Mobile Business: Ein kurzfristiger Trend oder doch eine langfristige Geschäftsidee? In diesem Beitrag erfahrt ihr alles zum Thema Geschäftsoptionen mit mobilen Geräten.

Aus dem CAS Social Media Management (#hwzsmm) mit Milos Radovic zum Thema Mobile Business berichtet Nadine Paterlini.

Der erfolgreiche amerikanische Multiunternehmer, Autor und Sprecher Gary Vaynerchuk wusste es schon vor uns allen: „Mobile comes first, second and 69th.“ Warum, siehst du hier. Garys Meinung teil(t)en jedoch nicht alle. Und dann gibt es noch die, die es erfolglos versucht haben. So endete der Versuch, „Super Mario Run“ auf das Mobilgerät zu bringen als erfolgloses Trauerspiel.

“Attention is everything”

Was ist das Wichtigste für eine Marketingperson? Ja genau, Aufmerksamkeit. Und wie zieht man die Aufmerksamkeit des Consumers auf sich? Mit Mobile, denn Mobile kriegt Aufmerksamkeit. Das sagt zumindest Gary. Und Google sagt, unser Leben bestehe aus lauter Momenten – den „micro moments“. Diese Momentaufnahmen des Lebens sind heute immer auch „mobile moments“, wie der Film hier zeigt. Die Definition eines mobile moments:

“A mobile moment is a point in time and space when someone pulls out a mobile device to get what they want in their immediate context.”

Die Nutzung mobiler Geräte und unser Leben sind also eng miteinander verwoben. Und ehrlich gesagt: Wer kennt es nicht? Wie viele Male zückt man täglich sein Smartphone, um kurz etwas zu googeln, ein Bild auf Instagram zu posten, das Wetter oder den SBB-Fahrplan abzufragen? Wenn man da als Unternehmen nicht präsent ist, dann hat man schon verloren. Denn natürlich hat auch jede “Customer Journey” ihre mobilen Momente (in diesem Zusammenhang wird von Milos Radovic wärmstens das Buch „The Mobile Mind Shift“ empfohlen. Auch das pdf “Google Micro Moments” gibt interessante Einsichten in entsprechende Strategien).

Mobile Fakten

Es gibt mehr als 6 Milliarden Smartphones weltweit (2,5 Mia mehr als Zahnbürsten ;)), bei weitem aber nicht so viele PCs. Als das Smartphone 2007 auf den Markt kam, stieg die Zahl der Nutzer rasant. Und noch immer ist die Zahl der Smartphone-User am wachsen. Einer der Gründe: Man hat einen Supercomputer, der viele Geräte in einem vereint – und den immer zur Hand – fantastisch, oder?
So gilt: „Mobile Devices sind die direkteste, persönlichste und relevanteste Verbindung zu unseren Kunden!“ Man braucht sich bloss anzuschauen, wie Jugendliche heutzutage kommunizieren, um zu verstehen, dass Unternehmen an einer mobile-optimierten Kommunikation nie und nimmer vorbeikommen werden. Verstanden haben das auch schon einige, zum Beispiel die UBS, die beim E-Banking seit Anfang konsequent auf mobile setzt, aber auch die Migros.

Mit den Mobilgeräten ändert sich auch das soziale Verhalten. Aus dem privaten und dem Berufsalltag sind mobile Devices nicht mehr wegzudenken. Fazit: „If you are not thinking mobile, you are going to lose.“ (einmal mehr Gary Vaynerchuk).

Mobile Business

Obwohl ja eigentlich schon geklärt ist, dass es mobile Business braucht, hier die Definition:

“Mobile business refers to new business models enabled by the extensive deployment of key mobile and wireless technologies and devices (for example, Bluetooth, e-purses, smartphones, UMTS, WAP), and by the inherent mobility of most people’s work styles and lifestyles. The value proposition of m-business is that the user can benefit from information or services any time and in any place.”

96% der Schweizer gehen nicht ohne ihr Smartphone aus dem Haus. Überraschenderweise wird jedoch das Smartphone in der Schweiz am meisten zuhause (95%) genutzt, 85% bei der Arbeit und 84% unterwegs. 93% der Schweizerinnen und Schweizer nutzen ihr Smartphone zur Unterhaltung, 72% zur Information und 88% für die Kommunikation. Ebenfalls spannend: Nach einer Recherche via Smartphone kauften 44% der User das Produkt online, 33% im Geschäft. So wird denn auch der mobile Umsatz in der Schweiz auf CHF 800 – 1‘150 Millionen geschätzt! Also noch einmal: Ja, mobile Business ist wichtig!

Mobile Apps (als Geschäftsmodell)

Und da wären wir bei den Apps. Es gibt mehrere Geschäftsmodelle für App-Entwickler:

1. Das Freemium-Modell, das für eine gewisse Zeit oder gewisse Funktionen gratis ist für den Nutzer, dann aber in ein Abo-Modell überführt wird.
2. Das Abo-Modell, das die weitergehende Nutzung oder die Freischaltung weiterer Funktionen ein Abo oder eine Mitgliedschaft bedingt.
3. Werbung

Wichtig dabei:
Ist eine App kostenpflichtig, muss sie einzigartig und von guter Qualität sein. Android User machen mehr Downloads als iOS-User und geben trotzdem deutlich weniger Geld aus. iOS-User sind kommerziell also relevanter.

App versus Browser

Vorsicht, jetzt wird’s technisch: Es gibt drei Arten von Applikationen:

Die Native Application
Die native App läuft auf dem Device und ist in derselben Sprache wie das Smartphone programmiert – bei iOS also in Objective-C, bei Android in Java.
Vorteile: Eine native App lässt den direkten Zugriff auf Gerätefunktionen (Kamera, Location erkennen etc.) zu. Gute Fluidity für den User, Nutzung (von bereits geladenen Daten) auch offline möglich. Nutzer favorisieren native Apps, weil sie bequemer nutzbar und schneller sind. Voller Hard- und Software-Support, Security ist top.
Nachteile: iOS-Apps laufen nur auf iOS, Java-Apps nur in Java. Will ich meine App also für beide Betriebssysteme anbieten, schreibe ich sie zwei Mal, zusätzlicher Kanal (Apple Store > Minus 30% Download-Gebühr für Apple).

Die Webapplikation
Die Webapplikation öffnet sich via Browser und läuft nicht auf dem Gerät selbst.
Vorteile: Einfache Updates, Wiederverwendung von Content, Know-how im Unternehmen vorhanden, geringe Betriebs- und Entwicklungskosten, höhere Reichweite
Nachteile: Die URL muss eingetippt werden, man muss online sein. Die Fluidity sowie Hard- und Software-Support sind beschränkt.

Die Hybride Applikation
Die Hybride App ist das Zwischending.
Vorteile: Sie deckt iOS und Android ab, Content kann über CMS sehr schnell geändert werden. Weiterverwendung von bereits erstelltem Content. Voller Hardware- und Software API-Support, geringerer Aufwand bei Multi-Device-Optimierung.
Nachteile: Es gibt nur wenige Fachleute, die sie programmieren können. Die Multi-Device-Optimierung ist potenziell teurer.

Welche ist eure App? Es gilt hier je nach Fall abzuwägen, zu vergleichen und dann zu entscheiden.

Trends

Wie aus der folgenden Grafik entnommen werden kann, deckt „mobile“ mehrere zentrale Schnittstellen (rote Kreise) des Gartner Hype-Cycle rund um die Trends VR (Virtual Reality), AR (Augmented Reality) und IoT (Internet of Things) ab. Alle vier – mobile, AR und VR sowie IoT – sind wichtige Treiber der Digitalisierung. Vereinfacht gesagt bedeutet das, Devices werden intelligenter und können sehr einfach miteinander verbunden werden. Aus der Analyse der gesammelten Daten können Erkenntnisse gewonnen werden, die dann wieder in den Produktionsprozess einfliessen.


Ein paar schöne Beispiele für solche Anwendungen findest du hier:
Mit Sensoren ausgestattete Brustpumpen von Medela sammeln Daten stillender Mütter. Aus der Analyse dieser Daten können dann neue Geschäftsmodelle entwickelt werden.
Ikea-Place-App: Möbel können virtuell in Raum platziert werden und man sieht sofort, ob sie passen.
Smart Home: Hausgeräte kommunizieren miteinander, sämtliche Funktionen des Hauses sind mit dem Smartphone oder per Tablet steuerbar (Heizung, Lüftung, Alarmanlage etc.).
Instant Applications: Normalerweise lädt man die Apps im Shop herunter. Künftig wird es voraussichtlich möglich sein, Apps nur temporär herunterzuladen – nämlich dann, wenn man sie braucht. Aktuell gibt es eine Beta-Version, nur für Android. Die Crux dabei: Apple verdient 30% an jeder App, die heruntergeladen wird.

Digital Detox

Zum Schluss nicht vergessen: Bei aller Affinität zu eurem Smartphone/mobile Device: Geräte immer mal wieder weglegen und raus an die frische Luft, denn „Forschungsergebnisse zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Nutzung von IT, um immer für die Arbeit erreichbar zu sein, und Burn-out-Fällen.“

In diesem Sinne: Danke fürs Lesen.