Aus dem Unterricht des CAS Mobile Business mit Milos Radovic berichtet Adi Allenbach:

Der Berner Oberländer hat es tatsächlich in die grosse, weite Welt geschafft und zwar bis nach Zürich! So schreibt er heute seinen ersten Blog Beitrag.

Ein paar Gedanken zur mobilen Entwicklung

Die ersten Slides zeigen auf, dass es auf der Welt mehr Smartphones als Zahnbürsten gibt. Wenn ich an die Entwicklung in meiner beruflichen Tätigkeit im Mobile Business denke, haben wir in den letzten 10 Jahren riesige Fortschritte gemacht. Auch ich habe mit einem sogenannten Feature Phone meine ersten mobilen Erfahrungen gesammelt – ich mag mich noch genau an mein Nokia im Chamäleon-Lack erinnern – es hatte sicherlich um die CHF 500 gekostet 😉

nokia

Quelle: http://www.gsmarena.com/nokia_6110-8.php

Unser Dozent Milos Radovic bringt laufend Beispiele aus der Praxis. Er hat unsere Klasse gefragt, wer noch einen PC besitzen würde, also so einen richtigen Tower unter dem Tisch – die Anzahl tendierte gegen Null. Nach weiteren Fragen wurde sehr schnell klar, dass wir uns heute vor allem mit mobilen Geräten beschäftigen. Ob nun zu Hause, unterwegs oder am Arbeitsplatz. Dazu gibt es interessante Statistiken, wie beispielsweise: Wo wird das mobile Gerät am häufigsten genutzt?

nutzerzahlen_mobile

Wer hat zu hause noch einen Taschenrechner, eine Taschenlampe oder gar einen portablen CD-Player? Noch schlimmer: einen Walkman? Unsere Kinder wissen nicht mal mehr was das ist. Mobile ist heute weit mehr als nur «Mobiltelefonie» – unsere mobile Devices haben viele altertümliche Geräte abgelöst und in ein Gerät vereint.

iphone_vs_electronic_devices

Gemessen an der Speicherkapazität haben wir eine Verzehnfachung in nur 7 Jahren erreicht.

Hier noch kurz was zu den Kosten: Im Jahre 1994 hat mein damaliger Lehrmeister unsere PCs um 1MB RAM aufgerüstet – das Ding hat damals CHF 1500.- gekostet! Privat hatte ich einen PC mit 32GB Harddisk – wow! Ich glaub es noch heute kaum…

Generell haben wir bei uns in der Schweiz sicherlich noch etwas Aufholbedarf was mobile Lifestyle und Umgang mit mobilen Geräten angeht – in Schweden z.B. fallen auf eine Person 2.5 Smartphones oder 50GB Datenverkehr kosten ca. 20 Euro. Internet ist also ein zentrales Bedürfnis einer Person – dieses wird auch entsprechend stark subventioniert. Auch in Bezug auf Bezahlung sind die Nordländer Vorreiter und nutzen Systeme wie Paymit rege. In der Schweiz sind wir noch ziemlich konservativ unterwegs – mit Systemen wie z.B. Twint haben wir auch noch nicht die performantesten Prozesse oder das Benutzererlebnis ist einfach noch zu marginal.

Generierung von Mehrwert auf Mobile Devices

Mobile Devices sind die direkteste, persönlichste und relevanteste Verbindung zu Kunden.

Aus dem Geschäftsbericht 2014 der UBS geht hervor, dass mit guten «Mobile Moments» bzw. einfachen und intuitiven Apps ein klares Differenzierungsmerkmal generiert werden kann – ein signifikanter Zuwachs von Neukunden war die Folge. Ein durchschnittlicher UBS Kunde verwendet mobile Banking ca. 300mal / Jahr. Via Desktop ca. 50mal – dem gegenüber steht ein Filialbesuch von ca. einem Mal!ubs_banking

Die Kundenbindung steht also ganz klar im Vordergrund. Auch eine Migros-App ist bei vielen Kunden nicht mehr weg zu denken – diese ist im Übrigen aus einem 3tägigen Prototyp entstanden. User Enabling ist diesbezüglich sicherlich ein wichtiger Faktor. Wenn ich an meine Mama denke… Mama und Passabene oder Verwendung von Paymit – weit gefehlt! Aber in Adelboden ist eben Bares noch wahres. Von daher müssen meine Oldies solch modernen Sachen auch nicht unbedingt intus haben.

Wenn man noch konsequenter auf Mobile Apps und Mobile Banking setzen will, funktioniert dies noch persönlicher mit ChatBots und Chat UIs. Hier ein Beispiel einer Pizza-Bestellung: https://www.youtube.com/watch?v=lmKqmPoU2ec

Smartphones/Tablets sind also nicht mehr wegzudenken – sowohl bei Kindern, bei Senioren wie auch im Berufsalltag. Leistungsstarke Computer sind nicht mehr nur in Unternehmen oder in Haushalten vertreten.

entwicklung_smartphones

Einige Gründe für diesen Mobilen «Vormarsch»:

Es war einmal die Altavista Suchmaschine…

… und dann kam innerhalb von 3 Wochen Google –
mit einem Suchfeld und einem Such-Button – that’s it!

 altavista

VS

 google

Auch neue Dienste haben sich z.T. übers Wochenende auf unsere Smartphones eingeschlichen – so z.B. Whatsapp – und der Swisscom haben auf einen Schlag Millionen von Erträgen in der Kasse gefehlt – es mussten Alternativen her. So hat Swisscom auch stark Fuss gefasst im TV Sektor (Swisscom TV).

Von Wegen Einfachheit: Als Apple das iPhone vorgestellt hat, war die Frage offen, wer denn noch ein Stift dafür benötigt – das beste Werkzeug dafür seien unsere Finger. Was sich bis heute bewahrheitet hat – > Simplicity first!

Wie ist das Mobile Business zu verstehen?

Begriffsdefinition in Bezug auf Mobile Business siehe auch Beitrag von Gartner: http://www.gartner.com/it-glossary/m-business-mobile-business

Wir orientieren uns an folgendem Vorgehens-Modell für Digitalisierung. Heute wird praktisch jedes Unternehmen mit Digitalisierungs-Themen konfrontiert. Das Modell hilft uns, an den drei folgenden Digitalisierungs-Dimensionen zu orientieren und soll uns helfen, welche Heben in welche Richtung in Bewegung gesetzt werden sollten.

vorgehensmodell_digital_business

Kundenerlebnisse und Mobile Moments erschaffen (UX):

Wenn wir also von UX im Mobile Business sprechen, geht es hauptsächlich um Fragestellungen wie: Was mache ich auf dem Mobile und Online Kanal – und wie spielen diese Kanäle zusammen? Es gilt hier eine kanalübergreifende Experience zu schaffen, welche den Kunden positiv überrascht und längerfristig bindet. Es geht darum, dem Kunden ein Erlebnis für meine Unternehmung zu bieten.

Prozesse:

Hier geht es um die Frage, wie Prozesse die Wertschöpfungskette verbessert und längerfristig sichergestellt. Zudem wie diese automatisiert werden können. Mit neuen Möglichkeiten wie z.B. iOT / M2M sollen Prozesse optimiert werden können. User Experience und Prozessoptimierung müssen aber aufeinander abgestimmt sein – sprich keine neuen Kundenerlebnisse ohne abgestimmte Prozesse.

Business-Modelle:

Wenn wir uns also auf User Experience und Prozesse fokussieren, sollten wir als nächster Schritt über Business-Modell sprechen. Es entstehen zukünftige Modelle, welche viel mit Kultur und der Einstellung für die eigene Unternehmensentwicklung zu tun haben. Hier lautet die Frage:  Was ist künftig alles möglich?

“Grundsätzlich gibt es keine mobile Strategien.”

Ein interessanter Input unseres Dozenten: Grundsätzlich gibt es keine mobile Strategien – es gibt zwar mobile Vorhaben, diese müssten aber in der Unternehmensstrategie verankert sein. Ein springender Punkt ist sicherlich auch die eigene Organisationsentwicklung – ohne diese ist das Modell zum Scheitern verurteilt. Es müssen klare Guidelines vorhanden sein. Diese Dreiecksbeziehungen haben also eine starke Abhängigkeit bzw. stehen sie in Wechselwirkung zueinander. Wenn wir an einer Wirkung entsprechende Veränderungen vornehmen, werden auch die anderen beeinflusst. Von daher, müssen die Konsequenzen klar aufgezeigt werden und neue Möglichkeiten durch die Mobile Strategie und Digitalisierungsmöglichkeiten in die Unternehmensstrategie einfliessen.

In Kombination mit der schnellen Verbesserung und Adaption neuer Technologien geben die Kunden den Ton an:

entwicklung_smartphone_customer

Einige Facts & Figures in Bezug auf mobile Nutzung in der Schweiz

69% gehen nicht ohne ihr Smartphone aus dem Haus

81% haben auf Ihrem Smartphone nach einem Produkt oder einer Dienstleistung gesucht

44% kauften anschliessend online / 33% kauften anschliessend im Geschäft etwas ein

Mobile Umsätze: ca. 800 – 1’150.- Millionen

Jedes Jahr kommen höhere Rekorde aus den Online Shops dazu: z.B. bei LeShop.ch oder neu auch in Entwicklung Speedy Shopping (Post, SBB, Migros) – einkaufen innerhalb von 30min.

Ein paar Beispiele dazu

examples_appusage

Quelle: www.carpathia.ch

Mobile App Geschäftsmodelle

Freemium Modell Abo-Modell Werbung                 Kostenpflichtige App
  • Kostenlose Verteilung der Applikation
  • Nutzungs eingeschränktes Feature-Set oder beschränkte Zeit kostenlos
  • Überführung in ein Abo-Modell

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Weitergehende Nutzung oder Freischaltung weiterer Funktionen bedingt ein Abo oder eine Mitgliedschaft
  • App-Purchase: Kauf von virtuellen Gütern aus der App
  • Light/Pro-Versionen: Zwei verschiedene Versionen, die sich in der Funktion und/oder Werbung unterscheiden

 

 

 

 

Darstellung von verschiedenen Werbeformen wie z.B.: Banner, Interstitial, eingebettet, Sponsoring

Funktioniert gut wenn:

  • Die App regelmässig genutzt wird und prominent auf dem Homescreen platziert wird oder falls die App über längere Zeit gebraucht wird
  • Der Platz der Werbung ist jedoch sehr beschränkt

 

 

 

 

  • Wird eingesetzt falls die App Inhalte anbietet, die einzigartig und von guter Qualität sind
  • Falls andere Geschäftsmodelle für die App nicht funktionieren
  • Falls die Mitbewerber ebenfalls dieses Modell nutzen

 

Die Bereitschaft der Nutzen für kostenpflichtige Apps ist unterschiedlich hoch (z.B. Bereitschaft iOS User ist höher als Android User)

Das Ertragsmodell ist stark von der Verbreitung der abhängig

 

 

Sehr klever gemacht und richtig viel Geld verdient:

flappy_bird

Website vs App

jobs

Unterschiede Mobile vs. Hybrid vs. Mobile Apps

differences_applications

In der Praxis sieht das in etwa so aus:

Browser App
  facebook_browser  facebook_app
 xing_browser  xing_app
  • Benutzer muss online sein
  • Über jeden Browser erreichbar
  • URL muss eingetippt werden
  • User Experience: Beschränkte Performance und Fluidity

 

 

  • Offline Verfügbarkeit von bereits geladenen Daten
  • Zusätzlich über App-Store auffindbar
  • User Experience: Meist sehr gute Performance und gute Fluidity

 

85% der mobile Benutzer bevorzugen Apps vor mobile Websites. Die wichtigsten drei Gründe dafür sind:

  1.  Apps eignen sich einfach besser
  2.  Apps sind schneller
  3.  Apps eignen sich besser um darin zu navigieren

Hybrid-Apps

  • Multi-Channel / Multi-Device mit geringerem Aufwand (Es wird «nur» der Container dargestellt) für die nativen Plattformen
  • App in den App-Stores
  • Voller Hardware- und Software API-Support (z.B. Zugriff auf Kamera, Lautstärke, Touch-ID etc.)
  • Updates auf «Web-Module» ohne eigentliche App-Updates
  • Wiederverwendung von bereits erstelltem Web-Content

Nachteile: Komplexität im Bereich der techn. Konzeption steigt und bezüglich Multi-Plattform / Multi-Device-Optimierung auch im Web-Teil potentiell teurer.

Weitere Infos siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Mobile_App#Hybrid-Apps

Der Weg zur mobilen Strategie:

Eine Unternehmung muss einen Plan und ein Ziel haben – eine gemeinsame Marschrichtung sowie eine Ausrichtung der Organisation (Skills und Ressourcen).

Das Management muss sich folgender Fragen bewusst sein:

  • Was sind die Gefahren, falls eine Strategie fehlt? Demotivierte Mitarbeiter, keine Leitplanken
  • Die Strategie muss zur gesamten Unternehmensstrategie passen – Thema digitale Transformation – wie müssen z.B. Teilstrategien damit verzahnt sein. Es sollen auch Out-of-Scope Themen festgehalten werden
  • Ist eine Leitvorgabe vom Management, in welche Richtung sich ein Unternehmen bewegen soll, vorhanden?

In Unternehmen hört man oft:

  • Lohnt sich eine App für unsere Kunden?
  • Soll unsere Website so schnell wie möglich responsive gemacht werden?
  • Unser Konkurrent hat eine iPhone App lanciert – jetzt müssen wir auch
  • Bei uns herrscht Wildwuchs an Apps

Die Folge davon: eine klare Ausrichtung ist meist nicht zu erkennen

 mobile_vision1

Eine zielgerichtete Vision kann hier sicherlich helfen:

 mobile_vision2

Strategien sind Massnahmen und Handlungen, in der Regel für die nächsten 3 – 5 Jahre, die das Erreichen der mittel- bis langfristigen strategischen Ziele absichern sollen.

Sie dienen als Orientierungshilfe und Rahmenvorgabe für weitere Entscheidungen.

Strategien müssen klar festgehalten sein, so dass deren Umsetzungsgrad messbar und somit steuerbar wird – z.B. im Rahmen des Projektportfoliomanagements.

Ein mögliches Vorgehensmodell für die Umsetzung einer mobilen Strategie:

vorgehensmodell_strategie

Grundsätzlich sind folgende 5 Schritte zu verfolgen:

  1. Wer sind meine Zielgruppen und was sind die Einsatzfelder – (Erstellung von Personas/Empathy-Map)
  2. Welche Visionen und Ziele wollen wir mit Mobile erreichen?
  3. Mit kreativen Methoden sollen neue Ideen und Visionen erarbeitet werden
  4. Vor der Umsetzung eines neuen Projektes sollen Organisationsstrukturen und Guidelines geklärt werden
  5. Priorisierung und Definition der entsprechenden Projekte

Folgende Herausforderungen gilt es dabei zu beachten:

Steigender Aufwand
  • Gerätevielfalt nimmt stark zu (nicht nur Tablets, Smartphones)
  • Sollen Insellösungen oder CMS Systeme gebaut werden – unterschiedliche Inhalte für einzelne Geräte
Vielfalt der Lösungen / Technologien
  • Unterschiedliche Ansätze, mobile Dienste zu implementieren
  • Es ist kein pauschales «Richtig / Falsch» möglich
Wirtschaftlichkeit
  • Die perfekte Lösung wäre: Individuelle Optimierung für alle Geräte einzeln
  • Da nur beschränkte Mittel vorhanden: Pragmatismus notwendig