Aus dem Unterricht des CAS Mobile Business mit Manuel P. Nappo berichten Sira Blättler und Stefan Steuble:

Der Schweizer Markt von StartUps im Mobile-Bereich ist nach wie vor klein. Drei Gründer oder Mitarbeiter eines Mobile-First-StartUps erzählen von ihren Erfahrungen, Problemen und neuen Erkenntnissen.

SmartWatcher – Help Is on Hand

Bruna Carvalho, Marketing Director bei SmartWatcher, hat von ihrem StartUp berichtet. SmartWatcher wurde 2014 gegründet und hat heute acht Mitarbeitende. Mit SmartWatcher bieten sie eine App für Smartphones und Watches an, welche für Notrufe und Personensicherheit gedacht ist. Die App bietet heute drei unterschiedliche Features an:

  • Instant Alert
    Mit einem Knopfdruck kann über das App ein Notruf ausgelöst werden. Zwölf Kontakte werden hinterlegt und diese werden dabei informiert. Zusätzlich können sie den Standort des um Hilfe Rufenden sehen und so einen entsprechenden Notruf auslösen.
  • Continuous Safety Monitoring
    Das App fragt den Benutzer bzw. die Benutzerin regelmässig, ob alles in Ordnung ist. Wenn der User nicht antwortet, erkennt das System, dass etwas nicht in Ordnung ist und löst automatisch einen Alarm aus.
  • I’m OK
    Dies ist für Personen gedacht, die ihrer Familie oder ihren Liebsten kurz Bescheid geben wollen, dass sie bspw. gut nach Hause gekommen sind.

Durch das Hinterlegen von zwölf Kontaktpersonen, die das App ebenfalls herunterladen müssen, hat SmartWatcher einen guten viralen Effekt und die klare sowie gute User Experience bietet laut Bruna Carvalho einen echten Mehrwert – auch gegenüber Konkurrenzangeboten.

Eine Erkenntnis, welche Carvalho aus ihrer StartUp-Erfahrung mitnimmt, ist, dass SmartWatcher bei der Suche im Apple Store sofort auf Platz zwei landete. Bei Google war die App unter den ersten 100 Plätzen nicht zu finden, auch wenn man spezifisch nach SmartWatcher suchte. Daraufhin meldete sich SmartWatcher bei Google und erhielt eine Rückmeldung bezüglich SEO etc. Ein längerer Austausch mit Google via Mail folgte, worin SmartWatcher aufzeigte, dass es das einzige Unternehmen mit diesem Namen ist. Heute stehen sie auf dem ersten Platz. So: Fight for your rights!

Poinz

Sascha Benz, einer der Gründer von Poinz, hat seine Erfahrungen mit der Gründung eines StartUps aufgezeigt. Das StartUp ist seit Mai 2013 auf dem Markt und hat heute 13 Mitarbeiter. Bei Poinz handelt es sich um eine Native App, welche die Bonus-Sammelkärtchen (für Kleber und Sticker) von unterschiedlichen Läden und Retailern digitalisieren soll. Die Idee ist, dass der Konsument seine Treuekarte immer und überall dabei hat und so von den Aktionen auch wirklich profitieren kann. Heute sind bereits rund 700 Geschäfte daran beteiligt und bieten ihren Kundinnen und Kunden via Poinz die Möglichkeit an, bei einem Einkauf Punkte und somit mögliche Rabatte zu sammeln. Zusätzlich können Angaben der Geschäfte als digitale Visitenkarte ebenfalls in der App hinterlegt werden. Die Punkte werden via QR-Code eingelesen.

Poinz setzt auf drei Angebotsstrukturen:

  • Zeitgemässe Kundenbindung
  • Effektive Neukundengewinnung
  • Neuartiger und direkter Kommunikationskanal

Ihre Haupt-Learnings waren folgende:

  • Je mehr Geschäfte sie akquiriert hatten und je mehr Kundinnen und Kunden das App nutzten, umso einfacher wurde es, weitere Geschäfte und Kundinnen und Kunden zu finden. Das Vertrauen wurde gewonnen.
  • Ein guter Aussendienst, der das Produkt an die Partner bringt, ist sehr wichtig.
  • Man muss die Gewohnheiten bezüglich der App-Nutzung eines Users ändern bzw. dahin führen, dass er diese regelmässig braucht.
  • “Rabatt” ist des Teufels, da die Wertschätzung des Produktes oder Services darunter leidet, bzw. vom Kunden oder von der Kundin als weniger wertvoll empfunden wird.
  • Sie haben Entwickler in der Schweiz genommen, da die Kommunikation und Organisation um einiges einfacher ist und diese an ihrem Unternehmen beteiligt (eigene Zeit = Ressourcen).
  • Es muss eine einheitliche und verständliche Sprache für alle Stakeholder gefunden werden.
  • Mobile First ist nicht “Desktop in klein”!
  • Bevor Geld investiert wird, sollte ein Prototyp erstellt werden und sollten erste Kundenbefragungen stattfinden.

Heute gibt es für fast alles eine App. Poinz hat einen Netzwerkeffekt und bietet dem User einen spielerischen Antrieb. Zudem ist es eine Win-Win-Situation für die User, die Unternehmen und Poinz selber.

See Your Box

Federico Capello, Financial Advisor von See Your Box, hat von seinen Erfahrungen bezüglich eines StartUps im Umfeld des Internet of Things (IoT) erzählt. Die Idee hinter IoT ist, Prozesse zu digitalisieren, in welchen Maschinen mit anderen Maschinen kommunizieren. So kann vieles automatisiert und vereinfacht werden.

IoT ist getrieben von drei Faktoren:

  • Sensoren & Bedienungselemente
  • Konnektivität
  • Personen und Prozesse

Das Zusammenspiel dieser Faktoren kreiert neue Applikationen und Businessmodelle. Daten sind das neue Öl dieser Erde.

Heute ist zudem jeder ein StartUp. Nach Federico gelten für ein technisches StartUp folgende Definition und Erfahrungswerte:

  • Innovatives Projekt (Produkt oder Prozess)
  • Neun von zehn StartUps scheitern wieder
  • Entwickeln einer Lösung für ein echtes Problem
  • Kann sich zu einem Unternehmen entwickeln

Für ein StartUp braucht man nicht immer einen klaren Plan oder Business Case (Lean Startup). Gerade im Mobile-Umfeld kann sich alles sehr schnell ändern und entwickeln, wodurch sich auch das Business anpassen muss.