könnte nicht nur von QR-Codes profitieren, sondern auch über GPS ortsbasierte Werbung schalten. So könnten Information und Promotionen von Geschäften in der Nähe des Konsumenten angezeigt werden.

Eine neue Technologie, die gerade viel diskutiert und besprochen wird ist das Beacon. Das vielversprechende iBeacon von Apple ist ein Indoor Positioning System, welches auf Bluetooth Low Energy (BLE) basiert. Die kostengünstigen kleinen Geräte besitzen eine Batterielaufzeit von 2-3 Jahren und bieten Reichweiten von über 10 Metern. Die iBeacons identifizieren Kunden, sobald sie das Geschäft betreten – Voraussetzung ist, dass eine entsprechende App installiert ist und Bluetooth aktiviert ist. Das Geschäft hat dann die Möglichkeit, Kunden über Push-Mitteilung über neue Promotion zu informieren, Indoor Navigation oder kontaktloses Bezahlen am POS zu ermöglichen. Durch die Analyse von Ortsdaten, Verhalten und Nutzerprofildaten kann der Austausch mit Kunden auf Mobile gezielter und personalisierter stattfinden.

Mobile Payment

Heutzutage geht man normalerweise nicht ohne Schlüssel, Portemonnaie und Smartphone aus dem Haus. Mobile Payment hat das Potential, die Geldbörse überflüssig zu machen.

Auf dem Markt existieren bereits einige Methoden, wie zum Beispiel das Bezahlen über die Rechnung des Telekommunikationsanbieters, Bluetooth an dem POS, das Einscannen von QR/Bar-Code. Auch NFC (Near Field Communication) ist schon seit 2008 auf dem Markt. Allerdings hat bisher noch keine Methode davon die kritische Masse überwunden. Mit der Ankündigung von Apple Watch im Frühjahr hoffen jedoch viele Experten den Durchbruch der NFC als Mobile Payment.  Apple Pay sollte laut einem Interview von Mashable durch Touch-ID und „Token“-Technologie die bisher sicherste Bezahlmethode sein.

Auch interessant zu beobachten ist die Konvergenz von e-Commerce Plattformen oder Sozialen Netzwerken mit Banken. 2014 erhielt der chinesische Internet-Gigant Alibaba für ihr Produkt Alipay – Paypal nicht unähnlich – die Banklizenz.

Im Mobile Bereich scheint der chinesische Markt etwas innovativer. WeChat von Tencent mit über 460 Millionen monatlich aktiven Nutzern (Dezember 2014), ist momentan die fünfte grösste Mobile Messanger App weltweit. Nach Hinterlegen der Kreditkarteninformationen, können Nutzer nicht nur die App als Kommunikationstool verwenden, sondern auch die Wasser, Strom- oder Gas-Rechnungen darüber begleichen, Freunden und Verwandten Geld mit ein paar Klicks überweisen,  in In-App-Stores virtuelle und reale Güter kaufen oder am POS bezahlen.

Fazit:

Mobile Geräte bringen nicht nur viele Vorteile für das Privatleben, sie bieten auch Geschäften an, ihre Zielgruppe besser zu erreichen, Off- und Onlinekommunikationskanäle und Märkte zu verbinden und den Kaufprozess zu vereinfachen. Daher spielt mCommerce eine immer wichtigere Rolle.

Die Entwicklung von Technologie steht derzeit noch im Focus von Mobile Commerce. Um die beste Mobile Strategie für eigene Produkte zu entwickeln, müssen die technologischen Ansätze verstanden und die rasante Entwicklung mitverfolgt werden.